Was macht Ihr denn noch in der Bibliothek? – Seite 1

Adhurim Bislimi, 23, studiert BWL an der FH Dortmund im dritten Semester

Ich schreibe gerade sieben Klausuren nacheinander, und erst eine davon ist geschafft. Da reicht es eben nicht, nur die Vorlesung zu besuchen. Hier in der Zentralbibliothek in Dortmund zu lernen bietet sich einfach an, weil ich mich sonst leicht ablenken lasse. Zu Hause würde ich dauernd etwas essen oder am PC spielen. In der Bib arbeite ich heute von 12 bis 24 Uhr, wobei ich zwischendurch natürlich frische Luft schnappen gehe. Wenn der Klausurenmarathon vorbei ist, gehe ich feiern. Genauer gesagt ist der Plan, schon zur letzten Klausur ein Bier mitzunehmen.

© Marie-Charlotte Maas

Laura Le Fourn aus Paris, 25, studiert für ein Jahr Literaturwissenschaft an der Humboldt Uni Berlin

Ich hatte heute Morgen zu tun und muss jetzt noch etwas lesen, weil ich bald eine Prüfung habe. Normalerweise bin ich ein Tagarbeiter, denn wenn ich die Nacht durcharbeite, schlafe ich zu lange am nächsten Tag. Ich wohne mit meinem Freund zusammen und er lenkt mich ab, darum gehe ich in die Bibliothek. Zu Hause in Paris lerne ich oft in der Nationalbibliothek Francois Mitterand. Wie das Grimm-Zentrum der Humboldt Uni Berlin ist sie bekannt für ihre Architektur. Hier ist es aber ruhiger. Schlangen dagegen gibt es in beiden Bibliotheken.

© Marie-Charlotte Maas

Sophie Reinhold, 28, studiert Malerei im 8. Semester an der Kunsthochschule Weißensee

Ich bereite gerade einen Vortrag vor, zu dem ich dann eine Hausarbeit schreibe. Ich habe noch drei Tage Zeit. Da ich einen Sohn von zweieinhalb Jahren habe, muss ich mir meine Zeit gut einteilen. Morgens kann ich etwas für die Uni machen, wenn er im Kindergarten ist. Danach passe ich auf ihn auf, abends ab 20 Uhr wird getauscht. Dann ist sein Vater zu Hause und ich gehe in die Bibliothek. Länger als bis 24 Uhr könnte ich aber nicht arbeiten, schließlich muss ich auch am nächsten Morgen um 7 Uhr wieder aufstehen.

© Tobias Jochheim

Franziska Schulz, 24, studiert BWL an der FH Dortmund im siebten Semester

Ich schreibe an meiner Bachelor-Thesis. Schon seit 9 Uhr heute Morgen, locker zwölf Stunden und ohne Ablenkung durch das Telefon. So ähnlich läuft das schon seit zwei Wochen. Aber jetzt sitze ich an der letzten Auswertung, übermorgen folgen hoffentlich die letzten Korrekturen. Und nächsten Freitagabend gehe ich erstmal essen und einen Wein trinken.

© Marie-Charlotte Maas

Naurus Abuagela, 25, studiert Medizin im 12. Semesteran der Humboldt Uni Berlin

Im April ist mein Staatsexamen, daher muss ich natürlich alles wiederholen, was ich in den letzten vier Jahren gelernt habe. Ich will so viel wie möglich an Wissen auffrischen. Seit Weihnachten arbeite ich sehr intensiv. Heute habe ich erst um 12 Uhr angefangen zu lernen, daher bleibe ich bis die Bibliothek um 24 Uhr schließt. Ich finde es angenehmer so spät zu arbeiten. So kann man tagsüber noch einiges erledigen. Müde bin ich nicht, und etwas zu essen habe ich mir auch reingeschmuggelt.

© Tobias Jochheim

Nino Ricchizzi, 23, studiert Mathe und Informatik an der TU Dortmund im dritten Semester

In ein paar Tagen ist es so weit: Klausurphase! Und zu Hause kann ich überhaupt nicht lernen, da steht zu viel rum, was mich ablenkt. Meine Gitarre zum Beispiel. Ich darf überhaupt nicht daran denken, wie sehr das Musikmachen unter der Uni leidet. Heute mache ich hier aber jedenfalls noch bis 1 Uhr. Und morgen früh um 9 Uhr geht’s weiter.

 Die Bibliothek ist abends ein Kokon aus Stille

© Tobias Jochheim

Nadja Kutscher, 25, studiert Bauingenieurwesen an der TU Dortmund im siebten Semester

Man kommt mit der Lernerei einfach nicht nach. Ich bin schon dazu übergegangen, ab und zu Nächte durchzumachen, um mir in der nächsten dann mehr Schlaf zu gönnen. Aber wenigstens hat das Ganze einen Sinn. Selbst die Hausarbeiten, die man nur schreibt, um zu den Klausuren zugelassen zu werden, machen ja nicht dümmer. Auch Sarkasmus hilft. Aber zwischendurch muss man auch einfach mal leben!

© Tobias Jochheim

Hatice Kilic, 25, studiert Chemie an der FH Gelsenkirchen im 5. Semester

Bis Mitternacht lerne ich heute noch Mathe – in Dortmund, weil die Bibliothek an meiner FH so früh schließt und mir hier zur Not auch meine große Schwester helfen kann. Dass ich jetzt hier sitze, ist aber überhaupt kein Problem, im Gegenteil: Ich versuche immer zu tun, was mich weiterbringt. Jedes Wochenende feiern zu gehen ist daher ohnehin nichts für mich. Aber es gibt ja auch genügend Alternativen: Diskussionen über Literatur und Gott und die Welt – oder Singstar-Abende.

© Marie-Charlotte Maas


Matthias Hennig, 32, promoviert in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft und Komparatistikan der Freien Universität Berlin

Ich schreibe gerade meine Doktorarbeit und bin in den letzten Zügen. In drei oder vier Monaten sollte sie fertig sein. Ich finde, dass man spät abends besser in der Bibliothek arbeiten kann als zu Hause. Dort lasse ich mich zu leicht vom Kühlschrank und ähnlichem ablenken. Abends sitzt man in einem Kokon aus Stille, und es ist weniger überlaufen als am Nachmittag. Ich bin seit 21.15 Uhr hier, vorher war ich in der Staatsbibliothek. Wenn sie schließt, gehe ich oft hierher ans Grimm-Zentrum, denn momentan muss ich noch einmal alles genau prüfen und intensiv durcharbeiten. Jetzt gehe ich aber nach Hause.

Umfrage: Marie-Charlotte Maas (Berlin), Tobias Jochheim (Dortmund)