Wann ist Duschzeit? Bei wie vielen Fruchtfliegen darf ich dein Gemüse wegschmeißen? Jura-Studentin Prisca Franke berät als Mediatorin WGs, in denen gestritten wird.

ZEIT ONLINE: Frau Franke, Sie sind 24 Jahre alt, studieren Jura und sind ausgebildete Mediatorin. Als ehrenamtliche Streitschlichterin helfen Sie Studenten in Heidelberg mit WG-Problemen. Können Sie denen beibringen, sich an den Putzplan zu halten?

Prisca Franke: Nein, wegen eines Putzplans ist noch nie jemand zu mir gekommen. Zumindest nicht direkt. Vielleicht sagen die Studenten am Anfang: Mein Mitbewohner putzt nie. Aber meist liegen hinter den kleinen Problemen viel tiefere, die ich dann herausfinden muss. Ich mache eine Mediation nur, wenn Leute wirklich leiden. Das finde ich heraus, indem ich Konflikte erforsche und die Interessen der einzelnen Beteiligten wirklich hinterfrage.

ZEIT ONLINE: Ist das Interesse der Studenten nicht einfach, möglichst wenig zu putzen?

Franke: Nicht immer. Zuletzt kamen zwei Studenten zu mir: 'Wir müssen jeden Tag staubsaugen, unsere Mitbewohnerin tyrannisiert uns.' Das Mädchen, nennen wir sie Anne, war hochallergisch gegen Hausstaub und fing morgens um sieben an zu staubsaugen. Und das hat sie auch von ihrer WG erwartet. Außerdem mussten sie die Schuhe vor der Tür ausziehen und durften nach 22 Uhr keinen Lärm mehr machen. Ständig kam der Vorwurf: Ihr seid so faul. Nach zwei Sitzungen zeigte sich: Das Problem war gar nicht das Putzen.

ZEIT ONLINE: Was dann?

Franke: Anne hat nicht nur ein sehr strukturiertes Leben wegen ihrer Allergien. Sie muss den ganzen Tag arbeiten, um sich ihr Studium zu finanzieren und sie muss nach der Scheidung ihrer Eltern für Mutter und Geschwister da sein. Sie war einfach neidisch auf das Leben der anderen, sie wollte auch Partys feiern und in Cafés sitzen. Nach zwei Sitzungen war plötzlich das gegenseitige Verständnis da, als ihre Mitbewohner wussten, wo das Problem liegt. Die Beteiligten haben dann Zeiten zum Staubsaugen und die Anzahl an Partys in der Wohnung festgelegt. Die Lösung muss von den Medianden kommen, ich bin kein Lebensberater und mache keinen einzigen Vorschlag. Nur die Medianden wissen, was das Beste ist.

ZEIT ONLINE: Wie schaffen Sie es, dem Problem auf den Grund zu gehen?

Franke: Zunächst war mir wichtig, das Machtgefälle auszugleichen. Zwei gegen einen ist immer schwierig. Ich musste ein bisschen raus aus meiner Neutralität und Anne viel Zeit geben, viel Verständnis und sie viel loben. Die anderen beiden haben den Konflikt eher in sich aufgefressen und waren nicht so emotional. Das ist für mich ein größeres Problem, denn die sagen nichts. Ich musste sie provozieren, damit sie mal aus sich rauskommen, also ihren Namen falsch schreiben oder etwas mit Absicht nicht richtig verstehen. Diese Tricks habe ich in meiner Ausbildung zur Mediatorin gelernt.