Nach einem langen Lerntag kann Facebook so entspannend sein. Wir lassen uns von bunten Bildern umspülen und treiben. Wären da nicht immer die verzweifelten Hilferufe. Irgendjemand sucht immer irgendetwas. Umfrageteilnehmer für die Bachelor-Arbeit, Protagonisten für eine Studie oder ein billiges Zimmer in einer Vegetarier-WG im Herzen von Mainz. Während das Social Teufelchen in uns unbeteiligt weiterscrollen möchte, meldet sich ganz hinten in unserem Kopf das empathische Engelchen. Aber es sind doch Freunde!

Wer hatte uns noch einmal das Hostel empfohlen, als wir verzweifelt in Granada am Bahnhof standen? Oder zwei Wochen vor Abgabe die Statistik für die Hausarbeit befüllt? Richtig, die gesichtslose Facebook-Gemeinde. Der blaue Publikumsjoker für jede Ungereimtheit des Alltags. Er hilft bei der Suche nach Umzugshelfern, gestohlenen Fahrrädern und hat Tipps für einen guten Hautarzt.    

Mit Facebook-Gesuchen ist es wie mit Drängeln vor dem überfüllten Bus: Alle verdrehen die Augen, fast alle machen es trotzdem. Weil es vielversprechend ist. Weil es einem in diesem Moment nicht auf die zweihundert Freunde ankommt, die die Augen verdrehen, sondern auf die eine erlösende Antwort. Irgendwann häufen sich die Bitte-Danke-Posts so sehr, dass sie niemand mehr liest. Es nervt.

Viele nutzen deshalb eigene Gruppen für ihre Anfrage. Also: Wohnungssuche in der Stadt-Gruppe, alles rund ums Studium in der Fachschaftsgruppe. In Gruppen wie "Nett-Werk" oder "Free Your Stuff" (also: "Verschenke deinen Kram") treten Menschen nur ein, um sich gegenseitig zu helfen, zu beschenken und zu beratschlagen. Oder anzumeckern.

Gegen Shitstorms kommt keiner an

"Diese Gruppen haben ihre eigenen Regeln, die man unbedingt kennen sollte", sagt Social-Media-Berater Torsten Maue. Es gibt klare Themeneingrenzungen oder Richtlinien, was Werbung oder Verkauf angeht. Wer den gruppeninternen Knigge missachtet und voreilig drauf los postet, fängt sich dann gerne mal den allseits bekannten Shitstorm ein. Und dann? Locker bleiben und Laptop ausschalten, sagt Torsten Maue, der Unternehmen berät. "Gegen die typischen 'Shitstormer' hat keiner eine Chance. Gegenargumentieren bringt nichts, sondern raubt nur Enegie."