Für eine Weile im Ausland zu leben, ist nie wieder so einfach wie als Student. Von Erasmus bis binationaler Abschluss: die besten Optionen im Überblick.

Wann, wenn nicht jetzt? Das Studium ist die ideale Zeit, um für eine Weile ins Ausland zu gehen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten: Man kann ein Auslandssemester machen, einen binationalen Studiengang wählen oder sich für ein komplettes Studium im Ausland entscheiden.

Auslandssemester

Die bekannteste Variante für ein Auslandssemester heißt Erasmus+. Das Förderprogramm der Europäischen Union ermöglicht Studienaufenthalte und Praktika in allen EU-Mitgliedsstaaten sowie in Island, Liechtenstein, Mazedonien, Norwegen und der Türkei. Die beliebtesten Ziele sind Frankreich, Großbritannien und Spanien. Wie viel Geld man bekommt, hängt vom Zielland ab, pro Monat sind es bis zu 500 Euro. Außerdem braucht man keine Studiengebühren zu zahlen. Jede Hochschule hat eine bestimmte Anzahl von Erasmus-Plätzen zu vergeben, um die man sich bewerben kann.

Einige Erasmus-Vorteile gelten auch für Partnerländer des Programms: Wer nach Russland, Israel oder Kanada gehen möchte, hat ebenfalls die Chance, gefördert zu werden.

Darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung fürs Auslandssemester zu bekommen: So kann man sich für ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes bewerben oder Auslandsbafög beantragen. Die Chance auf Bafög-Unterstützung im Ausland besteht übrigens auch dann, wenn man in Deutschland keinen Anspruch auf Bafög hat.

Wer in einem Land abseits des Erasmus-Programms studieren möchte, sollte sich eine internationale Hochschule suchen, die mit der Heimat-Uni eine Partnerschaft unterhält. Das hat den großen Vorteil, dass man bei der Organisation von seiner Hochschule betreut wird.

Natürlich kann man den Auslandsaufenthalt auch selbst planen, etwa wenn die Traumhochschule nicht mit der eigenen kooperiert. Experten raten zu einer Planungsphase von etwa anderthalb Jahren. Denn Fragen, um die sich sonst die Hochschule kümmert, muss man selbst klären: Brauche ich eine besondere Krankenversicherung? Muss ich eine Aufnahmeprüfung bestehen? Gibt es Studiengebühren? Welche Fristen gelten?

Ob mit Förderprogramm oder ohne: Bevor man ins Ausland geht, sollte man möglichst schon ein paar Semester studiert haben, um fachlich sicher zu sein und einer Vorlesung in einer fremden Sprache folgen zu können. Wichtig ist außerdem, vor der Abreise ein sogenanntes Learning Agreement mit seiner Heimat-Uni abzuschließen. Darin wird festgehalten, welche Kurse man im Ausland besucht und wie sie einem später angerechnet werden.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2016/17.

Binationale Studiengänge

In zwei Ländern studieren und am Ende einen deutschen und einen weiteren Abschluss in der Tasche haben: Das sind die Vorteile eines binationalen Studiums. Besonders für Menschen, die später gerne im Ausland arbeiten möchten, erleichtert ein solcher Abschluss den Berufseinstieg. Die Absolventen haben außerdem bewiesen, dass sie diszipliniert und belastbar sind.

Die Studieninhalte stimmen die Partnerhochschulen miteinander ab. Sie legen auch fest, welcher Teil des Studiums an welcher Hochschule gemacht wird. Am Ende bekommt man entweder von jeder besuchten Hochschule ein Abschlusszeugnis (double degree) oder ein gemeinsames Zeugnis (joint degree).

Die meisten binationalen Studiengänge sind Kooperationen zwischen deutschen und europäischen oder nordamerikanischen Hochschulen. Es gibt aber auch Kooperationen mit Asien, Südamerika und dem Mittleren Osten. Besonders beliebt ist Frankreich. Dafür existiert eine eigene Organisation, die Deutsch-Französische Hochschule, die die Kooperation zwischen deutschen und französischen Hochschulen fördert.

Binationale Studiengänge gibt es derzeit hauptsächlich in drei Fachbereichen: In den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, in den Sprach- und Kulturwissenschaften sowie in den Ingenieurwissenschaften. Die Vorlesungen werden in der Regel auf Englisch gehalten.

Ganz ins Ausland

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, das komplette Studium im Ausland zu verbringen. Manche Studiengänge im Ausland sind für deutsche Studenten besonders interessant, weil sie – anders als hier – keinen NC haben. Wer zum Beispiel Medizin studieren möchte und in Deutschland keinen Studienplatz bekommen hat, versucht es häufig in Österreich oder Ungarn.

Das Abitur wird in der EU an den meisten Hochschulen anerkannt. Mit den USA und anderen Ländern gibt es besondere Abkommen. Für eine Bewerbung in den USA muss man zum Beispiel gute TOEFL- und SAT-Testergebnisse vorweisen können – der eine Test überprüft die Sprachkenntnisse, der andere ist ein standardisiertes Examen in mehreren Schulfächern. Eine gute Orientierung bei der Hochschulwahl im Ausland bietet das globale Hochschulranking U-Multirank, bei dem man Studiengänge nach Kriterien wie Ort, Größe und Praxisbezug filtern kann (siehe Linkkasten).

Mit der Planung sollte man am besten eineinhalb Jahre vor Studienbeginn anfangen. In jedem Fall muss man klären, ob der ausländische Abschluss hier anerkannt wird (siehe Linkkasten). Mit einem im Ausland abgeschlossenen Jurastudium kann man zum Beispiel nicht ohne Weiteres ein Referendariat in Deutschland machen.

Außerdem sollte man herausfinden, ob es Studiengebühren gibt und wie man den Aufenthalt finanzieren kann. Für Länder der EU und die Schweiz kann man Auslandsbafög beantragen. Manchmal gibt es auch die Möglichkeit, ein Stipendium der Ziel-Uni zu bekommen.