Seine Wahl fiel auf Münster, auch sein Cousin studiert hier. Hier macht Louis (Name von der Redaktion geändert) einen Bachelor in BWL. Im dritten Semester wurde ihm alles zu viel: das anspruchsvolle Lernpensum, seine beklemmende finanzielle Lage, überhaupt das Leben in der Fremde. Mit Mitte 20 brach er psychisch zusammen, kam als Notfall in die Klinik und blieb dort wochenlang. Die Behandlungskosten beliefen sich auf knapp zehntausend Euro. Doch die deutsche Krankenkasse wollte für Louis erst nicht zahlen. Im Versicherungsvertrag waren Psychotherapien oder auch Vorerkrankungen ausgeschlossen.

Ein Anwalt des Münsteraner Uni-Astas rückte die Sache ins Rampenlicht der Bundesaufsichtsbehörde (BaFin), der Spitzenverbände der Versicherungswirtschaft und des Bundesgesundheitsministeriums. Da gab die Kasse kurz vor Ostern auf einmal nach: Ein untergeordneter Sachbearbeiter hat die Krankenhausrechnungen angeblich nicht richtig verstanden, trotz wiederholter Belehrungen durch den Anwalt.


"Bloß kein Streit über allgemeine Vertragsbedingungen, dann doch lieber die überschaubare Kostenübernahme in diesem Fall", sagt sein Anwalt Andreas Scharbatke. Doch der Fall dürfte eben kein Einzelfall sein. Studenten haben eine Versicherungspflicht. Die meisten Inländer sind automatisch über ihre Eltern voll abgesichert. Auch alle Ausländer aus der Europäischen Union genießen den gesetzlichen Versicherungsschutz in Deutschland. Entsprechende Abkommen bestehen außerdem mit gut 30 weiteren Staaten von Amerika bis China. Aber die meisten Länder Afrikas, wie zum Beispiel Louis' Heimat Kamerun, gehören nicht dazu.

Alle Studienbewerber, die mit Sprach- und Fachkursen von einem Jahr oder länger erst noch die deutsche Hochschulreife anstreben, müssen sich für diese Zeit privat versichern. Das sind laufend Tausende Ausländer, zumal aus Entwicklungsländern. Ein ganze Handvoll privater Wettbewerber bietet ihnen spezielle Tarife zu oft verlockend niedrigen Beiträgen, aber auch in entsprechend begrenztem Leistungsumfang. Das Aufenthaltsgesetz spricht ganz generell von "der gesetzlichen KV oder einem im Wesentlichen gleichwertigen Versicherungsschutz", bei dem keineswegs alles auch "wesentlich" sein muss. Zunächst als Studienbewerber versicherte sich Louis für unter 30 Euro im Monat. Später, als normaler Student, hätte er in die gesetzliche Krankenversicherung (etwa die AOK oder Barmer) gehen können, tat es aber nicht: Denn die gesetzliche ist fast drei Mal so teuer, bietet dafür freilich viel mehr Schutz.

"Alle, die hierzulande studieren, sollten in die gesetzliche Krankenkasse gesteckt werden oder aber eine wirklich genauso umfassende private Versicherung vorweisen", fordert Johannes Glembek vom Bundesverband ausländischer Studierender. Das offensichtliche Problem einer Unterversicherung erscheint künftig sogar immer dringlicher, da die Zahl der internationalen Hochschüler laut Koalitionsvertrag der heutigen Bundesregierung in ein paar Jahren um ein Drittel auf rund 350.000 anwachsen soll.