Friedrichshafen ist nicht Berlin Mitte und auch keine Studentenstadt, aber junge Menschen gibt es in der 60.000-Einwohner-Stadt, die von sich selbst sagt , sie habe "kulturell einiges zu bieten", doch. Etwa 800 solche studieren an der privaten Zeppelin University , und offenbar ist Studieren ihnen die liebste Beschäftigung. Junge Gesichter auf Konzerten, Lesungen und im Museum scheinen in Friedrichshafen eine so markante Ausnahmeerscheinung zu sein, dass eine Projektgruppe im Studiengang Kulturwissenschaften zwei Semester lang der Frage nachging, warum sich ihre Altersgenossen in kultureller Askese üben.

"Wir haben ja einen kulturwissenschaftlichen Studiengang und eigene Kunstprojekte an der Uni", sagt Max Münz aus der Projektgruppe. "Wir dachten uns: Das kann ja gar nicht sein, dass sich keiner hier für Kultur interessiert."

Liegt es vielleicht gar nicht an den Studenten? Ist Friedrichshafen vielleicht einfach öde? Nein, sagt Münz. Das kulturelle Angebot der Stadt sei "recht breit". Mehrere Theater, Kinos und Museen gebe es, und bald gar ein großes Festival , initiiert und organisiert von Studenten.

Die Ergebnisse ihrer Befragungen von 130 Kommilitonen, stellten die sechs Studenten vor wenigen Tagen der Öffentlichkeit vor. Ihre Erkenntnis: Es ist, wie bei so vielen Dingen, ein Kommunikationsproblem. Die Studenten informierten sich im Internet; die Kulturveranstalter setzten auf Papier: Lokalzeitung und Plakate etwa. Man redet also aneinander vorbei.

Dass die Studenten wenig Zeit hätten, stimme aber auch: "Wir haben einen ziemlich vollen Stundenplan. Aber das ist ja nicht nur an unserer Uni so", sagt Münz. Zudem schreibt der Lehrplan den Studenten Praktika im In- und Ausland vor, im Sommer sei die Stadt von Studenten so gut wie leer gefegt. "Da tobt hier der Bär, und ihr seid nicht da", zitiert ein lokaler Onlinedienst einen Veranstaltungsgast. Ein bisschen vorwurfsvoll klingt das schon.

Die Rettung vor dem Kulturverfall soll nun unter anderem Facebook bringen. Die Projektgruppe will sich mit den Institutionen nun besser austauschen und für Studenten interessante Veranstaltungen in dem Sozialen Netzwerk posten . Außerdem sei eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel Kultur Blind Date geplant, für die sich Studenten anmelden können und erst kurz vorher das Programm erfahren.

Die Zeppelin University lenkt derweil den Blick lieber von Friedrichshafen weg. Für neue Austauschprogramme mit Unis in den USA, England und Dänemark wirbt sie mit dem Slogan "Jetzt noch weniger Friedrichshafen".