Ein jeder kann Martin Heidingsfelder buchen, um ihn Dissertationen prüfen zu lassen. Auf seiner Website sind Politikernamen angegeben, neben manchen steht ein Preis.   

Man muss das wissen, um die Nachricht einzuordnen, dass der Initiator des VroniPlag eine neue Entdeckung gemacht hat. Es geht um die Doktorarbeit des Entwicklungsministers Gerd Müller (CSU). In einer Presseerklärung schreibt Heidingsfelder, er wolle der Wissenschaftswelt einmal darlegen, "wie man nicht, bzw. falsch zitiert". Seitdem geht die Nachricht um, es gebe einen Plagiatsvorwurf.   

Nach den Fällen Guttenberg, Schavan, Koch-Mehrin löst so eine Aussage sofort die Assoziationskette "Betrug – Titelverlust – Rücktritt" aus. Dabei stützt Heidingsfelder sich auf Indizien, die ähnlich dünn sind wie die von ihm vermissten Anführungsstrichelchen.

Gerade einmal zehn Stunden will er mit der Arbeit verbracht haben. In seiner Mitteilung bildet er eine einzige Textstelle ab, die sich in der Dissertation namens Die Junge Union Bayern und ihr Beitrag zur politischen Jugend- und Erwachsenenbildung findet. Auf Seite 21 soll Müller Zitate wortgleich aus einem anderen Werk übernommen haben. 

Müller aber hat im Gegensatz zu bisher überführten Ministern wie zu Guttenberg die Quelle zitiert. Nur eben ohne Strichelchen unten und ohne Strichelchen oben.           

Heidingsfelder macht Müller keinen direkten Plagiatsvorwurf – und er macht ihn doch. Wortreich und gewunden beklagt er sich darüber, dass in letzter Zeit so oft und verharmlosend von "handwerklichen Fehlern" gesprochen werde. Handwerkliche Fehler, die gemäß internationalen Standards Plagiate seien.

Das kann man spitzfindig nennen oder sachlich korrekt. Tatsache ist aber auch, dass es hier längst nicht mehr nur um Wissenschaftsethik geht, sondern vor allem um Aufmerksamkeit. Heidingsfelder macht ein Geschäft mit fehlenden Anführungszeichen, egal ob seine Recherchen Konsequenzen haben oder nicht. Jede neue Nachricht über von ihm entdeckte Plagiate oder auch nur so etwas Ähnliches bringt ihm neue Auftraggeber. Heidingsfelder, der früher Wahlkampf für die SPD machte, ist deshalb umstritten, auch unter anderen Plagiatsjägern. 

Jetzt will die Universität Regensburg die Sache prüfen. Vielleicht stellt sich ja tatsächlich heraus, dass die Passage tatsächlich nicht die einzige Stelle ist. Natürlich ist das nicht ausgeschlossen. Heidingsfelder aber hat weniger als ein Indiz dafür. Der Ruf, den er damit am meisten gefährdet, ist sein eigener.