Junge Forscher erwartet der befristete Arbeitsvertrag. Wer nicht schnell genug Professor wird, steht vor dem Aus. Viele wandern deshalb ins Ausland ab.

Eines der brennenden Probleme im deutschen Wissenschaftsbetrieb ist das Fehlen von Zukunftschancen für Doktoranden und wissenschaftliche Mitarbeiter wie mich. Wie viele andere junge Wissenschaftler auch, bin ich deshalb fürs Erste ins Ausland gegangen. In Deutschland habe ich keine Perspektive gesehen.

Ein Hauptgrund für meine Zukunftsangst ist der Mangel an festen Stellen im sogenannten wissenschaftlichen Mittelbau. Das sind Stellen unterhalb der Professorenebene für Mitarbeiter, die in Lehre und Forschung tätig sind, ohne dabei selbst eine ganze Arbeitsgruppe zu leiten.

Nicht jeder Doktorand oder Postdoc kann auch Professor werden, dafür gibt es bei weitem nicht genügend Lehrstühle. Doch auch im Mittelbau fehlen Stellen. Denn vor ein paar Jahren hat der Gesetzgeber die Anstellung von Wissenschaftlern nach der Promotion in befristeten Arbeitsverhältnissen auf sechs Jahre beschränkt. Gleichzeitig wurden fast alle unbefristeten Stellen im Mittelbau gestrichen. 

Was bleibt, sind Forscher wie ich in einer Zwickmühle. Ich würde gerne nach Deutschland zurückkehren und dort an einer Universität forschen und lehren. So könnte ich meiner Passion nachgehen und gleichzeitig etwas von der Ausbildung, die ich in Deutschland genießen durfte, zurückgeben. Ich würde mit Anfang 30 gerne irgendwo ein Leben beginnen, mit der Aussicht, dauerhaft meinem Beruf nachgehen zu dürfen. Doch ich fürchte mich vor einem de facto Berufsverbot nach sechs Jahren, falls ich bis dahin keine Professur ergattern konnte.

Während die Gesamtzeit, die man in befristeten Anstellungen an der Uni verbringen kann, befristet ist, ist der Anzahl der Verträge bis zum Ablaufen dieser Frist keine Grenze gesetzt. Die Anstellung eines Freundes von mir wurde im Rhythmus von drei bis sechs Monaten verlängert, insgesamt vier Jahre lang. Während solche Dauerbefristungen außerhalb der Universitäten inzwischen verboten sind, sind sie für Wissenschaftler immer noch trauriger Alltag. Und dieser Alltag macht Angst.

Bisher dachte ich, dass die Führung deutscher Universitäten diese Probleme sehen und anerkennen würde. Doch das Gegenteil scheint der Fall. Statt sich für den wissenschaftlichen Nachwuchs einzusetzen, scheint auf der Leitungsebene einiger Universitäten die Einstellung vorzuherrschen, feste Anstellungen würden den Mittelbau nur zum Pöbeln gegen Professoren animieren. Kürzlich war von einem deutschen Universitätspräsidenten zu hören, Festanstellungen machten den wissenschaftlichen Mittelbau faul.

Wie soll man sich so gegen Vorgesetzte wehren?

Schon früh in meiner wissenschaftlichen Laufbahn habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Austausch zwischen Doktoranden, Assistenten und Professoren ein elementarer Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit ist und oftmals der Motor des Fortschritts. Dabei sind Spannungen ganz normal. Unbefristete Verträge helfen, ein Kräftegleichgewicht zwischen Professoren und Mittelbau herzustellen, das letztlich allen nützt.

Wenn sich Mitarbeiter sicher fühlen, können sie gegen Betrug in der Wissenschaft vorgehen und sich gegen den Druck zur Wehr setzen, ein "Wunschergebnis" zu liefern. Ich habe selbst erlebt, wie schwer es ist, sich gegen Vorgesetzte zu behaupten, wenn man durch eine befristete Anstellung vollkommen von ihnen abhängig ist.

Die meisten meiner Kollegen haben eine extrem hohe innere Motivation und sind ständig bestrebt, beste Leistungen zu erbringen. Arbeitszeiten von 50-60 Stunden pro Woche sind keine Seltenheit. Dabei verdient man als Doktorand oder wissenschaftlicher Mitarbeiter meist kein Vermögen, nimmt das aber aus Liebe zum Projekt in Kauf. Was uns treibt, ist nicht die Angst vor dem Verlust der Stelle, sondern der Spaß am Forschen und die Neugier auf das nächste spannende Ergebnis.

Ich denke, dass Menschen wie ich, die ihre Passion in Forschung und Lehre gefunden haben, Unterstützung verdienen. Wenn schon nicht von der Politik, dann wenigstens von Seiten der Professoren. Wenn ich in Deutschland Grundlagenforschung betreiben könnte, ohne dabei ständig Existenzangst zu haben, wäre das für mich eine Motivation und keine Einladung zur Faulheit.

Die Autorin hat in Berlin Biologie studiert und anschließend am Europäischen Molekularbiologischen Labor in Heidelberg promoviert. Seit 2010 arbeitet sie in der Abteilung für Molekular- und Zellbiologie der Harvard University, unterstützt durch ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft.