Semesterferien sind keine Ferien, sagen Studenten oft. Denn am Ende wartet die Deadline für ein, zwei, drei Hausarbeiten. Noch liegt sie in weiter Ferne, noch ist die Zeit der Prokrastination, auch Aufschieberitis genannt.

Schuld am ewigen Aufgaben-vor-sich-herschieben ist der innere Schweinehund, den es zu überwinden gilt. Doch ist das Tier in uns wirklich so böse? Tatsächlich schützt es uns manchmal vor uns selbst. Eine Liebeserklärung und ein Drohbrief.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text sollte eigentlich vor zwei Wochen erscheinen. Doch die Autorinnen wurden einfach nicht fertig. Aufgeschoben.

Lieber Schweinehund,    

danke für herrlich weiße Dokumente, die im Ordner "Hausarbeiten" abgespeichert sind. Danke für 24 Jahre ohne Sixpack. Danke für die Abende mit billigen Romanen, in denen geliebt, geweint und geheiratet wird. Immer in dieser Reihenfolge. Danke, lieber Schweinehund, für die vielen faulen Stunden voll sinnvollem Nichtstun.

Und schon wieder schaust du mich mit deinen traurigen Kulleraugen an. Der Text sei lang genug, bellst du. Ich solle mal früher nach Hause gehen. Heute nicht. Und jetzt Ruhe, ich muss mich auf den weniger kitschigen Teil konzentrieren. Also:   

Früher habe ich dich gehasst, wie es so viele andere Menschen tun. Du zerrst uns weg vom Schreibtisch, immer willst du spielen. Das wäre nicht schlimm, aber da ist dieser Gegenspieler. Das schlechte Gewissen möchte kämpfen. Es schickt sich schließlich nicht, nichts zu tun. 

Lange versuchte ich, dich zu besiegen. Ich erfand das Belohnungsprinzip und das Bestrafungsprinzip: Räumte beispielsweise genauso lange auf, wie eine Big-Bang-Theory-Folge dauert, die ich danach schauen durfte. Ich las so lange keine Nachrichten auf meinem Smartphone, bis eine halbe Seite geschrieben war. Ich erstellte Playlists mit Namen von Uni-Kursen. Klingt alles albern. Hat auch nichts genützt.

Du bist kein Schoßhund, den wir an die Leine legen können. Oder ins Körbchen. Du nervst. Und dafür liebe ich dich.

Du sagst mir, wann es sinnlos ist, weiter zu arbeiten. Weil ich müde bin. Weil die Sonne scheint. Weil Dienstag ist. Du, lieber Schweinehund, bist mein Filter. Auch am Wochenende. Du zerrst an mir, wenn ich mich wieder gezwungen fühle, loslaufen zu müssen. Zur nächsten Party, zu jedem Geburtstag und im Sommer unbedingt zum See. Wir könnten etwas verpassen.   

Aber das tun wir nur bei den besten Freunden, den großen Projekten und den kleinen Träumen. Ansonsten ist nichts produktiver als Nichtstun. Wann wurde schon einmal eine geniale Idee während einer Hausarbeit geboren? Du lehrst mich Effizienz und deshalb überlege ich nun keine weiteren drei Stunden, was diesen Text noch besser, runder, voller macht und welches Ende er haben muss. Sondern mache einfach einen Punkt.