Rund anderthalb Jahre haben die Nachforschungen gedauert. Dann entschied der Fachbereichsrat der Kulturwissenschaftler am Mittwoch, dass "der Doktorgrad von Dr. Marc Jan Eumann nicht aberkannt wird." Mit einer dürren Presseinformation nimmt die TU Dortmund scherwiegende Vorwürfe gegen den NRW-Staatssekretär (SPD) wegen angeblichem wissenschaftlichen Fehlverhalten zurück. Für Eumann selber ist damit der Verdacht, bei der Promotion die Prüfer über seine themengleiche Magisterarbeit getäuscht zu haben, "vom Tisch". 

Eumann ist seit 2010 in der nordrhein-westfälischen Landesregierung als Staatssekretär für Medienvielfalt zuständig und wurde ein Jahr später an der Uni Dortmund mit einer Untersuchung zur Pressegeschichte promoviert. Die Dissertation enthält zum Teil wörtliche Übernahmen aus seiner zwanzig Jahre älteren Magisterarbeit. Im Literaturverzeichnis findet sich darauf kein Hinweis. Erst eine Buchbesprechung Ende 2012 zweifelte die Eigenständigkeit der Arbeit an.

Wann ist eine Zweitverwertung verboten und wann nicht? Diese Frage bleibt immer noch ungeklärt. Viele Universitäten wollen sicherstellen, dass in der Dissertation überhaupt ein Mehrwert zum Beispiel gegenüber einer Magisterarbeit steckt. Rechtlich gesehen ist ein Selbstplagiat aber schwer zu bestrafen. An der Universität Erfurt wurde vor Jahren ebenfalls ein Titel nicht aberkannt, obwohl sich einige Mitprüfer im Promotionsverfahren getäuscht fühlten. Die Universität Dortmund bezog ihre früheren Vorwürfe deshalb auch nicht darauf, dass Eumann sich bei seiner eigenen Arbeit bediente, sondern darauf, dass er dies nicht ausreichend gekennzeichnet habe.  

Eumann hatte beim Einreichen seiner Dissertation auf einem Formblatt angekreuzt, dass diese nicht "ganz oder in einer anderen Fassung oder in Teilen einer Hochschule im Zusammenhang mit einer staatlichen oder akademischen Prüfung vorgelegen hat". War das wegen der Magisterarbeit eindeutig eine Falschaussage und damit eine Täuschung der Fakultät? Nein, sagt Eumann. Er habe mit dem angekreuzten Satz vielmehr bestätigt, dass die Doktorarbeit weder zu einer früheren Prüfung vorlag noch als Steinbruch für eine andere Examensschrift diente. Tatsächlich wurde die Promotionsordnung aufgrund des Falles Eumann geändert. Jetzt verlangt sie ausdrücklich, dass Übernahmen aus älteren Examensarbeiten "als solche zu kennzeichnen" sind.