Unsere Autorin ist im Studium schwanger geworden. Wie sagt man das jetzt? Weil ihr nur blöde Sprüche einfallen, sucht sie digitale Hilfe. Teil eins unserer neuen Kolumne

Da sitzt man plötzlich. Zwischen lauter dickbäuchigen Frauen. Die anderen Schwangeren, bei denen der Bauch noch nicht so groß ist, erkennt man an der Hand, die sie auf ihren Unterleib gelegt haben. Ich weiß schon nicht mehr, wohin ich gucken soll. Die Poster an der Wand erzählen von Schwangeren-Yoga im Kiez. Ich habe die Beine übereinander geschlagen, wippe mit dem Fuß. Und wenn schon, dann sieht man eben, dass ich nervös bin.

Man muss dazu sagen, dass ich mir das alles ganz anders gedacht habe. Ich gehe zur Uni, ich trinke gerne und ich rauche. Ich finde, mir steht das einfach. Ich verdiene 200 Euro im Monat nebenbei, manchmal mehr, aber das eher selten. Und ich habe Sex. Und ich finde Hormone nehmen doof. Und dann reißt da mal was und da sitzt man dann plötzlich. Besonders wenn neben einem jemand aufwacht, der mit weit aufgerissenen Augen auf den Fleck zeigt: "Ich sags ja, du bist schwanger. Boah, so was von schwanger. Hast du eigentlich auch Blähungen?" Er grinst, ich hole aus, um ihn zu schlagen.

Ich stehe auf und gehe zum Wasserspender, der in der Ecke des gelben Wartezimmers steht. Ich halte meinen Becher darunter und warte auf das Blubbern, das ich irgendwie gerne mag. Am liebsten würde ich kurz den Kopf an die Wand lehnen, aber das mache ich natürlich nicht. Bekommt man weiter Bafög, wenn man ein Kind hat? Und wie lange kann ich aussetzen? Ich schüttle den Kopf. Ich weiß ja noch gar nichts. Nicht genau. Na ja, wenn ich ganz ehrlich bin, was ich ja zu mir selbst ungern bin, dann weiß ich es schon. Auch wenn ich das Gefühl vorher noch nie hatte und es ganz neu ist. Es ist schon verrückt; der Körper und so.

Ich bin nicht zu dem Arzt gegangen, zu dem ich sonst gehe. Ich bin in die Praxis gegangen, in der ich geboren wurde, und vielleicht habe ich mir dabei auch was gedacht, aber darüber denke ich nicht nach. Die Ärztin ruft mich hinein und ich erzähle ihr, was ich denke, und sie steht auf und lächelt breit und ich sehe in ihren Augen, dass sie sich ehrlich freut. Ich muss den Kopf senken, weil ich mich ein bisschen schäme. Weil ich so viel nicht weiß. Wie wickelt man ein Kind? Und was ist mit dem Geld? Ich kann ihr das aber nicht sagen; vielleicht ein anderes Mal.

Noch ganz früh schwanger, aber schwanger

Der Ultraschall, bei dem ich mich immer frage, wie man an dem grau-weiß-schlierigen Bild irgendwas erkennen will, sagt, dass ich schwanger bin. Noch ganz früh schwanger, aber schwanger. Und in mir wird es ganz warm. Und ich merke, wie meine Mundwinkel sich nach oben ziehen und mir gleichzeitig die Tränen in die Augen schießen. Völlige Überreaktion an allen Fronten.

Ich sitze vor der Ärztin, sie lächelt und beglückwünscht mich und ich nicke und denke an Modulabschlüsse und wie viele ich wohl noch schaffen kann, bevor... ich Mutter werde. Und die Ärztin sagt, gesund ernähren, keine Innereien, das ist schade, ich mag Leber, und keinen Rohmilchkäse, und ich schreibe auf einen Zettel: Googeln "Rohmilchkäse". Was auch immer das sein soll. Alkohol nicht, Kippen nicht, das ist ja selbstverständlich. Ja, klar.

Wie wickelt man ein Kind? Mutterschutz? Und ob es gesund ist? Da in mir?

Zu Hause muss ich es sagen. Wie sagt man das? Hey, ich hab nen Braten in der Röhre. Herzlichen Glückwunsch, du hast mich angebumst. Tassen kaufen mit lustigen Aufdrucken, auf denen so was steht wie "Bester Papa der Welt". Alles scheiße. Ich kaufe einen Test, einen digitalen, da steht dann sogar "schwanger" drauf und in welcher Woche man ist und pinkle drauf.

Ich laufe mit dem Testding ins Schlafzimmer, wo er auf dem Bett liegt und halte es ihm hin. Er setzt sich halb auf und liest. Er setzt sich ganz auf und sagt: "HA! Ich hab's gewusst." Und dann lässt er sich nach hinten fallen und sagt nichts mehr. Ich lege mich neben ihn und wir sehen uns gemeinsam die Decke an. Er dreht seinen Kopf zu mir und flüstert: Wir werden Eltern. Und schon wieder ziehen sich meine Mundwinkel nach oben und ich grinse und komme mir irgendwie infantil vor. Ja, wir werden Eltern, flüstere ich zurück. Und dann schauen wir wieder eine Weile die Decke an.