Müssen wir uns das jetzt schon wieder anhören? Das Gejammer von Bachelor-Studenten, die über zuviel Lernstoff klagen. Die keine drei Klausuren in der Woche schreiben wollen. Die mehr Freizeit haben möchten und mehr Geld, als hätten wir das nicht alle gerne. Hat es diese Klagen nicht gerade erst gegeben, beim Bildungsstreik im vergangenen Sommer, als etwa 100.000 junge Menschen in allen deutschen Großstädten auf die Straße gingen?

Im Sommer forderten die Studenten eine bessere und gerechtere Bildungspolitik und mehr Geld für die Universitäten. Sie wollten erreichen, dass die Lehrpläne entschlackt werden und alle, die wollen einen Master-Studienplatz bekommen. Ihre Forderungen sind gleich geblieben und sie sind jetzt so berechtigt wie im vergangenen Sommer.

Die Lehrpläne sind zu voll, weil viele Professoren gerade ihren Forschungsschwerpunkt für unentbehrlich halten. In vielen Fächern wurde der Stoff aus acht oder neun Semester in sechs gepresst und immer noch nicht angepasst. Für Auslandsaufenthalte und Praktika bleibt dadurch wenig oder gar keine Zeit. Gleichzeitig wird den Studenten eingeredet, dass sie Praxis- und Auslandserfahrungen sammeln müssen. Sie hätten sonst keine Chance auf dem Arbeitsmarkt, heißt es.

Die Hochschulen sind unterfinanziert, weil der Bildungsetat in vielen Kabinettsrunden immer noch stiefmütterlich behandelt wird. Und die Abbrecherquoten sind durch die Einführung des Bachelors gerade in den technischen Fächern gestiegen, deren Absolventen die deutsche Wirtschaft besonders dringend nötig hat.

Sogar Bildungspolitiker geben mittlerweile zu, dass viele Lehrpläne zu dicht gepackt sind. Aber sie geben die Schuld dafür den Hochschulen. Die Hochschulen wiederum geben zu, dass ihre Lehre schlecht ist. Sie wiederum machen das mangelnde Geld dafür verantwortlich und geben die Schuld daran den Bildungspolitikern.

Mittendrin, zwischen den Fronten, sitzen die Studenten und ärgern sich, dass die Probleme wohl erst dann gelöst sein werden, wenn sie die Hochschule schon verlassen haben. Eins haben sie aber trotzdem erreicht: Niemand leugnet mehr, dass es Probleme gibt.

Wollen die Hochschulen weitere Proteste verhindern, müssen sie den Studenten jetzt signalisieren, dass kurzfristige Reformen möglich sind. Und dass diese Korrekturen den Studenten von heute noch zugute kommen, und nicht erst der Nachfolger-Generation in sechs Semestern.

Es hilft nicht weiter, wenn wie im vergangenen Sommer die Studenten von allen Seiten Applaus bekommen: von den Bildungspolitikern für ihre kritische Haltung gegenüber den Hochschulen, von den Hochschulen für ihre Geldforderungen gegenüber der Politik. Die Verantwortlichen müssen aufhören, sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben. Solange dies nicht geschieht, ist es richtig, dass die Studenten wieder auf die Barrikaden gehen.