So steigen die Chancen

Wer Medizin studieren will, braucht gute Noten. Wie gut der Abi-Schnitt tatsächlich sein muss, kann sich von Uni zu Uni dann aber doch um einen halben Notenwert oder sogar mehr unterscheiden. Um seine Chancen optimal zu nutzen, ist es wichtig, das Bewerbungsverfahren genau zu kennen. Dann kann man sich strategisch klug bewerben.

Alle Bewerbungen für Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie laufen im Internet zentral über die Plattform hochschulstart.de, die von der Stiftung für Hochschulzulassung betrieben wird. Der Andrang in diesen Fächern ist groß. Auf 9.000 Studienplätze in Humanmedizin haben sich zum vergangenen Wintersemester mehr als 43.000 Abiturienten beworben. Damit kamen fast fünf Bewerber auf einen Platz. Bei Zahn- und Tiermedizin waren es jeweils um die vier Bewerber. In Pharmazie hingegen gab es nur gut zwei Bewerbungen pro Platz – hier sind die Chancen also deutlich besser.

Das Spitzen-Abi

Die Studienplätze werden für jedes Fach nach Quoten verteilt. Dabei wird die sogenannte 20-20-60-Regel angewandt: 20 Prozent der Plätze gehen an die besten Abiturienten. Hier musste in den vergangenen Jahren für Medizin meist eine 1,0 oder 1,1 im Abi-Zeugnis stehen; 20 Prozent werden nach Wartezeit vergeben; und 60 Prozent werden von den Unis nach eigenen Kriterien verteilt, im sogenannten "Auswahlverfahren der Hochschulen". Es gibt einige Unis, die auch bei ihrem eigenen Auswahlverfahren ausschließlich nach dem Abi-Schnitt auswählen, etwa die in Aachen, Düsseldorf und Köln. An der Uni Köln etwa bekamen im vergangenen Wintersemester nur Medizinbewerber mit einem Schnitt bis 1,1 einen Platz, für Zahnmedizin reichte einer von 1,5. Mit sehr guten Noten lässt sich also auf jeden Fall punkten.

Viel Wartezeit einplanen

Wer hingegen auf die Wartezeit setzt, muss sich zurzeit lange gedulden, bis es mit dem Studienplatz klappt: In Humanmedizin kamen im vergangenen Wintersemester nur Bewerber zum Zug, die bereits 14 Semester Wartezeit vorweisen konnten, in Zahnmedizin waren es zwölf Semester und in Tiermedizin zehn. Bei Pharmazie bekam man mit zwei Wartesemestern deutlich schneller einen Platz.

Bonuspunkte sammeln

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2016/17.

Nicht jeder Bewerber bringt aber die geforderten Spitzennoten mit oder ist bereit, jahrelang zu warten. In diesem Fall kann es sich lohnen, genau nachzuschauen, bei welchen Unis neben dem Abi-Schnitt weitere Kriterien zählen. Dies können zum Beispiel Auswahlgespräche, die Teilnahme am Medizinertest oder eine Ausbildung sein (siehe dazu die nächsten Punkte). Zum Teil kann man gleichzeitig in verschiedenen Kriterien Bonuspunkte sammeln. An einigen Unis, etwa in Tübingen und Freiburg, ist es dadurch möglich, sich um bis zu eine Note zu verbessern. Auch mit einem Abi-Schnitt um 2,0 kann man so einen Studienplatz ergattern.

Beim Medizinertest antreten

Den Abi-Schnitt besonders stark aufbessern kann, wer beim sogenannten Medizinertest gut abschneidet. Verschlechtern kann man sich übrigens nicht. Für Zahnmedizin berücksichtigen 15 Unis die Ergebnisse, bei Medizin sind es sogar 21. Der ganztägige Test findet Anfang Mai 2017 an mehr als 40 Orten in ganz Deutschland statt. Die Teilnahme kostet 73 Euro und ist nur einmal möglich. Jede Uni berücksichtigt die Ergebnisse unterschiedlich. An manchen verbessert man seine Abi-Note nur, wenn man beim Test zu den 40 Prozent der besten Teilnehmer gehört, an anderen wird das Ergebnis mit dem Abi-Schnitt verrechnet und kann so fast die Hälfte zählen.

Achtung: Manche Unis haben eigene Tests entwickelt. Der sogenannte HAM-Nat der Uni Hamburg – ein zweistündiger Multiple-Choice-Test zu naturwissenschaftlichen Themen – wird zum Beispiel auch an der Berliner Charité und an der Uni Magdeburg verwendet.

Hier lohnt sich das besonders: Wenn man im Medizinertest zu den besten zehn Prozent gehört, kann man seine Abi-Note in Erlangen- Nürnberg, Marburg, München und Regensburg um 0,8 verbessern; in Tübingen und Würzburg ist eine Verbesserung um 0,6 möglich.