Ein Vorzeigeprojekt sollte es werden, als in Münster vor ein paar Jahren das Zentrum für Islamische Theologie eröffnete. Hier sollen seitdem vor allem Lehrer für den staatlichen Religionsunterricht ausgebildet werden, unter Leitung von Mouhanad Khorchide.

Doch wie soll der Islam gelehrt werden? Nicht so aufgeklärt wie von Khorchide, fanden mehrere Islam-Verbände im letzten Jahr. Im Dezember 2013 veröffentlichte der Koordinationsrat der Muslime (KRM) ein Gutachten, in dem die Autoren die Uni Münster aufforderten, Schritte zur Absetzung Khorchides einzuleiten.

Sein Buch Islam ist Barmherzigkeit sei nicht bekenntnistreu genug, das Vertrauen in den Hochschullehrer "nachhaltig zerrüttet und irreparabel beschädigt"; die größte muslimische Organisation Ditib erklärte Khorchide für "nicht tragbar". Seither fürchten mehr als 500 Studenten um ihre berufliche Zukunft. Denn als künftige Religionslehrer zum Beispiel brauchen sie (wie christliche Theologen) unbedingt die Zustimmung der Religionsverbände.

Der Streit könnte nun beigelegt werden. Khorchide und Ditib-Generalsekretär Bekir Alboğa erklären gegenüber ZEIT ONLINE einmütig, man strebe eine "Versöhnung" an. Khorchide hat laut KRM-Sprecher Erol Pürlü in einem Brief angekündigt, die massive Kritik an seinem Buch in Neuauflagen in englischer und bosnischer Sprache zu "berücksichtigen". Wie genau, bleibt abzuwarten.  

Am Zentrum Khorchides arbeiten aber bereits Repräsentanten eben jener Verbände mit, die Kritik geübt hatten. So doziert Ditib-Generalsekretär Bekir Alboğa in diesem Semester wöchentlich zwei Stunden über das Interreligiöse Gespräch und dialogischen Austausch. Für dieses Thema ist er auch in seiner Verbandszentrale zuständig. Gleichwohl legt Alboğa ausdrücklich Wert darauf, in der Uni nicht als Funktionär, sondern als promovierter Islamwissenschaftler aufzutreten.  

Gleichzeitig ist der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Mustafa Hadžić, bei Khorchide als wissenschaftliche Hilfskraft angestellt. Im Alter von fast 50 Jahren wurde er als Doktorand angenommen. So scheint die Münsteraner Islamische Theologie mittlerweile verbandsfrommer aufgestellt als vergleichbare weitere Zentren an den Unis in Osnabrück, Frankfurt, Erlangen und Tübingen.

Doch das Engagement der Funktionäre wird auf Verbandsseite weiter von einigen kritisch beobachtet. Der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek etwa beharrt: Das "KRM-Gutachten steht", nach wie vor. Sein Vize Hadžić, der als Angestellter Khorchide zuarbeitet, lasse sein Amt beim ZDM "in der Zeit seiner Tätigkeit in Münster wegen etwaiger Interessenkonflikte ruhen", so Mazyek gegenüber ZEIT ONLINE. Auf der offiziellen Webseite des Zentralrates steht das noch nicht.

Wegen etwaiger Interessenkonflikte heißt der ZMD-Chef auch die Dozententätigkeit des Ditib-Generalsekretärs nicht gut. "Im Koordinationsrat haben wir Herrn Alboğa geraten, die Vorlesung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben." Dass es anders kam, erklärt sich Mazyek so: "Vielleicht hatte man bei Ditib das ständige Tohuwabohu in Münster satt und will nun mit Präsenz vor Ort für Ordnung sorgen." Raus aus dem Schwitzkasten scheint Khorchide also doch noch nicht ganz. Verhandlungen zwischen Uni, Landesregierung und KRM über die Zukunft des Münsteraner Zentrums laufen weiterhin.