Jeder, der Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin oder Pharmazie studieren will, muss sich im Internet zentral über die Plattform hochschulstart.de bewerben, die von der Stiftung für Hochschulzulassung betrieben wird – der früheren Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen, bekannt als ZVS.

Der Andrang in diesen Fächern ist groß. Für die gut 9.000 Studienplätze in Humanmedizin haben sich zum vergangenen Wintersemester mehr als 44.000 Abiturienten beworben. Damit kamen fast fünf Bewerber auf einen Platz. Bei Zahn- und Tiermedizin war es ähnlich. In Pharmazie hingegen gab es nur zwei Bewerber pro Platz – hier sind die Chancen also deutlich besser.

Die Studienplätze werden für jedes Fach nach Quoten verteilt. Dabei wird die sogenannte 20-20-60-Regel angewandt: 20 Prozent der Plätze gehen an die besten Abiturienten, 20 Prozent werden nach Wartezeit vergeben (mehr dazu auf Seite 55), und 60 Prozent werden von den Unis nach ihren eigenen Kriterien vergeben, im sogenannten Auswahlverfahren der Hochschulen.

Es gibt Universitäten, die auch bei ihrem eigenen Auswahlverfahren nur nach dem Notenschnitt im Abi-Zeugnis auswählen, etwa die Unis in Bonn, Düsseldorf und Köln. In Düsseldorf zum Beispiel bekamen im vergangenen Wintersemester nur Medizinbewerber mit einem Abi-Schnitt bis 1,3 einen Platz.

Den ZEIT Studienführer 2014/1015 erhalten Sie am Kiosk und im ZEIT Abo-Shop

Bei anderen Hochschulen zählen neben dem Abi-Schnitt noch weitere Kriterien. Sie berücksichtigen zum Beispiel ein gutes Abschneiden im Medizinertest, führen Auswahlgespräche  oder vergeben Bonuspunkte, zum Beispiel für eine abgeschlossene Berufsausbildung. Das heißt, auch mit etwas schlechteren Noten kann man eine Chance haben. An der Universität Freiburg beispielsweise wurde im vergangenen Wintersemester ein Bewerber mit einem Abi von 1,9 zugelassen: Er konnte seinen Schnitt auf die Note 1,1 verbessern, und zwar durch eine Ausbildung als Rettungsassistent (minus 0,4), durch ein gutes Abschneiden beim Medizinertest (minus 0,3) und einen Freiwilligendienst (minus 0,1). Um seine Chancen nutzen zu können, ist es also wichtig, das Auswahlverfahren der jeweiligen Uni genau zu kennen.

Wer trotz Bonuspunkten keinen Platz ergattert, der kann auf Wartesemester setzen. Dann allerdings muss er sich lange gedulden: In allen drei Medizinfächern kamen im vergangenen Wintersemester nur Bewerber zum Zug, die bereits zwölf Semester Wartezeit vorweisen konnten. Bei Pharmazie waren es mit zwei Wartesemestern deutlich weniger.

Eine Alternative kann ein Medizinstudium im Ausland sein. Deutschsprachige Studiengänge gibt es in Österreich und Ungarn, englischsprachige auch in anderen osteuropäischen Ländern.

Bei Fragen zur Medizin- oder Pharmaziebewerbung hilft die Telefonhotline der Stiftung für Hochschulzulassung unter 0180 39 87 11 10 01. Sie ist montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr besetzt. Auch eine Beratung per E-Mail ist möglich. Dort findet man auch eine Übersicht über die Auswahlkriterien der einzelnen Universitäten und kann die bisherigen Bewerberzahlen und NCs vergangener Semester nachlesen.

So steigen die Chancen

1. Klug auswählen, wo man sich bewirbt

Bis zu sechs Wunschuniversitäten können Bewerber auf der zentralen Bewerbungsplattform hochschulstart.de angeben. Achtung: Mehr als die Hälfte der Unis berücksichtigen nur diejenigen Bewerbungen, bei denen sie auf den vorderen Rängen der Wunschliste stehen (meist auf den Plätzen 1 bis 3). Bei etlichen Hochschulen ist sogar jeder aus dem Rennen, der diese nicht an erster Stelle genannt hat. Bei Tiermedizin etwa wollen von den fünf Unis, die das Fach anbieten, drei auf dem ersten Rang stehen.