ZEIT ONLINE : Herr Bork, Sie sind Jura-Professor an der Uni Hamburg und haben gerade einen Ruf an die Uni Bonn abgelehnt – wegen der Studenten. Die haben innerhalb weniger Tage über tausend Unterschriften gesammelt, damit Sie in Hamburg bleiben. Wie war das?

Reinhard Bork : Ich wurde an der Uni aus meinem Büro auf den Flur gerufen. Da standen ganz viele Menschen. Die Studenten hatten hundert rote Gasluftballons an die Decke steigen lassen. An den Ballons hingen 250 Postkarten, auf die die Studierenden Gründe geschrieben hatten, warum ich in Hamburg bleiben soll. Dann haben sie mir die Unterschriften überreicht und einige der Postkarten vorgelesen, die besonders kreativ oder besonders nett waren. Ich habe mich riesig gefreut.

ZEIT ONLINE : Was schrieben denn die Studenten, warum Sie bleiben sollen?

Bork : Viele schrieben, dass sie gerne in meine Vorlesungen kommen, weil sie da wirklich etwas verstehen. Einer schrieb "weil auch Schalke-Fans ihn lieben können" – ich bin nämlich Borussia-Dortmund-Fan, und die Fans beider Mannschaften sind ja nahezu verfeindet. Einer schrieb, ihm gefalle, dass ich mich auch um die ausländischen Studenten kümmere. Das war für mich aber immer ganz selbstverständlich.

Plötzlich standen hundert Studenten bei mir im Garten
Reinhard Bork

ZEIT ONLINE : Wie schwierig war die Entscheidung für Sie?

Bork : Wenn man ein Angebot von einer anderen Uni kriegt, wägt man einerseits die materielle Seite ab: Wie hoch ist das Gehalt, wie viele Assistenten hat man, wie viel Geld gibt es für Bücher? Aber es gibt ja auch die emotionalen Aspekte: Welche ist die schönere Stadt, wo hat man seine Freunde? Das mit den Studenten kam da noch eindrucksvoll hinzu. Durch so eine beeindruckende Aktion fühle ich mich natürlich angenommen und bestätigt in meiner Arbeit.

ZEIT ONLINE : Sie haben ja schon mehrere Rufe an andere Universitäten abgelehnt, weil die Studenten Unterschriften für Sie gesammelt haben.