Welche Stadt?

Wem die Trennung von zu Hause und von seinen Freunden schwerfällt, der kann sich eine Hochschule in der Nähe des Heimatortes suchen. Für fast zwei Drittel aller Studienanfänger ist das der HIS-Umfrage zufolge wichtig, und immerhin jeder vierte Student wohnt laut der Sozialerhebung des Studentenwerks noch bei seinen Eltern. Das ist günstig und bequem, kann aber Nachteile haben. Denn ein neuer Lebensabschnitt ist eine gute Gelegenheit, eine fremde Stadt zu entdecken, neue Freunde zu finden und sich selbst neu kennenzulernen.

Auch die Frage Groß- oder Kleinstadt muss jeder für sich beantworten: Den einen reizen das Nachtleben und die Anonymität in Städten wie Berlin oder Hamburg, der andere freut sich, in Passau in der Kneipe um die Ecke Freunde zu treffen, ohne sich verabreden zu müssen. Mehr und mehr Studienanfänger wagen von Anfang an den Schritt über die Grenze und studieren im Ausland.

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Ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für den Studienort sind für knapp die Hälfte der Studienanfänger niedrige Kosten: Je nach Region unterscheiden sich die Ausgaben für Miete, Lebensmittel oder öffentliche Verkehrsmittel stark. Laut Studentenwerk zahlt der Durchschnittsstudent 266 Euro Miete pro Monat. In München, der teuersten Stadt im Vergleich, sind es fast 100 Euro mehr, in Chemnitz knapp 70 Euro weniger. Auch bei den Ausgaben für Kneipen, Clubs und Kulturprogramm gibt es Preisunterschiede: Im Café an der Uni in München zum Beispiel kostet die Halbe Bier 3,20 Euro und ist damit für Münchner Verhältnisse günstig. In der Leipziger Kneipe Noch besser leben zahlt man nur 2,40 Euro. Die Studentenkarten für das Schauspiel Frankfurt kosten acht Euro, ins Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin kommen Studenten für nur vier Euro, am Wochenende für fünf.

Sparen kann man auch an den Studiengebühren, die nur in fünf von 16 Bundesländern verlangt werden. Knapp ein Drittel der Studienanfänger wählten ihren Studienort laut HIS-Umfrage, weil sie dort keine Gebühren zahlen. Landschaft und Ausflugsmöglichkeiten oder Freizeit- und Kulturangebot können ebenfalls in die Entscheidung einfließen. Schließlich möchte man sich an seinem Studienort wohlfühlen. Fast jeder dritte Studienanfänger stuft das Freizeitangebot als wichtiges Kriterium ein. Zu guter Letzt kann der Studienort Chancen bieten, sich beruflich zu orientieren. Oft ergeben sich über Praktika bei Unternehmen in der Region oder durch Jobs, die man neben dem Studium macht, wertvolle Kontakte für den Berufseinstieg.

Nicht alle Vorzüge und Nachteile einer Stadt lassen sich auf den ersten Blick erfassen. Daher lohnt es sich, Studenten anzusprechen und nach ihrer Einschätzung zu fragen. Das kann man auf dem Campus tun oder im Internet über soziale Netzwerke wie StudiVZ oder Facebook, wo man Studenten der jeweiligen Hochschule anschreiben kann. Nach Abwägung aller rationalen Kriterien kann schließlich ein Spaziergang einen Eindruck vom Lebensgefühl der Stadt geben und die Fragen beantworten: Kann ich mir vorstellen, hier zu leben? Könnte ich mich hier wohlfühlen?