ZEIT  ONLINE : Das Label WIDDA macht "Mode für Heldinnen". Was ist damit gemeint?

Sabine Kelle : Wir haben kürzlich einen Fotowettbewerb ausgeschrieben, bei dem wir unsere Kundschaft fragten, was Heldinnen für sie sind. Eine Frau schickte uns ein Bild, auf dem sie einen Stapel Bücher auf dem Kopf trägt: Sie hatte es endlich geschafft, ihre Diplomarbeit abzugeben. Heldin heißt ja nicht Superwoman. Oft geht es um ganz alltägliche Sachen. Der Labelname WIDDA kommt übrigens von meinem Sternzeichen Widder. So stellen wir uns unsere Kundinnen vor: Durchsetzungsfähig und bockig wenn es sein muss, aber eigentlich sanftmütig und verträglich.

ZEIT ONLINE : Eure Mode richtet sich an "Großstadtgören, Rebellinnen, aber auch Ladies." Wie geht das alles zusammen?

Kelle : Du kannst alles drei sein. Wir machen Streetwear mit einem femininen Touch; Klamotten, in denen man morgens das Haus verlassen und erst am nächsten Morgen wiederkommen kann. Ich finde es wichtig, dass Kleidungstücke wandelbar sind. Wie Shorts, die man mit Sneakers tragen kann oder abends mit Pumps und Schmuck.

ZEIT ONLINE : Studentinnen fehlt oft das Geld für Designerteile. Wie hebt man sich trotz des schmalen Geldbeutels von der Masse im Hörsaal ab?

Kelle : Es lohnt sich, in besondere Stücke zu investieren. Wenn das Designerteil einen Mehrwert hat – sei es ein ausgefallenes Futter oder eine Stickerei – hat man daran länger Freude. Man sollte bloß darauf achten, dass es gut kombinierbar ist. Außerdem sollte das Stück nicht extrem modisch sein, so dass es nicht nach einer Saison in die Tiefen des Kleiderschranks wandert. Basics mit einem gewissen Detail halten lang. Oft sind es Kleinigkeiten, die nur die Trägerin sieht: Eine geheime Tasche für den MP3-Player, die in die Naht eingearbeitet ist. Ein Spruch im Innenteil der Jacke. Mode ist ja auch emotional.

ZEIT ONLINE : Und trotzdem: Eure Hoodies kosten um die 100 Euro. Von dem Geld kaufen sich viele lieber drei Teile von H&M. Aber das führt natürlich zur Uniformierung in den Hörsälen.

Kelle : Generell kann ich verstehen, dass Studenten viel bei H&M einkaufen. H&M ist preiswert, modisch und extrem schnell: Jeden Monat kommen mindestens zwei Kollektionen raus. Dass man Tausende Doppelgänger hat, ist nur kleines Problem, schließlich kann man die Sachen mit Vintage oder Selbstgemachtem kombinieren. Wichtiger ist die Frage: Wie ist es möglich, ein T-Shirt für drei Euro anzubieten? Wo kommen die H&M-Sachen her? Andererseits kann ich niemanden verurteilen: Wer studiert und noch einen Nebenjob hat, dem fehlen Geld und Zeit um sich auszusuchen, wo er einkauft.

ZEIT ONLINE : Und nach dem Studium, wenn man Geld verdient?