Es ist Sommer in Rostock, als elf Freunde vom Strand kommen, sich in die Küche setzen und über Mord und Intrigen sprechen. Eine Soap wollen sie drehen, so wie Dallas und Gute Zeiten, schlechte Zeiten, nur lustiger und anders und in Rostock eben. Michael Meyer, genannt Micha, 29, hat das ganz früher schon mal gemacht und alles auf Videokassetten aufgenommen. Ohne schneiden, sondern mit zurückspulen und weiterfilmen. "Wir haben uns die alten Videos angeguckt. Meine Freunde meinten, das könnten sie besser. Und dann haben wir Kameras ausgeliehen", sagt Micha.

Im Juni 2006 beginnen die Dreharbeiten, mit Kameras von rok-tv, einem Offenen Kanal in Rostock. Wer hier ausleiht, muss auch ausstrahlen. Im November ist es so weit. Platz der Freundschaft, PDF, wird zum ersten Mal gesendet. "Das wurde zum Selbstläufer, Nachbarsender haben angerufen und wollten die Serie auch bringen", sagt Micha. Nun zeigen 42 Sender, von Flensburg bis Wien, die Geschichte um Freundschaft, Liebe und die Brauerei Beckstein.

"Wir haben aber immer auch Politisches einfließen lassen", sagt Micha. "In Rostock gab es einen Skandal um eine Wohnungsfirma, die die Mietkaution nicht gesondert angelegt, sondern es für laufende Geschäfte verwendet hat." Da passte es gut, dass eine Serienfigur gerade auf Wohnungssuche war. "Wir haben die Namen der Firma und des Verantwortlichen dann ein wenig abgeändert. Aber es war ja klar, wer gemeint war." Ärger gab das nicht.

Ärger gab es erst, als die Serie die Diskriminierung Homo- und Bisexueller durch die Bundesärztekammer thematisierte. Bisexuellen Männern und Schwulen wurde das Blutspenden verboten, die Soap sprach das an, einige Sender setzten die Serie daraufhin ab. "Ein großer Sender in Baden-Württemberg hat PDF deshalb gar nicht erst ausgestrahlt. Die haben das dann damit begründet, dass die Gesellschaft in ihrem Bundesland andere Ansichten habe als die Charaktere der Serie."

Und auch nicht alle Zuschauer finden die größte Independent-Soap Europas toll: "Wir bekommen Fanbriefe, aber manche beschimpfen uns auch: Die Serie sei niveaulos und doof, und wir seien alle zu fett fürs Fernsehen", sagt Micha.