ZEIT ONLINE: Private Seenotrettung hat in der deutschen Zivilgesellschaft ja eine gewisse Tradition. 1979 rettete die Cap Anamur 11.000 Boatpeople im Südchinesischen Meer. Wie viele Flüchtlinge wollen Sie schaffen?

Schoen: Das ist eine Krisensituation. Unser Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich zu retten. Wie viele das sein werden, können wir natürlich nicht sagen. Wir sind über jeden glücklich, den wir in Sicherheit bringen können. Auch wenn unser Schiff nur einen Flüchtling rettet, hat sich der Einsatz gelohnt.

ZEIT ONLINE: Apropos Einsatz: Wer wird denn mit an Bord sein?

Schoen: Die Crew besteht aus elf Personen. Kapitän, Steuermann und Maschinist haben natürlich ein entsprechendes Patent. Die restliche Crew bekommt einen zweiwöchigen Kurs, wie man Sicherheit auf See gewährleistet. Gott sei Dank machen alle ehrenamtlich mit. Ansonsten könnten wir das finanziell nicht stemmen.

ZEIT ONLINE: Momentan fehlen Ihnen noch 19.000 Euro. Wenn das Crowdfunding klappt: Wann sticht Ihr Schiff in See?

Schoen: Es wird eng. Wir sind aber optimistisch, dass es klappt. Dann kaufen wir Anfang April das Schiff und lassen es umbauen. Am 1. Juni spätestens wollen wir das Schiff nach Italien überführen.

ZEIT ONLINE: Und wer bezahlt den Einsatz nach Ende des ersten Monats weiter?

Schoen: Wir rechnen mit laufenden Kosten von 30.000 bis 35.000 Euro pro Monat, je nach Spritpreis. Unser Ziel ist es auf jeden Fall, bis November im Mittelmeer zu bleiben. Dafür werden wir weiter Crowdfunding nutzen, aber auch Stiftungen ansprechen oder Großspender aus dem maritimen Bereich suchen. Außerdem aktivieren wir unser Botschafternetzwerk, das in 29 deutschen Städten Aktionen plant.

ZEIT ONLINE: Steht der Name des Schiffes schon fest?

Schoen: Der Name steht schon fest. Wir können ihn aber erst mitteilen, wenn wir das Schiff, das wir ausgesucht haben, auch gekauft haben.