Pädagogische Hochschulen in Baden-Württemberg, Staatsexamen in Bayern und Bachelor in Berlin: Jedes Land schult seine Lehrer anders. Ein Überblick über die verschiedenen Wege ins Klassenzimmer

Pisa und der Bologna-Prozess sind schuld: In kaum einer anderen Disziplin gibt es zurzeit so viele Veränderungen wie in der Ausbildung der Lehrer. Der Weg, der vom Uni-Seminar schließlich vor die Klasse führt, war schon immer von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt – die neuen Bachelor-/Masterstrukturen haben die traditionelle Kleinstaaterei aber noch unübersichtlicher gemacht. Einige Länder haben bereits auf das gestufte System umgestellt, andere wollen die neuen Abschlüsse noch einführen und manche Länder wollen das Staatsexamen beibehalten. Studieninteressierte müssen sich also entscheiden, welcher Ausbildung zu ihren Vorstellungen passt.

Die sogenannten polyvalenten Bachelorstudiengänge haben vor allem für Unentschlossene den Vorteil, dass die Studierenden nach ihrem Abschluss, im Regelfall nach sechs Semestern, auch einen Beruf außerhalb des Klassenzimmers ergreifen können. Allerdings kritisieren Experten, dass manche Universitäten das Etikett Polyvalenz recht großzügig auslegen: Mit einem lehramtsbezogenen Bachelor stehen bei weitem nicht alle Türen offen, weil etwa die meisten schon erziehungswissenschaftliche Anteile enthalten.

Wer sich aber nach dem Bachelor sicher ist, Lehrer werden zu wollen, muss weitermachen – unterrichten darf man mit diesem Abschluss noch nicht. Davor müssen noch der Master und ein Referendariat absolviert werden. Nicht nur über die Wahl des späteren Titels muss vorher nachgedacht werden: Vor Studienbeginn müssen sich die Lehramtsanwärter auch häufig schon für eine Schulart entscheiden. Gymnasium oder Grundschule? Realschule, Hauptschule oder Sonderschule? Je nach späterer Schulart werden oft unterschiedliche Studiengänge mit verschiedenen Anforderungen angeboten. Wichtig ist daher, sich an der jeweiligen Universität über die Studieninhalte der einzelnen Studiengänge zu informieren, etwa auf den Internetseiten der Hochschulen. Einen ersten Überblick über die derzeitigen Regelungen der einzelnen Bundesländer bietet der folgende Text. (Stand Mai 2008)

Baden-Württemberg ist ein Sonderfall: Es ist das einzige Bundesland, in dem die Mehrzahl der Lehrer an Pädagogischen Hochschulen studiert. Wer im Ländle Lehrer werden möchte, muss sich zunächst für eine Schulart entscheiden: Es gibt das Studium für das Lehramt an Gymnasien, Grund- und Haupt-, Real-, Sonder- und beruflichen Schulen – wer nicht Gymnasial- oder Berufsschullehrer werden will, besucht eine Pädagogische Hochschulen. Gemein ist allen Studiengängen der Aufbau: Nach der ersten Phase, dem Studium an der Hochschule, an dessen Ende das Erste Staatsexamen (an beruflichen Schulen das Diplom) steht, folgt ein 18-monatiger Vorbereitungsdienst (Referendariat), das mit dem Zweiten Staatsexamen abgeschlossen wird. Wer Grund- oder Hauptschullehrer werden möchte, wählt zunächst eine Schulart als Schwerpunkt. Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester, im Grundstudium werden Deutsch, Mathematik, ein weiteres frei wählbares Fach und Erziehungswissenschaften studiert. Im Hauptstudium entscheiden sich die Studenten für ein Hauptfach und zwei weitere Fächer aus einem Fächerverbund (im Verbund Sprachen etwa Englisch und Französisch). Achtung: Deutsch oder Mathematik und das im Grundstudium studierte zusätzliche Fach müssen in der Fächerkombination enthalten sein; bei der Bewerbung um einen Studienplatz gibt man daher bereits drei Fächer an. Künftige Realschullehrer studieren im Regelfall sieben Semester, im Grundstudium werden drei Fächer belegt (eines muss Deutsch, Englisch, Französisch oder Mathe sein). Im Hauptstudium studiert man ein Hauptfach und zwei Fächer aus einem Fächerverbund. Wer später an einem Gymnasium unterrichten möchte, geht für zehn Semester an die Universität und schreibt sich für zwei Hauptfächer ein. Das Studium umfasst neben außerdem Pädagogische Studien und eine 13-wöchige schulpraktische Ausbildung. Wichtig: Bei manchen Fächerverbindungen müssen drei Fächer studiert werden (wer etwa Biologie und Geschichte unterrichten möchte, muss beispielsweise Chemie, Deutsch oder Spanisch dazu nehmen). Baden-Württemberg wird voraussichtlich zum Wintersemester 2009/10 die gymnasialen Lehramtsstudiengänge auf die Bachelor-/Masterstruktur umstellen. Daran soll sich aber wie bisher ein 18-monatiger Vorbereitungsdienst mit Staatsexamen anschließen.
Weitere Informationen: www.schule-in-bw.de "

Die Ausbildung zum Lehrer in Bayern orientiert sich an den Schularten, man wird also von Anfang an zum Beispiel Hauptschul- oder Gymnasiallehrer. Das Studium eines Grundschullehrers umfasst einen erziehungswissenschaftlichen Teil, das Studium der Didaktik der Grundschule und das Studium eines Unterrichtsfaches (zum Beispiel Deutsch, Erdkunde oder Mathematik). Wer Lehrer an einer Hauptschule werden möchte, studiert ebenfalls Erziehungswissenschaften, hinzu kommen Didaktiken einer Fächergruppe der Hauptschule und das Studium eines speziellen Unterrichtsfaches (zum Beispiel Arbeitslehre, Physik oder Geschichte). Spätere Real- und Gymnasiallehrer belegen neben Erziehungswissenschaften zwei Unterrichtsfächer, wobei für die Fächer teils bestimmte Kombinationen vorgegeben sind (beispielsweise muss Chemie mit Biologie, Mathematik oder Physik gekoppelt werden). Obligatorisch für alle Studiengänge sind Praktika, die schon vor Studienbeginn absolviert werden können. Das Lehramtsstudium wird mit der Ersten Staatsprüfung abgeschlossen, an das sich das zweijährige Referendariat anschließt. Die Ausbildung wird dann mit der Zweiten Staatsprüfung beendet. Eine bayerische Besonderheit: Viele Lehramtsstudenten legen noch einen zusätzlichen akademischen Abschluss nach – Absolventen des Lehramtsstudienganges Gymnasium mit geisteswissenschaftlichem Schwerpunkt zum Beispiel machen oft noch eine Magisterprüfung, da für die Zulassung zur Prüfung nur wenige zusätzliche Scheine nötig sind. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt steigen mit einem Doppelabschluss, wenn man sich nach Ende des Studiums doch gegen die Lehrer-Laufbahn entscheidet. Gegenwärtig werden in Bayern starke Veränderungen in der Lehrerausbildung vorbereitet. Das Lehramtsstudium wird modularisiert, der Freistaat hält aber an der Ersten Staatsprüfung fest. Viele bayerische Unis entwickeln daher Studiengänge für angehende Lehrer, die sowohl zur Ersten Staatsprüfung wie auch zu Bachelor und später Master führen. Modellversuche mit Bachelor-Studiengängen in bestimmten Fächerkombinationen laufen an den Unis Eichstätt, Bayreuth, München und Passau. Die Umstellung soll bis zum Sommersemester 2009 landesweit realisiert werden. Die Erste Staatsprüfung bleibt aber Voraussetzung für den Zugang zum Referendariat.
Weitere Informationen: www.stmuk.bayern.de "

In Berlin können künftige Lehrer ihr Studium nur noch im von Anfang an lehramtsbezogenen Bachelor-/Mastersystem beginnen. Wichtig: Es gibt keine schulartspezifischen Studiengänge, unterschieden wird nach Klassenstufen – allerdings erst ab dem fünften Semester. Im Bachelorstudium werden zunächst drei Jahre lang zwei Unterrichtsfächer und Berufswissenschaften (Erziehungswissenschaft und Fachdidaktiken) studiert. Wer später die Klassenstufen eins bis zehn oder an der Sonderschule unterrichten möchte, sattelt einen einjährigen, praxisorientierten Masterstudiengang drauf, in dem das zweite Fach vertieft wird. Für die Klassenstufen sieben bis 13 und berufsbildende Schulen dauert es ein Jahr länger bis zum Mastergrad, weil weitere fachwissenschaftlich-theoretische Studienleistungen erbracht werden müssen. In beiden Fällen schließen sich der Vorbereitungsdienst, der für die Sekundarstufe I 12 Monate und für die die übrigen Stufen 24 Monate dauert, und danach die Zweite Staatsprüfung an. Mit einem Bachelor-Abschluss allein können Absolventen, die es nicht in ein Berufsfeld außerhalb des Lehramts zieht, als so genannte Lernassistenten arbeiten, die zum Beispiel Fördergruppen betreuen, die Lehrkräfte bei der Zusammenarbeit mit den Eltern unterstützen und Verwaltungstätigkeiten in der Schule übernehmen.
Weitere Informationen: www.lehrer-werden.de "

In Brandenburg wird das Lehramtsstudium ausschließlich an der Universität Potsdam angeboten, die für das Lehramt an Gymnasien (Regelstudienzeit neun Semester) und für das stufenübergreifende Lehramt für die Primarstufe und die Sekundarstufe I an allgemeinbildenden Schulen (Regelstudienzeit acht Semester) ausbildet. Zum Sommersemester 2005 hat die Uni Potsdam auf das Bachelor-/Mastersystem umgestellt. In der universitären Phase werden zwei wissenschaftliche Fächer, die Fachdidaktiken und Erziehungswissenschaften studiert, für den Bereich Primarstufe ein Schwerpunktfach und zwei weitere. Außerdem finden schulpraktische Studien statt, zu denen im Masterstudium ein viermonatiges Praktikum gehört. Statt wie bisher mit der Ersten Staatsprüfung schließen die neuen Studiengänge mit dem Erwerb des "Master of education" ab, der der Staatsprüfung gleichgestellt ist (der Abschluss Bachelor allein genügt nicht, um zum Referendariat zugelassen zu werden). Der Vorbereitungsdienst dauert 24 Monate und schließt mit der Zweiten Staatsprüfung ab. Die Schulpraktika der Bachelor-/ Masterstudenten werden auf die Dauer des Vorbereitungsdienstes mit maximal sechs Monaten angerechnet, so dass er auf bis zu 18 Monate verkürzt werden kann. Eine weitere Straffung auf insgesamt mindestens zwölf Monate ist möglich, wenn sonstiger selbstständig gehaltener Unterricht nachgewiesen werden kann. Das Referendariat setzt sich zusammen aus der Ausbildung an einem Studienseminar des Landesinstituts für Lehrerbildung und der praktischen Ausbildung an einer brandenburgischen Schule.
Weitere Informationen: www.mbjs.brandenburg.de "