Die Einführung besser nicht ausfallen lassen, denn die ersten Freunde findet man bei der Erstiralley oder beim Unisport. Und bloß nicht einschüchtern lassen.

1. Gehen Sie zu den Einführungsveranstaltungen

Auch wenn es keine Pflicht ist: Gehen Sie zu den Einführungsveranstaltungen, die für Erstsemester angeboten werden. Dort gibt es Orientierungstipps, aber es geht auch ums Kennenlernen. Jeder ist noch neu – Freundschaften, die dort beginnen, halten während des gesamten Studiums und oft darüber hinaus: Zu manchen Kommilitonen, mit denen ich bei den Erstsemestertagen auf einer Stadtrallye war, habe ich immer noch Kontakt. Als Studienberater erfahre ich immer wieder, dass Einsamkeit ein großes Problem für Studenten sein kann. Mischen Sie also von Anfang an mit!

2. Lernen Sie tauchen

Beim Hochschulsport kann man mit anderen Studenten seinen Lieblingssport machen oder etwas ganz Neues ausprobieren. An der Universität Münster zum Beispiel organisieren wir in diesem Sommersemester 149 Sportangebote. Für kleines Geld kann man Aikido oder Balkantänze lernen, Einradhockey und Unterwasserrugby spielen oder tauchen lernen. An anderen Hochschulen ist die Auswahl ebenfalls groß. So günstig und vielfältig wie im Uni-Sport bekommt man Sportangebote nie wieder. Tipps zum Studium, zur Stadt oder der Hochschule kriegt man obendrein. Der Sport hilft, sich schnell in der neuen Umgebung wohlzufühlen.

3. Zeigen Sie Ihre Texte anderen

Wissenschaftssprache ist vergleichbar mit einer Sprache, die man neu lernen muss. Da ist es ganz normal, dass man sich am Anfang schwertut, selbst Hausarbeiten zu schreiben. Ich rate immer, die eigenen Texte gegenlesen zu lassen, zum Beispiel von Kommilitonen aus höheren Semestern, Freunden aus anderen Studiengängen oder Tutoren an einem Schreibzentrum. So findet man heraus, ob die Argumentation nachvollziehbar aufgebaut ist und die Sprache verständlich. Man selbst steckt ja so tief im Thema und Fach, dass man das oft nicht erkennt. In der Schule nimmt man Kritik am eigenen Text normalerweise als etwas Schlechtes wahr. An der Uni ist Schreiben aber ein Prozess, und Kritik sollte man als etwas sehen, das einen weiterbringt.

4. Entwickeln Sie Eigeninitiative

Als Prof gebe ich stärker als ein Schullehrer Impulse, an die man selbstständig anknüpfen sollte. Ich schätze es, wenn Studenten sich nicht berieseln lassen, sondern Ideen entwickeln und auch mal Strukturen hinterfragen. Ich lerne dabei ja selbst. Meine Studenten sehe ich als geistige Sparringspartner. Deshalb mein Rat: Beteiligen Sie sich so viel wie möglich! Nicht nur in den Vorlesungen, sondern zum Beispiel auch in studentischen Initiativen. So wird die Uni "Ihre Uni" – ein Platz, an dem Sie mitreden.

5. Finden Sie Ihren eigenen Weg

Das Studium ist dafür da, sich bewusster zu werden, wer man ist und was man mit seinem Leben machen will. Dafür braucht man Zeit. Viele Studenten, die zu uns in den Career Service kommen, fühlen sich unter Druck. Sie haben Angst, den Erwartungen des Umfelds oder späterer Arbeitgeber nicht gerecht zu werden. Ich rate ihnen, innezuhalten, sich umzuschauen und zu experimentieren. Finden Sie raus, was Ihr Ding ist! Es ist auch nicht schlimm, sich mal zu irren. Dann erkennt man, dass davon die Welt nicht untergeht. Selbst wenn das Praktikum, von dem man immer geträumt hat, keinen Spaß macht, ist es gut, das im Studium herauszufinden. Wenn man sich selbst darüber klar wird, womit man sich gern lange beschäftigen will, gewinnt man ein eigenes Profil. Das hilft einem später, im Bewerbungsgespräch überzeugend und wahrhaftig aufzutreten.

6. Bloß nicht einschüchtern lassen

Das möchte ich vor allem denjenigen zurufen, die als Erste in ihrer Familie studieren. Für viele Kinder aus Arbeiterfamilien ist die Uni eine ganz neue Welt. Einige fühlen sich dort nicht zugehörig. Gleichzeitig erfahren sie aber auch in der Familie kein Verständnis für die Themen aus dem Studium. Dadurch fühlen sie sich oft überfordert und denken, sie müssten sich anpassen. Diese Erfahrung machen ganz viele Studenten. Es hilft, sich untereinander auszutauschen und sich nicht einschüchtern zu lassen. Unsere Initiative Arbeiterkind.de bietet dafür ein Forum. In vielen Städten haben wir Stammtische. Kommt vorbei!