Ob Wasser, Erde, Feuer oder Luft: Bei ihrer Forschung sind Studenten völlig in ihrem Element. Diese Woche spricht die Promotionsstudentin Vera Brümmer über ihre Forschung an der Deutschen Sporthochschule Köln im Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft.

Luft ist mein Element, weil ... es etwas wahnsinnig Befreiendes und Weites ist. Vor allem die Schwerelosigkeit hat etwas unglaublich Aufregendes.

Ich möchte herausfinden ... wie sich die Hirnfunktion bei veränderter Schwerkraft verändert.

Wie ich auf die Idee gekommen bin? Über meinen Mentor Stefan Schneider an der Sporthochschule Köln. Das Diplomarbeitsthema war ausgeschrieben – es waren somit ein wenig Glück und Zufall dabei.

Warum lohnt es sich, das zu erforschen? Astronauten berichten immer wieder von Problemen mit der Motorik und der Psyche, wenn sie für längere Zeit in der Schwerelosigkeit sind. Wir wissen jedoch nicht, was im Gehirn in diesem Zustand passiert. Für künftige Missionen müssen wir also erforschen, ob zum einen lange Aufenthalte in der Schwerelosigkeit tatsächlich gesundheitsgefährdend sind. Zum anderen wird untersucht, ob Veränderungen der Gehirnaktivität für motorische und emotionale Defizite verantwortlich sind und wenn ja, was man dagegen tun kann.

Was mich daran fasziniert? Eigentlich können wir auf der Erde nie wahre Schwerelosigkeit empfinden – vielleicht mal für eine Sekunde auf der Achterbahn. Es ist ein unbekanntes Gefühl und das Unbekannte zu erfahren, ist enorm spannend.

Was mache ich eigentlich? Ich messe die Gehirnaktivität von zwei Testpersonen auf einem Parabelflug. Bei solchen Flügen muss ein Flugzeug steil aufsteigen und schnell beschleunigen. Bei einem Winkel von 45 Grad werden die Maschinen dann so stark gedrosselt, dass der Flieger in den freien Fall gerät. So ist man 20 Sekunden  schwerelos. Die zwei Probanden tragen die ganze Zeit EEG-Kappen. Mit der Elektroenzephalografie (EEG) lassen sich die elektrischen Gehirnströme messen. Zudem messen wir die Veränderung des Blutvolumens und die Sauerstoffkonzentration im Gehirn. Bei jeder dritten Parabel – insgesamt werden 31 geflogen – müssen die Probanden eine kognitive Aufgabe lösen, zum Beispiel leichte Matheaufgaben oder logische Reihenfolgen, um zu schauen, ob die Veränderungen der Aktivität und Sauerstoffsättigung im Gehirn auch Einflüsse auf die kognitive Leistung haben.

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Wo mache ich das? Ich fliege selbst bei den Parabelflügen mit. Gestartet wird im französischen Bordeaux. Es gibt nur wenige Flugzeuge auf der Welt, die diese Parabelflüge durchführen können. Im November werde ich das siebte Mal abheben.

Das Thema ist knifflig, weil ... die Anzahl an Parabelflügen sehr begrenzt ist. Die Möglichkeiten mitzufliegen sind somit sehr gering und der Andrang von Forschern ist groß.

Womit habe ich persönlich zu kämpfen? Es wird einem sehr schnell schlecht, weil so ein Parabelflug wie eine Achterbahnfahrt hoch zehn ist. Man muss sich bemühen, dass man die Untersuchungen auch unter den schwierigen Bedingungen noch präzise durchführen kann.

Ich bin bestens dazu geeignet, die Antworten zu finden, da ... ich sehr innovativ arbeite. Mir stehen neue Forschungssysteme zur Verfügung. Außerdem ist es durchaus ein Vorteil, dass mein Magen resistent ist.

Daran zu arbeiten fühlt sich ... manchmal unfassbar an. Man kann es kaum greifen. 20 Sekunden in der Schwerelosigkeit zu sein, ist einfach wahnsinnig cool: Ich bin dann ganz leicht, habe keinen Sinn mehr für Gewicht und Kräfte.

Was ich als nächstes machen will? Definitiv weiterhin in der Wissenschaft bleiben und über Schwerkraft und Weltraumaufenthalte forschen. Ich bin an verschiedenen Isolationsstudien beteiligt. Bei dem Projekt Mars 500 sowie einem Projekt in der Antarktis, werden lange Aufenthalte im All simuliert. Die Testpersonen verbringen deshalb mehrere Monate völlig abgeschottet vom Rest der Welt. Auch würde ich gerne untersuchen, wie sich Sportarten bei unterschiedlicher Intensität auf die Gehirnaktivität auswirken und ob Sport eine Gegenmaßnahme für Defizite in Schwerelosigkeit oder Isolation sein kann.

Sind auch Sie bei Ihrer Forschung völlig in Ihrem Element? Dann schreiben Sie uns eine Mail an online-wissen@zeit.deund erzählen Sie von sich und Ihrem Projekt .