Ich bin Studienbotschafterin. Das bedeutet, ich besuche die gymnasialen Oberstufen in Baden-Württemberg und helfe Schülerinnen und Schülern dabei, den richtigen Weg zum Studium zu finden. Die Fragen, die ich zu hören bekomme, sind fast immer dieselben: Wie findet man eine Wohnung? Wie ist das Essen in der Mensa? Ist Studieren teuer? Muss man an der Uni viel lernen?

Die Fragen klingen für Außenstehende oft banal. Aber die Schüler versuchen, sich dadurch vorzustellen, was sich im Vergleich zur Schule ändern wird. Klausuren, Ferien und Ähnliches sind nun mal das, was sie aus der Schule kennen. Deshalb richten sich die Fragen oft nach dem Schema: Was unterscheidet die Hochschule von der Schule?

Andere Fragen wiederum lassen erkennen, dass beim Thema Studium immer auch ein bisschen Angst mitschwingt. Zum Beispiel die Frage: Welchen Schnitt brauche ich? Die Schüler haben Angst, nicht gut genug zu sein. Sie denken, nur weil hinter einem Studienfach die Worte Numerus Clausus (NC) stehen, brauchen sie sich erst gar nicht zu bewerben. Eine weitere beliebte Frage aus dem Angstbereich ist: Was kann man nach dem Studium denn damit machen?

Ich habe das Gefühl, dass sich die Schüler derzeit stark für die Überbrückungsmöglichkeiten zwischen Abi und Studium interessieren. Freiwilliges Soziales Jahr, Freiwilliges Ökologisches Jahr, weltwärts und was sonst noch alles angeboten wird. Die Schüler wollen sich nicht gleich nach dem Abi wieder in die altbekannte Lernatmosphäre stürzen, sie wollen "einfach mal weg". Deshalb kommt auch oft die Frage: "Hast du es bereut, dass du nach dem Abi nicht ins Ausland gegangen bist?" Klare Antwort: Nein. Ich bereue es nicht. "Hm", ist dann die Reaktion des Schülers. Das war wohl nicht die erhoffte Auskunft. Aber es gibt nun mal nicht den einen richtigen Weg.

Meine Lieblingsfragen sind immer die, die einen bekannten Mythos des Hochschullebens aufgreifen. Die zwei besten: "Der Numerus Clausus ist eine Note" und "Pro Wartesemester verbessert sich meine Abi-Note um 0,1". Schüler glauben oft, sie wüssten alles über den NC. Sie können stundenlang darüber diskutieren. Ebenso über den Irrglauben, die Abi-Note lasse sich irgendwie verbessern. Besonders schön wird es, wenn ein Schüler mit felsenfester Überzeugung behauptet: "Aber mein Papa sagt, dass das stimmt und der hat studiert!"

Sind Akademikerkinder besser informiert als Arbeiterkinder? Informierter, ja, aber nicht unbedingt besser informiert. Dadurch, dass sie selbst studiert haben, können Akademiker-Eltern ihren Kindern natürlich aus erster Hand vermitteln, wie ein Studium so abläuft. Das bringt aber auch Probleme mit sich. Erstens häufen sich bei solchen Erzählungen immer wieder Mythen an. Zweitens unterwerfen die Eltern die unterschiedlichen Hochschulen und Fächer subjektiven Wertungen, die die Kinder bei ihren Entscheidungen beeinflussen.

Bei Arbeiterkindern läuft das anders. Da ist die häufigste Einstellung der Eltern: "Da verdienst du doch nichts. Mach lieber eine Ausbildung." Hochschulen sind für Nichtakademiker oft ein Buch mit sieben Siegeln. Trotzdem sind Arbeiterkinder häufig umfassender informiert. Sie haben niemanden in der Familie, der sich damit auskennt, und setzen sich deshalb intensiver mit der Studienwahl auseinander. Akademikerkinder übernehmen oft einfach das Wissen der Eltern und studieren am Ende womöglich genau dasselbe.

Auch Lehrer sind nicht immer die besten Informationsquellen, wenn es ums Studieren geht. Nachdem wir eine Schule besucht haben, bekommen wir von dort noch eine Rückmeldung. Manchmal hören wir dann, dass Lehrer unsere Aussagen als falsch bezeichnet haben, obwohl sie richtig waren. Genau wie Eltern sind Lehrer oftmals schlicht falsch informiert, geben ihr Halbwissen aber mit der Haltung weiter, als wüssten sie genau Bescheid.