So, jetzt ist es offiziell: Ich bin schwanger! Die Reaktionen meiner Mitstudenten lagen zwischen einem spontan gebrüllten "WAS?!" in der Unibibliothek, gefolgt von wütenden Zischlauten des Bibliothekars, und Angeboten für selbstgestrickte Söckchen. Letzteres habe ich sofort angenommen – dankbar, nach dem ersten Schock im Schuhladen.

Statt gemütlich nach neuen flachen Schuhen zu gucken, zog es mich wie ferngesteuert in die Kinderschuhabteilung, ein klarer Fall von Muttiverstrahlung. Die Schuhe waren ganz klein, so niedlich! Ich war dermaßen gerührt, dass es mir Tränen in die Augen trieb. Richtig nach Weinen zumute war mir dann, als ich den Preis sah. 60 Euro sollten die Minischuhe (Größe 18) kosten. Da können die Kinder noch nicht mal laufen!

Am liebsten würde ich das jedem sofort erzählen: Meine spannenden, erschütternden Erkenntnisse über die Kindertextilpreise. Auch habe ich erstaunlich gute Laune und laufe mit einem geradezu nervtötend infantilen Grinsen durch die Gegend… Doch halt! Sicher liegt es daran, dass ich vollgepumpt bin mit diesen Muttihormonen; vielleicht bin ich längst nicht mehr zurechnungsfähig.

Hier gibt es alle Folgen der Serie zum Nachlesen. © Getty Images

Ich habe nämlich festgestellt, dass Frauen, die ich zu ihrer Schwangerschaft befrage, verklärt lächeln und etwas sagen wie: "Das war die schönste Zeit in meinem Leben!" Oder: "Schwanger sein fand ich immer toll." Sehr unglaubwürdig, schließlich ist man schwach, wird dick und muss unkontrolliert brechen. Es gibt tausend Gründe, warum eine Schwangerschaft nüchterner zu betrachten ist.

Also fragte ich meine Mutter. Auch sie hat nur den Kopf geschüttelt, gelacht und versichert, wie toll es war. Mein Vater aber, der hat meinen Freund fixiert und leicht, nur ganz leicht, den Kopf geschüttelt. Ich sollte es nicht sehen. Und da ist mir klar geworden: Schwangere sind in einem Rausch. Die Hormone benebeln eindeutig ihre Wahrnehmung.

Du kannst sagen, wenn ich nerve

Eigentlich eine gute Sache für mich: Ich werde alles toll finden und es wird eine super Zeit. Meine einzige Befürchtung: In meinem Alles-ist-prima-Wahn fange ich an zu nerven. So wie einen Menschen nerven, die immer super drauf sind.

Noch hat keiner der Mitstudenten in meinem Beisein mit den Augen gerollt. Immerhin. Vorsichtshalber habe ich einem Kommilitonen bereits einen Ausweg bereitet: "Du kannst es einfach sagen, wenn ich mit meinem Mamatalk nerve." Er war schockiert. Er müsse doch als Freund jetzt da sein, frage sich aber, ob er so ganz ohne Erfahrung auch kompetent genug sei. Da war ich dann natürlich wieder gerührt.

Noch brauche ich nicht so viel Hilfe. Ich habe vielmehr das Gefühl, dass ich schwanger eine weitaus bessere Studentin bin. Zielstrebiger, denn langsam bekomme ich eine Ahnung, wie organisiert Eltern sein müssen und um welch große Zeiträume es geht.

Wenn ich was für mich mache, ist das eine Frage von heute oder morgen, maximal von nächstem Monat. Aber es geht nicht mehr nur um mich. Seit ich im Gleichstellungsbüro war und mich über Betreuungsmöglichkeiten informiert habe, habe ich einen Kalender für 2014 und bis weit in den Sommer Termine und Fristen eingetragen. Ein eventueller Krippenplatz für Januar 2015 muss im Mai 2014 beantragt werden, steht da zum Beispiel. Wenn ich da nicht lerne, mich optimal zu organisieren, weiß ich auch nicht.

Trotzdem ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, als mein Freund angekündigt hat, Elternzeit zu nehmen. Das müssen wir zwar auch organisieren, aber es ist hoffentlich nicht so schwierig, wie einen Krippenplatz zu bekommen. Elternzeit bedeutet zwar, dass mein armer Freund meiner hormonell bedingten Verstrahlung noch direkter ausgesetzt ist, aber nach dem ganzen Brechen, Heulen und den Mitternachtssnacks ist so ein miterlebter Schub enorm guter Laune sicherlich eine willkommene Abwechslung.