Streit schlichten, Eltern beruhigen – nicht jeder, der mal Schüler war, weiß, was es bedeutet, Lehrer zu sein.

Hat das jetzt irgendjemand hier kapiert? Wie kann ich das besser erklären? Liegen wir noch im Zeitplan? Lehrer stellen sich tausend Fragen – und Menschen, die es werden wollen, auch: Wie sieht der Berufsalltag aus? Werde ich dann verbeamtet? Wie wird man überhaupt Lehrer? Und bin ich dafür geeignet? Zumindest auf diese Fragen gibt es hier ein paar Antworten.

Für wen ist das etwas?

"Ich finde Bio spannend" reicht als Motivation, um Biologielehrer zu werden, nicht aus. Natürlich ist es wichtig, dass man sich für die gewählten Fächer interessiert. Die lassen sich aber auch in einem normalen Bachelor studieren. "Als Lehrer muss man sein Fach mögen, aber nicht nur das", betont Danny Krull, Erziehungswissenschaftler am Zentrum für Lehrerbildung der TU Chemnitz. "Vor allem muss man sich selbst mögen, und man muss Menschen mögen." Wer in sich ruht, erträgt es leichter, kritisiert zu werden. Und wer Einfühlungsvermögen besitzt, versteht, wie es ist, etwas nicht zu wissen, und begreift eher, was der andere braucht, um es zu lernen.

Auch wenn jemand gerne Jugendgruppen leitet oder Spaß daran hat, Nachhilfe zu geben, kann das ein Hinweis darauf sein, dass ihm der Lehrerberuf liegen könnte. Selbsteinschätzungstests im Internet helfen, sich über die eigenen Fähigkeiten und Wünsche klar zu werden. Sicher ist: Als Verlegenheitslösung eignet sich ein Lehramtsstudium nicht.

Wie sieht der Berufsalltag aus?

Nur weil man als Schüler zwölf Jahre lang ständig Lehrer vor sich hatte, heißt das nicht, dass man deren Job kennt. Wenn die Schulglocke läutet, geht die Arbeit der Lehrer weiter. Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zufolge unterrichten sie wöchentlich etwa 23 bis 28 Schulstunden, abhängig von Schulform und Bundesland. Doch der Unterricht will vorbereitet sein, Klassenarbeiten müssen entworfen und korrigiert werden (wofür Berufsanfänger oft länger brauchen). Außerdem haben Lehrer Besprechungen mit Kollegen, Eltern, Schülern oder auch dem Jugendamt. So kommen Lehrer der fünften bis zehnten Klassen nach eigenen Angaben in einer normalen Schulwoche auf eine Arbeitszeit von 46 Stunden. Dies hat eine Studie der Bildungsforscher Dirk Richter und Hans Anand Pant ergeben.

Lehrer arbeiten stärker im Team, als man denkt. Sie tauschen sich über Schüler aus, sprechen Inhalte ab und entwickeln im besten Falle auch Unterrichtskonzepte zusammen. Und noch etwas gehört zum Lehrersein: mit Konflikten umzugehen. "Eine Unterrichtsstunde in der Schule kann man selten so durchführen wie geplant", sagt Kerstin Ruthenschröer, Konrektorin einer Grundschule im nordrhein-westfälischen Hörstel. "Wir verbringen zum Beispiel viel Zeit damit, Streit beizulegen, den es in der Pause gegeben hat. Das ist wichtig für das soziale Klima in der Klasse." Nachmittags, abends, sogar am Wochenende geht es weiter, wenn Eltern anrufen, zum Beispiel, weil sie mit der Note ihres Kindes nicht einverstanden sind. "Da entsteht ein psychischer Druck, dem nicht jeder gewachsen ist."

Wie funktioniert das Studium?

Lehrer wird man, indem man in der Regel zehn Semester lang "auf Lehramt" studiert und danach einen Vorbereitungsdienst, das Referendariat, absolviert. Jedes Bundesland und manchmal sogar jede Uni regelt die Ausbildung anders. Das macht das Ganze extrem unübersichtlich und erschwert es, den Studienort zu wechseln, wenn man sich einmal eingeschrieben hat.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2016/17.

In Sachsen gibt es Lehramt nur als Staatsexamens-Studiengang. In Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen existieren beide Modelle: Staatsexamen und Bachelor/Master. Alle anderen Bundesländer haben komplett auf Bachelor und Master umgestellt.

Manche Bachelorstudiengänge sind lehramtsbezogen ("Bachelor of Education"), andere sind "polyvalent". Mit Letzteren ist es möglich, erst nach dem Bachelor zu entscheiden, ob man wirklich den Master of Education anschließen will oder sich doch eher in einem anderen Beruf sieht.

Das Studium ist dreigeteilt in Fachwissenschaften, Fachdidaktik und Bildungswissenschaften. Man studiert in der Regel zwei Fächer – seine zukünftigen Unterrichtsfächer. Dabei besuchen Lehrämtler die gleichen Kurse wie Studenten, die nicht Lehrer werden wollen: Die künftige Physiklehrerin sitzt in der Vorlesung neben der späteren Kernforscherin, der angehende Englischlehrer hält sein Referat mit dem künftigen Lektor. Wie man den Stoff an Kinder oder Jugendliche vermittelt, sollen Lehrämtler in Seminaren zur Fachdidaktik lernen. Im bildungswissenschaftlichen Teil des Studiums wiederum beschäftigen sie sich mit Lernprozessen, Entwicklungspsychologie und Lerntheorien.

Der Aufbau des Studiums hängt auch von der Schulform ab, in der man später unterrichten will. Es gibt verschiedene Schulformen in den Bundesländern, aber im Allgemeinen stehen zur Wahl: Lehramt an Grundschulen, Lehramt an Haupt- und Realschulen, Lehramt an Gymnasien, Lehramt an Berufsschulen sowie sonderpädagogische Lehrämter. Die Ausbildung für Gesamtschulen ist unterschiedlich geregelt. Die meisten Studenten entscheiden sich gleich zu Beginn des Bachelors für eines der Lehrämter. Von der Wahl hängt ab, wie viele Credit Points sie in den drei Studienbereichen sammeln müssen. "Je jünger die künftigen Schüler, desto größer der pädagogische Anteil des Studiums und desto geringer der fachwissenschaftliche Anteil", sagt der Bildungsforscher Dirk Richter.

Schon lange wird kritisiert, dass die Lehrerausbildung zu wenig auf den Berufsalltag vorbereite. Jeder fünfte Junglehrer erleidet beim Berufseinstieg einen Praxisschock, ergab 2012 eine Allensbach-Studie. Die Unis haben reagiert und ihren Studenten verschiedene Schulpraktika in die Stundenpläne geschrieben. Die Unterschiede sind allerdings groß: In einigen Studiengängen sind für den Ausflug hinters Lehrerpult nur ein paar Wochen vorgesehen, in anderen ist es ein ganzes Semester.