Zugegeben, es könnte inszeniert sein. Als Zeichnerin Olivia Vieweg den Schlüssel zu ihrem Altbau-Loft in der Weimarer Innenstadt herumdreht, sitzt da zur Begrüßung eine Katze. Nicht so dick und so bunt wie die Hauptfigur in ihrem ersten Buch Warum Katzen besser sind als Männer. Aber eine Katze mit fragenden Augen. "Miau?" Olivia stellt vor: "Das ist Shelli. Meine Familie hatte immer schon Katzen, ich bin mit Katzen groß geworden." Also doch nicht inszeniert.

"Es ist wirklich ein schlimmes Chaos bei mir", hatte sie gewarnt, aber das stimmt natürlich nicht. Eher erinnert das Loft an eine Bibliothek. Etwa tausend bunte Bände Mangas, Comics und Kunstbücher stapeln sich in meterhohen Regalen. Hier wohnt Olivia, und hier zeichnet sie ihre Geschichten. In denen spielen Katzen eine große Rolle. Aber auch bunte Füchse oder Mädchen mit roten Haaren.

Olivia ist 22 Jahre alt und studiert Visuelle Kommunikation an der Weimarer Bauhaus-Universität. In diesem Jahr konnte sie einen schönen Erfolg feiern. Ihr erstes Buch, ein Ratgeber für Katzen-Fans und Männergeplagte im Cartoon-Stil, erschien im Carlsen Verlag. Ein zweiter Band, Warum Katzen die glücklicheren Menschen sind, soll im Frühjahr herauskommen.

Ihr erstes Buch © Carlsen Verlag

Im Cartoonbereich ist Olivia zwar Debütantin. Liebhaber von Mangas kennen sie aber schon seit langem. Als VenusKaiô veröffentlicht sie seit sieben Jahren ihre Zeichnungen, zum Beispiel auf dem Manga-Portal Animexx. Über 50 Geschichten und mehrere hundert Einzelbilder finden sich dort von ihr. Zwei gedruckte Bände hat sie außerdem im Eigenverlag veröffentlicht und an einer handvoll weiterer mitgewirkt. Etwa an dem Subway to Sally-Storybook, für den mehrere Zeichner Songs der gleichnamigen Band in Bilder übersetzt haben.

Disney und "eine echt tolle Kunstlehrerin" brachten sie schon als Kind zum Zeichnen. Ihre Begeisterung für Mangas entdeckte sie erst später, mit elf Jahren. "Da gab es plötzlich etwas, das völlig anders war als Donald Duck. Diese Ästhetik, der rasante Erzählstil und dazu noch tiefe Emotionen."

Die deutsche Manga-Szene ist dominiert von sehr jungen Künstlern. Die meisten sind Anfang bis Mitte 20, viele sogar noch jünger. Und fast alle sind Frauen. Judith Park, das Zeichnerinnenteam DuO oder Anna Hollmann, die kürzlich den Comicpreis "Sondermann 2009" gewann, sind feste Größen. "Ich schätze, 95 Prozent der Zeichner sind weiblich", sagt Dorota Grabarczyk von DuO.

"Das ist in Ländern wie Japan, Frankreich oder den USA auch so", sagt Kai-Steffen Schwarz, Programmleiter Manga im Carlsen Verlag. "Es zeichnen wohl mehr Mädchen als Jungs. Außerdem haben Mädchen keine Probleme damit, Jungs-Mangas zu lesen, andersherum ist das nicht so. Das ist auch ein Grund, warum Mädchen und junge Frauen in dem Bereich einfach stärker sind."