Wer sich um einen Studienplatz bewirbt, dem erscheint das Verfahren oft undurchsichtig. Denn die Regeln und Voraussetzungen unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule und von Studiengang zu Studiengang. Das bedeutet: Für Anglistik an der Hochschule A gilt etwas anderes als für Anglistik an der Hochschule B, aber eben auch als für Physik an der Hochschule A.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Rund die Hälfte aller Bachelorstudiengänge ist zulassungsfrei, das heißt, es genügt das Abitur als Eintrittskarte. Man kann sich einfach einschreiben. Für die andere Hälfte muss man sich in der Regel bei der jeweiligen Hochschule bewerben. Die meisten zulassungsbeschränkten Studiengänge haben einen sogenannten lokalen NC, sie werden auch als "örtlich zulassungsbeschränkt" bezeichnet. Die Kriterien, nach denen die Bewerber in diesen Fächern ausgewählt werden, legen die einzelnen Hochschulen für den jeweiligen Studiengang fest. Das wichtigste Kriterium ist dabei stets der Abi-Schnitt.

Eine Ausnahme im Bewerbungssystem bilden Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie. Für diese vier Fächer läuft die Bewerbung zentral über das Internetportal hochschulstart.de – deshalb werden sie als "bundesweit zulassungsbeschränkt" bezeichnet. 40 Prozent der Plätze werden deutschlandweit nach einheitlichen Kriterien vergeben. Über die restlichen 60 Prozent der Plätze entscheiden die Hochschulen – wie bei den anderen zulassungsbeschränkten Studiengängen auch.

Tipps für Studiengänge mit lokalem NC

Der Abi-Schnitt, den man braucht, um auf Anhieb einen Platz in einem Studiengang zu bekommen, wird als Numerus clausus (NC) bezeichnet. Wie hoch er jeweils ist, lässt sich im Voraus nicht sagen, denn er wird jedes Semester neu aus Angebot und Nachfrage gebildet. Man kann sich aber am NC der vergangenen Semester orientieren. Manche Hochschulen veröffentlichen die Werte im Internet, ansonsten fragt man am besten bei der Studienberatung nach. Nur weil es einen NC gibt, heißt das übrigens nicht, dass lediglich Einser-Abiturienten eine Chance haben. Für viele Fächer liegt der geforderte Schnitt im Zweier-Bereich und manchmal, wenn die Nachfrage nicht so hoch ausfällt, werden sogar alle Bewerber zugelassen. Außerdem müssen die Hochschulen Plätze nach Wartezeit vergeben.

Tipp 1: Häufig bewerben

Je mehr Bewerbungen, desto größer die Chance, dass es irgendwo klappt. Wenn sich viele mehrfach bewerben, kann das zwar zu einem Zulassungswirrwarr mit einigen Nachrückerrunden führen, weil die Unis Zu- und Absagen nicht untereinander koordinieren. Für den einzelnen Bewerber erhöht es trotzdem die Chancen. Wenn es mit dem Wunschstudienplatz geklappt hat, sollte man aber sofort allen anderen Hochschulen absagen, damit dort die anderen Bewerber schnell zum Zuge kommen. Künftig soll eine zentrale Software, das sogenannte Dialogorientierte Serviceverfahren der Stiftung für Hochschulzulassung für mehr Effizienz sorgen, der Start wurde jedoch schon mehrfach verschoben.

Tipp 2: Unbekanntere Orte wählen

Wer sich nicht nur in Großstädten und an den beliebten Traditions-Unis, sondern auch an unbekannteren Hochschulen bewirbt, ist im Vorteil. In Ostdeutschland sind die Bewerberzahlen generell niedriger. In Baden-Württemberg, Bremen, Berlin und Brandenburg wird es in diesem Jahr wahrscheinlich besonders voll werden, weil dort jeweils zwei Jahrgänge Abitur machen.

Tipp 3: Zusatzpunkte sammeln

Der Abi-Schnitt ist zwar das wichtigste, aber nicht das einzige Kriterium, nach dem Hochschulen ihre Studenten auswählen können. Manchmal werden einzelne Noten stärker gewichtet, oder die Bewerber müssen ein Motivationsschreiben mitschicken. Auch eine Berufsausbildung kann Bonuspunkte bringen. Und an einigen Unis gibt es Tests oder Auswahlgespräche. Was im Wunschstudiengang verlangt wird, kann man auf der Homepage der jeweiligen Hochschule nachlesen oder bei der Studienberatung erfragen. Die Uni Freiburg etwa bittet angehende Soziologen zum Test und wertet die Abi-Noten in Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache stärker. An der Uni Konstanz zählen ebenfalls einzelne Noten mehr, außerdem können soziales Engagement und praktische Erfahrung Bonuspunkte bringen. Wenn das eigene Profil zum Studiengang passt, hat man also bessere Chancen.

Tipp 4: Aufs Losglück setzen

Studienplätze, die frei bleiben, weil die Auserwählten abgesagt haben, werden manchmal verlost. Die Termine legen die Hochschulen individuell fest; meistens finden die Verlosungen fürs Wintersemester Anfang bis Mitte Oktober, also kurz vor Semesterbeginn, statt. Wer am >> Losverfahren teilnehmen will, muss sich direkt bei den Hochschulen über die Fristen und Voraussetzungen informieren – manchmal gibt es für die Bewerbung Vordrucke auf den Homepages, bisweilen genügt eine Postkarte oder Mail. Die meisten Hochschulen melden freie Studienplätze außerdem bei der Internetplattform www.freie-studienplaetze.de . Eine weitere Studienplatzbörse gibt es unter bit.ly/zs12studienplatz .

Tipp 5: Aufs Sommersemester warten

Etwa ein Viertel der Bachelorstudiengänge startet auch zum Sommersemester. Das kann eine Chance sein, doch noch unterzukommen – selbst wenn es zum Wintersemester nicht geklappt hat.

Tipp 6: Plan B überlegen

Es lohnt sich, nach Alternativen Ausschau zu halten: Ein und dasselbe Fach kann an einer Hochschule einen hohen Numerus clausus haben, an der nächsten einen niedrigeren und an der dritten gar keinen. Für BWL etwa musste man an der FU Berlin im vergangenen Semester einen Durchschnitt von 1,5 haben, an der TU Clausthal dagegen ist das Fach zulassungsfrei. Unter www.hochschulkompass.de kann man gezielt nach zulassungsfreien Studiengängen suchen (über Studiengänge – Profisuche – Zulassungsmodus: Keine Zulassungsbeschränkung). Manchmal findet man auch einen Studiengang, der zwar anders heißt, aber ähnliche Inhalte hat, oder es gibt Varianten des Wunschfaches mit weniger Konkurrenz (zum Beispiel Wirtschaftspsychologie statt Psychologie). Und manchmal kann man den Traumstudiengang, wenn schon nicht im Hauptfach dann wenigstens im Nebenfach studieren, weil dafür andere Zulassungsvoraussetzungen gelten.