Studenten berichten

"Ich habe total verschlafen – und allen war’s egal"

In meiner zweiten Woche an der Uni habe ich einmal total verschlafen. Es war mir irre peinlich, zu spät in die Vorlesung zu kommen. Ich dachte, der Dozent hält mir jetzt gleich eine Standpauke. Aber im Hörsaal hat sich dann nicht mal jemand zu mir umgedreht. Niemanden interessiert es, ob ich da bin oder nicht. Nicht ständig kontrolliert zu werden genieße ich sehr. Mir wird zugetraut, selbst zu entscheiden, was ich wann lernen will. Ich hatte Vorlesungen in den Fächern Geschichte des Rundfunks und der Presse, Allgemeine Psychologie sowie Lehr- und Lernforschung. Dazu kamen Seminare. Im Kurs Inhaltsanalyse und Beobachtung musste ich eine Woche lang ohne Internet auskommen und den anderen Seminarteilnehmern berichten, wie das war – ich habe nicht geschummelt und fand es eigentlich sehr entspannend. Am Semesterende hatte ich vier Prüfungen. Bei meiner ersten war ich ziemlich aufgeregt: 300 Leute statt 30 wie in der Schule, Ausweiskontrollen am Eingang, klare Ansagen, wo die Handys und Taschen hinmüssen. Das war etwas einschüchternd, aber als wir dann die Aufgabenblätter umdrehen durften, war es auch nicht großartig anders als in der Schule.


"An der Uni rauschen wir nur so durch den Stoff"

Am Ende des Semesters wartete die schwerste von drei Prüfungen auf mich: Rechenmethoden – nur ganz knapp bestanden! Das war neu für mich. Es reicht nicht mehr, einfach massig auswendig zu lernen. Um richtig gute Noten zu schreiben, muss man den Stoff beherrschen. Aber das liegt mir eh mehr, ich beschäftige mich jetzt ja mit dem, was mich wirklich interessiert. An der Schule war alles viel langsamer, das fällt mir jetzt erst richtig auf. An der Uni rauschen wir nur so durch den Stoff. Matrizen etwa haben wir in einer Vorlesungssitzung abgehandelt. Das ist manchmal ganz schön stressig. Aber dann habe ich auch Dozenten, die sich auf uns Erstsemester total einstellen. Der Professor in Experimentalphysik zum Beispiel gibt sich viel Mühe, unsere Begeisterung zu wecken. Einmal haben wir eine mit Wasser gefüllte Stahlkugel in minus 200 Grad kalten Stickstoff getaucht. Die ist geplatzt. So haben wir gelernt, wie Wasser sich ausdehnt, wenn es gefriert. Es ist toll, dass ich mit lauter Leuten zusammen lerne, die sich genauso sehr für Physik interessieren wie ich. Manchmal vermisse ich es aber auch, anderen Input zu bekommen. Deshalb gehe ich jetzt ab und zu in Philosophie-Vorlesungen.


"Die Professoren kennen mich sogar beim Namen"

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2015/2016.

In meiner Heimatstadt studieren? Das wollte ich eigentlich nicht. Für mein Wunschfach Medizin habe ich die endgültige Absage aber erst eine Woche vor Vorlesungsbeginn bekommen. Dann noch in eine neue Stadt zu ziehen war mir zu hart. Da schien es mir die beste Alternative, in Mittweida zu bleiben und statt Medizin Biotechnologie zu studieren. Ich hatte zwar Bammel, dass es etwas langweilig wird, aber hier kommen viele Studenten von auswärts, und ich habe schnell neue Leute kennengelernt. Direkt auf dem Campus ist das Haus des Studentenclubs. Da gibt es Partys und Konzerte, oder wir treffen uns zum Grillen. An der Hochschule ist alles sehr familiär, ich sitze nicht mit 400 anderen Studenten im Hörsaal. Meine Profs kennen mich sogar beim Namen, und dass mich einer wegschickt, weil er keine Zeit hat, habe ich noch nie erlebt. Im ersten Semester hatten wir viele Übungen im Labor. Da haben wir dann zum Beispiel Säure- Basen-Experimente gemacht und Seife hergestellt. Und wir haben unser Leitungswasser von zu Hause mitgebracht und auf Keime untersucht. Aber es gibt schon auch trockeneren Stoff: Vorlesungen in Mathe zum Beispiel, und auch Chemie hat ziemlich reingehauen.