Der Beamer surrt, die letzten Kabel werden in den Laptop gestöpselt. Der Raum 025 der Universität Rostock füllt sich mit rund 30 Studenten. Mittendrin sitzt Heiko Marski. Er trägt ausgewaschene Jeans und eine schwarze Strickjacke. Geduldig hört er der Diskussion der Fachschaftsvertreter zu. Ab April wird er fast täglich solchen Sitzungen beiwohnen. Marski ist der neue studentische Prorektor der Universität Rostock und somit Teil der Hochschulleitung.

Der 26-Jährige hat Erfahrung darin, Sitzungen durchzustehen und sich für die Interessen von Studenten einzusetzen. In den letzten sechs Jahren investierte er mehr Zeit in sein Engagement als die meisten anderen Studenten. "2.000 Stunden müssen es schon gewesen sein", sagt Marski. Er kämpfte sich durch alle universitären Gremien, schrieb eine Petition an den Bundestag und ließ Professoren auch schon mal verzweifeln, zum Beispiel indem er dafür sorgte, dass der Senat 24 Studiengänge wegen Qualitätsmängeln überarbeiten musste. Der Wille etwas zu verändern trieb ihn dazu. Er ließ nicht locker und bewältigte drei Anläufe um nun Teil der Hochschulleitung zu werden.

Den deutschlandweit ersten studentischen Vertreter wählte im November 2006 das Konzil der Uni Rostock in ein Rektorat. Obwohl der Prorektor für die Interessen der gesamten Hochschule einsteht, ist er vielmehr Vermittler zwischen Studenten und Rektorat. Hilfreich ist er für die Studentenvertretung, da er schnell und direkt ihre Anliegen dahin bringen kann, wo die Entscheidungen getroffen werden. Das Landeshochschulgesetz in Mecklenburg-Vorpommern sieht dieses Amt zwar für alle Hochschulen des Landes vor, jedoch zog bisher keine weitere mit.

In den vergangenen sechs Jahren versuchte Marski unermüdlich, die Studienbedingungen an der Rostocker Uni zu verbessern. Der 26-Jährige weiß, wovon er redet, wenn er vom Klausurenschreiben auf Fußböden oder Campen für die Seminareinschreibung erzählt. Daran wäre er in den ersten Semestern beinahe verzweifelt und dachte schon daran, sich von der Uni zu verabschieden. Eine Sekretärin überzeugte ihn zu bleiben. Sie packte ihn an seiner Ehre. "Sie sagte, dass Leute auch mal hier bleiben müssen, um etwas zu ändern", erinnert sich Marski.

Kurze Zeit später übernahm er den Vorsitz des Fachschaftsrats Geschichte. So ging es weiter, Semester für Semester. Er wurde Mitglied im Studentenrat, im Konzil, im Senat und diversen Ausschüssen. Er las Prüfungsordnungen, schrieb Anträge, diskutierte bis in die Nacht. Mit einem Augenzwinkern sagte ein Professor vor einer Sitzung: "Jetzt muss ich mir von Herrn Marski wieder anhören, was wir falsch gemacht haben."

Die Auswirkungen seines Engagements beschränkten sich allerdings nicht nur auf Rostocker Studenten. Im Jahr 2008 reichte er eine Petition beim Bundestag ein. Marski wollte eine Verordnung abschaffen, die verhindert, dass eine verlängerte Regelstudienzeit auf den Bafög-Anspruch angerechnet wird. Nach sechs Monaten hatte er gesiegt und erleichterte Zehntausenden das Studium.