Die Matratze ist blau, schwer und unhandlich. Seit Wochen schleppt Emma Sulkowicz das Stück über den Campus. Die junge Frau protestiert dagegen, dass ihr mutmaßlicher Vergewaltiger noch immer an derselben Universität wie sie studiert. Sulkowicz möchte zeigen, wie schwer das Gewicht ist, das Opfer einer Vergewaltigung tragen müssen – und wie schwer es ist, bei der Aufklärung der Fälle von der Universität angemessen unterstützt zu werden.   

Als Sulkowicz ihren Fall meldete, erlebte sie eine quälende Anhörung. Wie eine anale Vergewaltigung überhaupt möglich sei, soll eine der Frauen des Komitees gefragt haben. Die Studentin musste die Szene in einem Diagramm nachstellen, erzählt sie später. Aber außer einer enormen psychischen Belastung hat ihr das nichts gebracht: Die Columbia University sprach den Studenten, der auch von zwei weiteren Frauen beschuldigt worden war, frei.  

Der Fall ist beispielhaft für Tausende andere. Laut einer Studie aus dem Jahr 2007 soll ein Fünftel aller Studentinnen in den USA sexuell missbraucht worden sein. Sieben Prozent der männlichen Studenten haben zugegeben, schon einmal versucht zu haben, eine Frau zu vergewaltigen oder tatsächlich eine Vergewaltigung begangen zu haben. Die wenigsten davon sind laut der Autoren bestraft oder festgenommen worden. Der Grund: Wegen des Aufwands trauen sich Missbrauchsopfer oft nicht, ihren Fall anzuzeigen. 

Seit Jahren prangern Studenten in den USA den Umgang mit mutmaßlichen Vergewaltigungen an: Ihre Unis reagierten zu langsam oder gar nicht, wenn Studentinnen auf dem Campus missbraucht werden. Geändert hat sich jedoch kaum etwas.

Daher erregt nun das Vorgehen im Staat Kalifornien Aufsehen. Dort wurde im September ein Gesetz verabschiedet, das allen staatlich finanzierten Hochschulen die Uni-Politik vorschreibt. Kernelement ist eine Regelung, die besagt, dass vor dem Sex eine aktive Zustimmung beider Partner nötig ist; umgangssprachlich wird das "Yes means yes" genannt. "Ja heißt Ja". Bisher definieren viele Hochschulen eine Vergewaltigung so, dass das Opfer klar Ablehnung signalisiert haben muss.       

Die Vertreter der "Yes means Yes"-Regel betonen die Angst der Opfer, ihnen würde nicht geglaubt, sich dem Sex klar verweigert zu haben. Viele Verfahren sind gescheitert, weil die Kläger das fehlende Einverständnis nicht nachweisen konnten. Besonders schwierig ist das, wenn das Opfer nicht nüchtern war. Die Autoren eines Reports für das Weiße Haus schreiben, dass viele Übergriffe auf Partys passieren und Opfer oft missbraucht werden, während sie betrunken sind, unter dem Einfluss von Drogen stehen oder das Bewusstsein verloren hatten. Dann können sie sich gar nicht wehren und "Nein" sagen. 

Doch wann ist ein "Ja" ein "Ja"? Das neue Gesetz in Kalifornien liefert keine klare Definition. Einige Universitäten führen die Regelung bereits seit längerer Zeit, die New York Times berichtet beispielsweise von einem Seminar für Erstsemester. Die Studenten lernten: Das Einverständnis muss freiwillig geschehen und kann zu jedem Zeitpunkt widerrufen werden. Und wieder die Frage: Wann ist ein "Ja" ein "Ja"?  

*Anmerkung 16. Dezember: Die Autoren der Studie haben ihre Aussagen in einem Text für time.com eingeschränkt.