Seine Doktor- oder Forschungsarbeit schon als Student auf einer Konferenz zu präsentieren, ist ein Aushängeschild für angehende Ärzte. Svetolik Spasic ist daher extra aus Belgrad nach Berlin gereist. Dort findet zum 21. Mal eine internationale Konferenz für Medizinstudenten statt – die European Students’ Conference (ESC) der Charité .

Als die Konferenz im Jahr 1989 gegründet wurde, sollte sie den medizinischen Austausch zwischen den alten und neuen Bundesländern fördern. Inzwischen ist sie zu einer der bekanntesten Studentenkonferenzen in Europa gewachsen. Aus mehr als 40 Ländern kommen die Teilnehmer. Fast 50 Prozent von ihnen stammen dieses Jahr aus Osteuropa.

Denn wie der 24-jährige Svetolik Spasic aus Serbien haben viele der osteuropäischen Studenten den Traum in Deutschland zu studieren oder zu arbeiten. Für Spasic selbst steht die deutsche Medizin für neue Methoden, Qualität und gute Aufstiegschancen. Ein Grund, weswegen er an der ESC teilnimmt, ist die Hoffnung von deutschen Ärzten entdeckt zu werden, um in Deutschland wissenschaftlich arbeiten zu können.

Für 60 Euro können sich Studenten online für die Konferenz anmelden und mit ihren Vorträgen und Poster-Präsentationen nicht nur Geld – 1500 Euro für den Gewinner des Vortrags sowie 800 Euro für das Sieger-Poster –, sondern auch den begehrten Research Award gewinnen. Der Preisträger darf ein Jahr lang in Deutschland mit finanzieller Unterstützung forschen. Allein die Arbeitsgruppe muss er sich selbst suchen.

Achim Kramer ist Naturwissenschaftler an der Charité in Berlin und seit einem Jahr Mentor der Studentenkonferenz. Seit Jahren unterstützt er die ESC als Jurymitglied und kennt die Träume der Studenten aus dem Osten. Er weiß aber auch, dass die Chance, entdeckt zu werden, sehr gering ist. "Einige Medizinstudenten aus Osteuropa machen hier eine wirklich gute Präsentation", sagt er. "Allerdings gibt es nicht wenige, die den Standards nicht entsprechen." Es würden Projekte präsentiert, die das Wissen von vor zehn Jahren widerspiegeln. Daran werde deutlich, dass in den einzelnen Ländern zum Teil nur geringe Ressourcen in die Wissenschaft gesteckt würden.

Der Medizinstudent Svetolik Spasic sieht sich deshalb auf solch einer internationalen Konferenz im Nachteil. "Wir haben ganz andere Grundvoraussetzungen", sagt er. Seine Forschungsarbeit beispielsweise habe kaum Geld gekostet. Sie bestand hauptsächlich darin Patientenakten auszuwerten. Dennoch gehört er zu den 300 Studierenden, die aus mehr als 800 Bewerbern eingeladen wurden, ihre Arbeit vor einer Jury auf der Konferenz zu präsentieren. "Ich will zeigen, dass ich ein exzellenter Student bin, auch wenn ich aus Serbien komme."

In dem Raum in der obersten Etage des Konferenzgebäudes wird Svetolik Spasic seine Präsentation halten. Noch ein Jahr, dann hat er seinen Abschluss an der Universität von Belgrad. In seiner Präsentations-Gruppe in der Kategorie Neuro-Chirurgie misst er sich in der ersten Runde mit Studierenden aus Deutschland, England, Norwegen und Bosnien-Herzegowina. Kommt er weiter, muss er gegen die Gewinner der anderen Kategorien antreten.