An manchen Tagen vermisse ich mich. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich getraut habe, mir das einzugestehen, und noch eine Weile, bis ich es auch laut ausgesprochen habe.  

Es gibt natürlich die wunderbaren Tage, an denen ich völlig verzückt mit dem Kind spiele und beobachte, dass es schon den Kopf hebt oder sich sogar dreht und das alles ganz alleine gelernt hat. Und dann gibt es die anderen Tage, an denen sich jede Handlung und jede Konversation um das Kind dreht. Das einen auch noch den ganzen Tag anbrüllt, weil es irgendetwas hat, das stört. Und dann probiere ich alles durch: füttern, Wickeln, Durch-die-Gegend-tragen, vielleicht ist es ja müde, will vielleicht schlafen, den Schnuller, den Beißring oder vielleicht eine Kombination der Dinge oder alles von vorn. Irgendwann ist dann wieder alles gut, ohne dass man sagen könnte, was jetzt geholfen hat.  

An solchen Tagen fühle ich mich manchmal übergangen. Manchmal einfach nur erschöpft. Manchmal wütend oder eben eine Kombination der Dinge oder alles von vorn.  

Der Plan war: Nach einem Semester Pause wollte ich wieder an der Uni einsteigen, heftig losstudieren, drei Tage volle Konzentration und dann vier Tage Kinderbetreuung, damit der Partner auch drei Tage an seinen Zukunftsplänen arbeiten kann. Und dann noch einen Tag, der nur der Familie gehört.

Also geplant, getan: Da ich nicht in der Stadt studiere, in der wir wohnen, suche ich als erstes eine zweite, kleine Wohnung, überweise den Studienbeitrag und eile zwischendrin mit dem Kind zur U-Untersuchung. Seminare wähle ich online aus, davor füttern. Mit Brei von oben bis unten vollgeschmiert merke ich, dass sich Brei aus Karotte so gut wie gar nicht rauswäscht. Und beim Flaschen-auskochen denke ich darüber nach, was "Mutter sein" alles bedeutet, vor allem für mich selbst.   

Wenn ich beschließe abzustillen, weil ich wieder studieren gehe und nicht für drei Tage abpumpen kann und will, dann hat jeder dazu eine Meinung, die er mir ungefragt entgegenwirft. Und dann habe ich sie in den Händen, drehe und wende sie und werfe sie in den meisten Fällen weg.

"Was, du lässt dein Kind für drei Tage alleine, wenn du studierst?", fragen mich entgeisterte Stimmen. Und obwohl ich mir schon lange überlegt habe, dass es mich nicht mehr tangieren soll, fühle ich mich angegriffen, in die Ecke gedrängt, wie eine Rabenmutter, die ihr Kind vernachlässigt. Ich kann nur entgeistert entgegnen, dass sie doch nicht alleine ist. Sie ist bei ihrem Papa. Der hat zwar keine Brüste, aber das spielt keine Rolle mehr, weil sie schon Brei isst und er ein Elternteil und eine Bezugsperson wie ich ist. Ich verstehe einfach nicht, dass alle immer noch "in Müttern" denken und nicht "in Eltern": Männer, Frauen, ältere Generationen und Leute in meinem Alter.