: Alberto Moravia

© Falk Nordmann, Matthes & Seitz Berlin/C.H. Beck/aufbau/Malik/DuMont/S. Fischer

Literaturrückblick 2013: Die Buchtipps der Redaktion

Wolfgang Herrndorf, Nils Minkmar, Dave Eggers oder Édouard Levé? Redakteure und Autoren von ZEIT ONLINE empfehlen Bücher, die das vergangene Jahr bereichert haben.

Saul Bellow: Macht und Mitleid

Alles ist eitel, ist das nicht toll? Saul Bellows große Romane sind in einer fabelhaften neuen Edition erschienen

Ich habe einen Traum

Bernardo Bertolucci wurde mit 21 Jahren Assistent von Pier Paolo Pasolini, drehte bald eigene Filme und schrieb mit am Drehbuch zu Sergio Leones "Spiel mir das Lied vom Tod". Die Kritik feierte ihn für "Der große Irrtum", der Durchbruch kam mit "Der letzte Tango in Paris". Es folgten "1900" und "Der letzte Kaiser". Sein Film "Die Träumer" läuft jetzt in Deutschland an. Bernardo Bertolucci träumt von 1968 – und von einer neuen Zeit der Utopien

Ich bin über mich tief enttäuscht

Nach zehnjähriger Schaffenspause legt Saul Bellow ein neues Buch vor: "Ravelstein". Fritz J. Raddatz sprach mit dem Autor

Demokratie aus der Kiste

Es ist Montag, 17 Uhr. "Madame le Président!" ruft eine schwächliche Stimme in den Plenarsaal. Die Sitzungswoche des Europäischen Parlaments ist eröffnet.

Onanie, Phantasie und Literatur: "O Wollust, o Hölle"

Die Onanie ist kein Tabu-Thema mehr. So scheint es. Die Territorien kirchlich verzögerter Aufklärung sind davon freilich von vornherein auszunehmen: Die Bücher von Eugen Drewermann, Georg Denzler, Adolf Holl, Uta Ranke-Heinemann – Varianten des Psychogramms, die sich auf den Namen Kleriko- oder auch Eunuchogramme taufen ließen – haben das jüngst eindrucksvoll gezeigt.

Harry Rowohlt: Pooh’s Corner

Weil plötzlich Alberto Moravia starb, war in der letzten ZEIT kein Platz mehr für diese Kolumne. So brandaktuell sie letzte Woche war, so überflüssig ist sie heute.

Zum Tod von Alberto Moravia

In großen Lettern stand es auf der Titelseite von La Repubblica: "Senza Moravia". "Kein Moravia mehr" – das ist eine Tonlage, die man anschlägt, wenn zu befürchten steht, daß es etwas zum Leben Wesentliches nie wieder geben wird.

1 x mal Deutschland und zurück

Sieben Uhr zehn, Bahnhof Staltach, eine Haltestelle mit zugigem Wartehäuschen und ein paar Fahrradständern. Das alte Bahnhofsgebäude steht leer, die Scheiben des pavillonartigen gläsernen Vorbaus sind zerbrochen, die Ruine ist mit Dämmplatten abgesperrt.

Notizen eines Flaneurs

Die Ankunft – eben soll die glückliche Wahl des Zimmers mit großer Terrasse über den Dächern von Paris gefeiert werden – ist rasch überschattet: Jimmy Baldwin ist tot.

Kulturpolitik: Europa in Paris: Ach Europa!

"Ach Europa!", stöhnen wir mit Hans Magnus Enzensberger. Nachdem die Deutschen ihr Land (und einige andere dazu) zerstört hatten, wollten sie lieber, um nicht mehr Deutsche sein zu müssen, Europäer sein.

Italien: Vom Wunder des heiligen Benedikt

Ins Einerlei der klassischen Reiseführer über Italien hat der Berliner Verleger Klaus Wagenbach als einer der ersten neue Farben und Akzente gebracht: Carlo Emilio Gadda entführt in die Welt der verborgenen "Wunder Italiens", Michelangelo Antonioni spielt "Bowling am Tiber", der junge Dichter Gianni Celati führt als "Erzähler der Ebenen" in die verlorengehenden Winkel der Poebene.

Erbstreit: Ist Geiz ein Verbrechen?

Die Parteien und ihre Politiker, die Unternehmer und Gewerkschaften und nicht zuletzt millionenstarke Wählerheere frönten jahrelang der Devise: "Ein Dummkopf, wer nicht abkassiert" – das ist in Italien längst nicht mehr ein Problem des guten Tons, sondern bittere Realität.

Rentner-PEN

Am 5. Oktober 1921 nahm ein von der heute vergessenen englischen Romanschreiberin Catherine Amy Dawson-Scott ins Leben gerufener Autoren-Club PEN (Poets, Essayists, Novelists) in London sein erstes Literatur-Abendessen zu sich.

IM KINO

Gudrun Landgrebe, erotische Eisheilige in Liliana Cavanis "Leidenschaften" • Eine Schweine-Komödie: "A Private Function – Magere Zeiten" von Malcolm Mowbray • Drei Frauen, zwei Männer und Kalifornien: "Choose Me" von Alan Rudolph.

Das Hören verändert das Sehen

Das sieht ganz einfach aus. Ein junger italienischer Schriftsteller, der auch schon zweieinhalb Filme gedreht hat, macht eine Umfrage über die Liebe.

Filmtips

"Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" von Jim Abrahams, David und Jerry Zucker vermittelt ein auf ganz spezielle Weise "verrücktes" vertrautes Film- und Fluggefühl.

Die Mordbuben von Sardinien

Sie sind keine auch nur scheinbar "ehrenwerte Gesellschaft" wie einst die sizilianische Mafia, auch keine Kommandotruppe mit ideologischer Fassade wie heute die Terroristen der "Roten Brigaden", ja es ist fraglich, ob sie überhaupt eine einheitliche organisierte "Anonima", eine "Aktiengesellschaft" für Entführung und Erpressung sind, wie sie in der italienischen Presse seit langem genannt werden.

Kritik in Kürze

"Desideria", Roman von Alberto Moravia. Wenn die Gesellschaft nur noch aus "manichini", aus Gliederpuppen besteht, an denen richtig nur noch das eine funktioniert, wenn jenes hintere Teil, auf dem man auch sitzen kann, zum Gesicht wird, weil Kommunikation sich im Geschlechtsverkehr "a tergo erschöpft, zu dessen motorischem Vollzug Mister Activ erst mal gekauft werden muß – ja, dann sollten die sozialen Verhältnisse wirklich grundlegend verändert werden, sagt sich das ehemals an eine reiche laszive Römerin verschacherte Proletariermädchen Desideria, das auf den ersten Seiten dieses Dialog-Romans besser Onanina hieße.