Im Irak arbeiten, und auch noch als Frau? "Am Anfang haben mich einige Kollegen für verrückt erklärt", sagt Britta Bergemann. "Aber es ist ein toller Lehrauftrag." Die Professorin lehrt Internationales Marketing an der Hochschule Furtwangen und im Rahmen eines Masterprogramms auch an der American University in Suleimanija, einer jungen Hochschule im kurdischen Teil des Irak.

"Ich habe hier keine Angst", sagt Bergemann. "Höchstens vor einem Autounfall." Über die Sicherheit in der autonomen Region Kurdistan wachen die Peschmerga. Einst kämpften sie in den Bergen gegen Saddam Hussein, heute kontrollieren die Männer an Checkpoints Fahrzeuge. Während im Süden des Irak die Bomben explodieren, prosperiert der kurdische Teil: Vielerorts entstehen neue Wohnhäuser und Einkaufszentren. Auf den breiten Straßen blitzen neue weiße Autos, trotz Radarfallen kommt es allerdings immer wieder zu schweren Unfällen. Laut Zählung des Ministeriums für Planung und Entwicklung gab es 2003 drei Universitäten, 2009 waren es schon 18.

Das Studium an staatlichen Hochschulen ist für jeden Kurden gratis, egal ob er aus der Türkei, Syrien, dem Irak oder Iran kommt. Wer es nicht auf eine der staatlichen Unis schafft, versucht es an einer privaten, wie der American University. Amerikanisch an ihr ist das Ausbildungssystem: Eine Art Studium Generale mit Kursen in Geschichte, Philosophie aber auch Mathematik. Später spezialisieren sich die Absolventen. Amerikanisch ist auch das Gebührensystem: 10.000 Dollar kostet der Besuch der Uni im Jahr. Wer ein bestimmtes Niveau beim Eingangstest erreicht, bekommt Rabatt oder ein Stipendium.

Karwan Gaznay bekommt ein Teilstipendium, seine Eltern zahlen den Rest. Der 21-Jährige möchte sich an der American University auf Internationale Beziehungen spezialisieren. Neben Stipendien ist Sponsoring eine weitere Möglichkeit, die Gebühren nicht selbst zu zahlen. Als Sponsoren treten Firmen oder auch die öffentliche Verwaltung auf. Um in den Genuss dieser Förderung zu kommen, braucht es nicht unbedingt Begabung oder Leistung, es reicht Wasta. Das kurdische Wort lässt sich übersetzen als Verbindungen, Vernetzung oder Vetternwirtschaft. "Wasta läuft meistens über die Familien", sagt Karwan Gaznay. Seine Familie hat zwar etwas Geld für die Studiengebühren aber nicht genug Wasta für ein Sponsoring. Sie kennen nicht die richtigen Leute.