Es war an einem Tag im März des vergangenen Jahres, als die Yaks Elizabeth Longs Schule überrannten. Yaks sind langhaarige asiatische Ochsen. Yaks sind aber auch die anonymen Kurznachrichten der App Yik Yak, deren Logo genau diese Ochsen zieren. "Innerhalb nur eines Tages breitete sich die App aus wie ein Lauffeuer", sagt Elizabeth Long. Fast 3.000 Yaks von Schülern der Woodward Academy in Atlanta waren es an jenem Tag, die ihre Nachrichten verbreiteten. Die App sah aus wie ein überquellender Twitter-Feed, nur eben ohne Quellenangabe. 

Denn das Konzept des amerikanischen Start-ups ist: Jeder kann anonym Nachrichten verbreiten, die aber nur in einem Radius von 1,5 Meilen zu lesen sind. Am Abend entdeckte die damals 17-Jährige Long dort folgende Nachricht: "Elizabeth Long sollte aufhören sich darüber auszulassen, wie sie sich fast umgebracht hätte, und es einfach tun." Die Schülerin, die sich gerade von einem Suizidversuch erholte, wendete sich verstört an einen Vertrauenslehrer. Doch die Schulverwaltung konnte nichts machen. Sie drohte nur, jedem das Handy wegzunehmen, der mit Yik Yak erwischt würde. So kam der anonyme Urheber der Nachricht ungescholten davon.  


Elizabeth Long war klar, dass es anderen ähnlich ergehen musste und startete eine Onlinepetition, mit der sie die App-Erfinder Tyler Droll und Brooks Buffington zur Einstellung von Yik Yak bewegen wollte. Zwar wurde die Anwendung schnell für Schulen gesperrt, doch an den Colleges im Land breitete sie sich weiter rasend schnell aus, genau wie Elizabeth Longs Unterschriftensammlung.

Wie Facebook, nur anonym

Innerhalb eines Jahres hat sich Yik Yak als die am häufigste heruntergeladene App für anonyme Nachrichten etabliert. 1.600 US-Hochschulen hat sie bereits eingenommen. Denn wie ursprünglich auch Facebook ist das soziale Netzwerk eigentlich für Studenten gedacht. Allerdings werden statt Posts von Freunden nur solche aus unmittelbarer Umgebung angezeigt. Die Yaks erscheinen im Umkreis von 1,6 Meilen, also gerade weit genug, um einen College-Campus abzudecken. Eine Art Schwarzes Brett für das digitale Zeitalter schwebte den beiden Gründern vor, beide selbst gerade einmal 24 Jahre alt und Uni-Abbrecher. Den Zehntausenden Unterzeichnern von Elizabeth Longs Petition kommt Yik Yak wohl eher einer modernen Klowand gleich.

Für die Erfinder Tyler Droll und Brooks Buffington bedeutet die Anonymität vor allem Freiheit und Gleichheit für die Nutzer ihres Messaging-Dienstes. "Teile deine Gedanken mit den Menschen in deiner Nähe, während dein Datenschutz bewahrt wird", verkaufen die Macher ihre App. Anders als bei Facebook und Twitter etwa bleibt kein digitaler Fußabtritt zurück; es besteht kein Risiko, dass Studenten sich später im Bewerbungsgespräch für einen albernen Post aus einer volltrunkenen Nacht rechtfertigen müssen. Außerdem zählt allein der Inhalt, nicht etwa der Name oder die Prominenz der Urheber. Die Yaks werden von den anderen Nutzern nach oben und unten bewertet, die Beliebtheit bestimmt die Wahrscheinlichkeit, mit der die Nachrichten auf anderen Bildschirmen auftauchen. Anders als bei Twitter, argumentieren die Gründer, habe jedermanns Yak die gleiche Chance auf Anerkennung wie ein Yak von It-Girl Kim Kardashian.