Jetzt mal ehrlich, Kino, Fußballplatz oder doch Tinder? Nicht alle Pärchen trauen sich, über ihr Onlinedating zu sprechen. Drei Protokolle vom Chatten und Verlieben

In der Mensa, im Club, auf dem nächsten Geburtstag. Es gibt so viele Möglichkeiten für Studenten, sich im realen Leben zu verlieben. 40-jährige Banker dürfen sich auf elitepartner.de kennenlernen, 50-jährige gerade geschiedene Frauen gerne auf Plattformen wie parship.de. Aber Online-Dating für junge Menschen? Das wirkt für viele verzweifelt, auch wenn neue Apps wie Tinder das Kennenlernen im Netz bereits ein bisschen gesellschaftsfähiger gemacht haben. Wir haben drei Paare gefragt, ob sie jedem sofort erzählen, wo sie sich kennengelernt haben.   

"Im Dönerladen war plötzlich diese Stille zwischen zwei Menschen"

Eigentlich musste ich meine Hausarbeit schreiben. Da war Tinder ein schöner Zeitvertreib. Ich dachte nicht daran, jemanden für eine ernste Beziehung kennenzulernen. Meine Freundinnen hatten immer so unkomplizierte Treffen. Durch die Matches weiß man, woran man ist, das wirkt einfacher als ein Kennenlernen im normalen Leben. So habe ich an einem Wochenende Sven gematched. Ich habe mich überreden lassen, ihn und seine Freunde in einer Bar zu treffen. Danach sind nur noch wir beide in einen Dönerladen gegangen, weil ich Durst hatte. Wir haben uns an der falschen Schlange angestellt und dann war da diese Stille zwischen zwei Menschen und wir haben einfach rumgeknutscht. Ende Mai bin ich mit zum Geburtstag von Svens Vater gefahren. Der Vater fragte mich, wie wir uns kennengelernt haben und ich sprach ganz offen darüber. Der Vater hat total locker reagiert und meinte "Ah, die Jugend von heute". Ich war irgendwie erleichtert. Onlinedating ist ja doch noch was Unkonventionelles. Schon erstaunlich, dass aus uns etwas Ernstes wurde, weil Tinder für mich durch Erzählungen eher ein Spiel war. Auch meine Freunde sind total positiv überrascht. Sven und ich haben kurzweilig überlegt zu lügen: Wir wollten sagen, dass wir uns im Supermarkt kennengelernt haben. Das wäre aber ein schlechter Start für eine Beziehung gewesen.

Nora K., 23, studiert auf Lehramt in Berlin

Seitdem wir Jungs im Sportverein Tinder haben, schauen wir uns zusammen die Frauen an und spekulieren, was daraus wird: Ein One-Night-Ding, mehrere Dates oder etwas Ernsthaftes? Vorher habe ich immer von Onlinedating gehört, habe es aber nie ausprobiert, weil es auch kaum Freunde in meiner Umgebung gemacht haben. Uns fehlte noch eine weibliche Begleitung, also habe ich Nora gematched und danach direkt angeschrieben. Sie hat mich im Gespräch total fasziniert, weil sie Leute aus meinem Heimatort Schwedt an der Oder kannte und so etwas passiert in Berlin nur selten. Bonuspunkt. Ich hatte nach dem Date ein gutes Gefühl, war aber gleichzeitig gedanklich woanders, weil ich parallel zu Nora noch ein zweites Mädchen bei Tinder kennengelernt habe. Die Dates mit Frauen haben mir Spaß gemacht, aber zweigleisig fahren wurde mir dann irgendwie zu kompliziert. Ich musste mich entscheiden. Beide wollten mit mir am Ersten Mai weggehen. Aus dem Bauch heraus habe ich mich für Nora entschieden. Ich habe sie dann am Ersten Mai getroffen, mein Bauchgefühl sagte mir, es sei die richtige Entscheidung gewesen. Der Funke ist übergesprungen, als wir im Regen zum Taxi rannten. Meine Freunde führen jetzt auch Beziehungen, die über Tinder entstanden sind. Manchmal treffen wir uns für Doppel-Dates zum Tatort und sagen, wir haben einen Tinder-Tatort-Abend. 

Sven M., 24, arbeitet in der Energiewirtschaft