P hilipp Kudlich ist jung und aufstrebend. Der 26-jährige Deutsche hat das, was Personalmanager und Schwiegermütter begeistert - oder besser: bis vor kurzem begeisterte. Er hat schnell Betriebswirtschaft an der Universität Sankt Gallen in der Schweiz studiert. Dann hat er in Finance promoviert, jenem angelsächsischen Fachgebiet, das von der Kostenrechnung bis zur Firmenbewertung alles beinhaltet, was man zum großen Geldverdienen braucht. In den Semesterferien arbeitete er in angesehenen Unternehmensberatungen, Mediengruppen, Konsumkonzernen. Kudlich spricht drei Fremdsprachen fließend, studierte an der Esade in Barcelona, einer der besten Business Schools in Europa, und war zwischendurch bereits ein Jahr Vorstandsassistent in einem Dotcom-Unternehmen.

Vor drei Jahren hatte der junge Student Kudlich Dutzende Offerten ansehnlicher Arbeitgeber. Im Jahr 2002, nachdem er auch noch zum Finanzexperten geworden war, schlugen die Türen vor seiner Nase zu. In einem Vorstellungsgespräch musste er sich anhören, er sei "nicht sparkling (funkelnd, Anm. d. Red.) genug" - hart und angesichts seiner Person vor allem unfair. Vorbei die fünfstelligen Kopfprämien, die Kennenlernreisen in die Karibik, die aufgeregten Anrufe bittstellender Headhunter: Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat sich umgedreht.

Welche Gewissheit sollen Nachwuchskräfte da noch hegen? Wohin marschieren die Trendsetter - oder gibt es keine Trendsetter mehr?

Kostenmanager verdrängen Jungspunde

Crash auf dem Arbeitsmarkt: Während im Jahr 2000 Berater, Investmentfirmen und Start-ups gute Absolventen mit offenen Armen, gezogenem Scheckbuch und Aktienoptionen empfingen, kämpfen diese professionellen Dienstleister heute mit Überkapazitäten. Beratungsunternehmen wie McKinsey oder Boston Consulting stellen zwar noch ein, aber in weit kleinerer Zahl als im Aufschwung - und wer drin ist, steht heute unter besonders skeptischer Beobachtung. Für Investmentbanken wie Goldman Sachs oder JP Morgan ist der Geschäftseinbruch noch brutaler. Ihr Karriereversprechen lautet vereinfacht so: Die besten Nachwuchskräfte schuften in 80-Stunden-Wochen und verdienen im Geschäft mit dem Geld so viel, dass sie mit 40 Jahren im eigenen Jet ins zweite Leben abheben können. Doch wenn die verbliebenen Mitarbeiter sich ihren geschrumpften Bonus anschauen, überkommen sie Zweifel an diesem Elitenmodell. Die überlebenden Start-ups schließlich suchen höchstens erfahrene Kostenmanager und keine euphorischen Jungspunde mehr. Schlechte Zeiten für den Nachwuchs, der gerade in die Laufbahn starten will. Er muss davon ausgehen, dass Türen, die bis vor kurzem noch sperrangelweit offen waren, auf viele Monate verschlossen bleiben - und dass danach nicht mehr dieselben Fähigkeiten gefragt sein werden wie in der Hoch-Zeit der New Economy.

Alle paar Jahre eine neue Karrieremode

Aber auch diese Flaute währt nicht ewig. Wie schon im Boom werden nun die Erwartungen auf ewig fortgeschrieben. Der Blick zwei Jahre zurück reicht, um den Dauerpessimisten das Handwerk zu legen. Und der Blick weiter zurück zeigt, wie wandelbar die Karrieren immer gewesen sind.