: Aldous Huxley

Sanary, die Literaten-Kolonie: Nische für Vertriebene

Ein Fischerhafen wie aus dem Bilderbuch: Grauhaarige Männer flicken ihre Netze, die Hafenfront des Ortes, der in den dreißiger Jahren so große Berühmtheit erlangt hat, ist von einem mächtigen Hotel mit einem Festungsturm beherrscht, und wer an der Front dieses „Hotel de la Tour“ entlang zum alten Bouleplatz geht und den Weg hinauf, der an gepflegten Häusern und Gärten entlang auf die Höhe des kleinen Vorgebirges führt, der folgt den Spuren von Thomas Mann: Diesen Weg müssen sie alle gegangen sein, die hier bei ihm zu Gast waren in Sanary-sur-mer und an warmen Abenden im Garten der „Villa Tranquille“ gesessen haben: Lion Feuchtwanger, der in der Nähe gewohnt hat, Heinrich Mann, der später in Nizza lebte, aber zunächst im Hotel de la Tour am „Henri Quatre“ gearbeitet hat.

Zeitmosaik

Auf seiner Jahresversammlung in Speyer hat der deutsche PEN-Club Bruno E. Werner, den Romancier, ehemaligen Feuilletonchef der „Neuen Zeitung“ und späteren Kulturattaché der Bundesrepublik in Washington, zum neuen Präsidenten gewählt.

Schönes neues Baby

Baby Brown kam auf die Welt, wie es sich Mütter in Groschenromanen erträumen: gesund, millionenschwer und weltberühmt. Marktschreierisch von auflagenstarken englischen Boulevardblättern als „Baby des Jahrhunderts“ und „Unser Wunder-Baby“ angekündigt, erblickte Louise Brown, gut 2600 Gramm schwer, 13 Minuten vor Mitternacht am Dienstag letzter Woche im Hospital der mittelenglischen Industriestadt Oldham das Licht der Welt – per Kaiserschnitt und einige Tage zu früh, weil bei Mutter Lesley Brown, die im Wochenbett 31 wurde, eine leichte Blutvergiftung aufgetreten war.

Quelltexte: Alles falsch. Richtig.

Manchmal tut man Dinge, von denen man weiß, dass sie falsch sind. Aber trotzdem richtig. Aldous Huxley versteht das.

Die schwere Leichtigkeit

Sat.1-Moderator Thomas Kausch beherrscht die Kunst, Nachrichten und Unterhaltung zu verbinden. Beim TV-Duell zwischen Kanzler und Kandidatin fiel er vor allem mit dem Versprecher des Abends auf

Die Utopien des Kapitalismus

Was geschieht, wenn alle Wünsche der Wirtschaftsbosse endlich erfüllt sind? Angelsächsische Autoren blicken in die Zukunft Von Susanne Gaschke

Gerühmt und unbekannt

Er hat den Rang von James Joyce und Robert Musil, er beeinflusste Elias Canetti und Michel Foucault. Aber wer liest Hermann Broch?

Die All-Machtfantasie

Was tun gegen feindliche Raketen? Der Schutzschild, mit dem Amerika sich wappnen will, wird löchrig bleiben. Sogar mit der Technik von heute können Gegner das Abwehrsystem von morgen überlisten

Hölle I, II und III

Infernalisches Theater mit Johann Kresnik (Berlin), Tomaz E. Pandur (Hamburg) und Joachim Bessing (Göttingen)

No Joyce!

Vorsicht Buchdruck: Wer mit ambitionierten Büchern wie Ullysses in den Urlaub fährt, schafft es am Ende wieder nur bis Seite 12

In einem fort

Helge Timmerberg lebt seit 30 Jahren überall auf der Welt, nur nicht zu Hause. Eine Flucht ohne Ende.

Ein Ausflug in Huxleys Schöne Neue Welt: Patente Zukunft

Im Jahre 630 nach Ford wird im Eurasischen Parlament eine schwerwiegende Frage debattiert: Dürfen blaue Augen patentrechtlich geschützt werden? Mit den Fortschritten der Erbguttechnik waren schließlich genetische Eigenschaften ein verwertbares Gut wie jedes andere geworden, und die Human-Industrie verlangte jetzt, was in anderen Branchen schon lange üblich war.