Sie ist da! Endlich! Und so besonders dieser Moment der Geburt auch ist, so schnell ist er vergessen. Ich weiß, ich war heiser in der Nacht, deswegen weiß ich auch, dass ich sehr viel geschrien habe. Ich weiß auch, dass die Arme meines Freundes ziemlich gelitten haben. Aber wie ich dieses Gefühl beschreiben soll, weiß ich nicht, schrecklichschön vielleicht.

Was ich jetzt habe, ist ein wundervoller Minimensch, der noch fast gar nichts kann. Und ja, ich bin jetzt im Mutti-Modus. Stillen nach Bedarf heißt bei unserer Tochter alle zwei Stunden. Das heißt auch, maximal ein bis zwei Stunden am Stück schlafen. Ich habe es also fast aufgegeben, mich noch anzuziehen und fühle mich wie diese Frau auf YouTube, die mit ihren Brüsten Dosen plattkloppt.    

Immer da sein für sein Kind, heißt wirklich IMMER da sein. Wenn ich nachts wach liege und mir die Tränen kommen, weil ich so müde bin und die Brüste abartig schmerzen, dann frage ich mich, ob ich das schaffen werde. Schäme mich ein bisschen, weil es keine Frage mehr ist. Jede Mutter wird wissen, dass man es eben einfach schafft.

Die Nacht geht rum und der nächste Tag weiter und langsam, aber sicher, lernen wir uns kennen. Ich bin froh, dass wir zu zweit sind und ich so die Zeit finde, zu duschen. Wenn ich das geschafft habe, ist es ein guter Tag. Ich bin schon so sehr Mutti, dass das Zehn-Minuten-Duschen das Privateste ist, was ich tue. Zwischen Stillen, Wochenbettgymnastik und vollgekotzten Tüchern und Windeln gibt es momentan nichts anderes.

Ich dachte irgendwie, es würde weitergehen wie vorher und das versuche ich auch erst mal, aber das klappt nicht. Der Kleinen ist es egal, ob es Tag ist oder Nacht oder ob ich auf Klo muss oder Hunger habe und das Essen auf dem Tisch steht. Aber jetzt ist sie auch erst zehn Tage alt und ich denke, dass ich entspannter werde.     

Anfangs fürchtet man so vieles, weil alles so unbekannt ist. Auf Klo gehen und sie in einem anderen Zimmer lassen, geht nicht. Sie könnte sich verschlucken. Sie könnte sich drehen und ersticken. Sie könnte tausend Dinge tun, wenn ich kurz mal nicht aufpasse. Ein Glück habe ich einen Freund, der ein bisschen ruhiger ist, der mich dann in den Arm nimmt und mir versichert, dass es in Ordnung ist, kurz mal alleine pinkeln zu gehen. Und für uns beide auch besser, wenn ich die Tür zum Klo zumache.