Als Eva das erste Mal vor einer Klasse steht, merkt sie, dass die Schule nichts für sie ist. Von Lehramtsstudenten, die alles wollen – nur nicht Lehrer werden.

Wer ein Fach auf Lehramt studiert, wird danach Lehrer. Das ist zumindest das erklärte Berufsziel der meisten Studienanfänger. Doch nicht wenige merken spätestens in den Praktika, wenn sie alleine vor der wilden Schulklasse stehen, dass ihnen der Lehrerberuf gar nicht liegt. Was tun? Das Lehramtsstudium trotzdem abschließen? Welche Jobaussichten hat man danach, wenn man nicht in die Schule will? Hier sind drei Studenten, die zwar Lehrämtler sind oder waren, aber alternative Pläne entwickelt haben: 

Adrian schreibt lieber ein Buch

Der Lehrerberuf ist eine Investition in die Zukunft. In der Arbeit mit Jugendlichen sehe ich die beste Möglichkeit, die Welt positiv zu verändern. Außerdem verspricht der Beamtenstatus eines Lehrers finanzielle Stabilität. Daher hatte ich ein Lehramtsstudium begonnen. 

Ich studiere Wirtschaft und Geografie auf Lehramt Gymnasium. Mein Studiengang endet noch mit einem Staatsexamen. Mittlerweile bin ich im neunten Semester und kurz vor dem Ende. Ich brauche ein bisschen länger als meine Kommilitonen, weil ich wegen einer Knieverletzung längere Zeit aussetzen musste. Doch im Gegensatz zu meinen Kommilitonen habe ich den Lehrerberuf eigentlich schon lange aufgegeben. Ich werde mein Studium noch zu Ende bringen, danach allerdings kein Referendariat anfangen. 

Während meines Studiums zweifelte ich mehr und mehr. Denn die Einstellungsquoten für meine Fächer in Bayern sind sehr schlecht. Ich bin ein überdurchschnittlich guter Student. Für einen sicheren Job reichen wird es wohl trotzdem nicht. 

Der Umbruch kam ungefähr im vierten und fünften Semester. Meine Freunde und Bekannte haben mir immer schon gesagt, dass ich sprachlich sehr begabt sei. Da dachte ich mir: Wenn das System keinen Beruf für mich übrig hat, dann schreibe ich eben ein gesellschaftskritisches Buch über das System. So fing ich vor eineinhalb Jahren an, eine Novelle über das westliche Bildungssystem zu schreiben. Es geht um einen normalen Studenten, der von der Gesellschaft erdrückt wird. Er ist manisch depressiv, sieht keine Zukunft für sich und seine Mitmenschen. An jedem der fünf Tage, die die gesamte Handlung ausmachen, blickt er einmal in seine Vergangenheit zurück und sucht nach Ursachen für seine gegenwärtige Misere. Da kommt er auf Dinge wie die brüchige Beziehung zu seinen berufstätigen Eltern oder auf den Leistungsdruck erst in der Schule und dann in der Gesellschaft, die von einem oberflächlichen Materialismus geprägt ist. Schließlich radikalisieren sich die Gedanken des Studenten und es kommt zum großen Finale. 

Aus dem Hobby, neben dem Studium zu schreiben, ist eine ernsthafte Hoffnung auf einen Beruf geworden. Vor einem Monat habe ich das Manuskript an 14 Verlage geschickt. Jetzt warte ich noch auf ein erstes Feedback. Ich weiß, dass der Beruf des Schriftstellers ein riskantes Unterfangen ist, gerade was finanzielle Sicherheit angeht. Doch auch als Schriftsteller kann ich, wie als Lehrer, junge Leute erreichen, sie beeinflussen und ihnen einen Blick über den Tellerrand ermöglichen. Zudem konnte ich beim Schreiben von meinem Studium profitieren. Viele pädagogische und gesellschaftswissenschaftliche Inhalte haben mir geholfen, Zusammenhänge in der Welt zu verstehen und meiner Geschichte ein Fundament zu geben. 

Für den Fall, dass mein Buch den Verlagen nicht gefallen sollte, habe ich noch einen Plan C. Ich habe mich bei der Polizei beworben und bereits alle schriftlichen und sportlichen Prüfungen bestanden. Wegen meiner Verletzung kann es allerdings sein, dass die Bewerbung an den medizinischen Tests scheitert. In jedem Fall möchte ich zunächst mein Studium beenden. Wenn es mit der Polizeiausbildung doch klappen sollte, würde ich mich nach der Grundausbildung auf den Bereich der Jugendkriminalität spezialisieren. Da könnte ich wiederum von meinem dann abgeschlossenen Lehramtsstudium profitieren.