: Arthur Miller

Der Prager Winter

Ein seltsames Volk, diese Tschechen. Offenbar waren sie es immer schon. Die stumme, neblige Atmosphäre Prags war nötig, um den Rabbi zu inspirieren, der den Golem erfand, einen Menschen als Menschenwerk.

Zeitmosaik

Der tschechische Schriftsteller Pavel Kohout in einem "Offenen Brief" an Heinrich Böll und Arthur Miller, in dem er um Hilfe für die von Zensur, Haussuchung, Verhören und anderen Repressalien bedrohten Autoren der CSSR bittet.

Zeitmosaik

Der welterlöserische Edenismus der sechziger Jahre hatte wenigstens für mich einen sauren Beigeschmack: Er wiederholte noch einmal den ersten Akt eines Stückes der Desillusion.

Pfusch verdirbt das Geschäft

Einmal im Leben möchte ich etwas richtig besitzen, bevor es kaputt ist. Immer ist es bei mir ein Wettlauf mit der Schuttabladestelle.

Rolf Hochhuth:: Die Opfer von McCarthys Hexenjagd

In dieser Woche soll in Stuttgart Rolf Hochhuths neues Schauspiel "Guerillas, Tragödie in fünf Akten" uraufgeführt werden. Der Schauplatz ist Amerika, und durch die schweren innerpolitischen Auseinandersetzungen um die Politik Richard Nixons gewinnt es eine Tagesaktualität, die nicht beabsichtigt war.

Nichts Harsches über den PEN-Club

Gerade diesmal ist das leichter als sonst: Entgegen allen anderslautenden Berichten und Gerüchten fanden sämtliche für den Internationalen Kongreß des PEN in Menton angekündigten Trojanischen Kriege nicht statt – und das durchaus nicht auf Grund von Leisetretereien oder Vertuschungen, sondern erfreulicherweise in guter Gesinnung, nach guter, mitunter heftiger Diskussion.

Gang zu den Vätern

Es spricht einiges dafür, daß der bedeutendste österreichische Autor unserer Tage Arthur Miller ist; es spricht auch, das läßt sich nicht leugnen, einiges dagegen.

Besuch beim alten PEN

Man hatte die Freunde nun schon seit ein paar Jahren nicht mehr gesehen – einmal war man krank, einmal war es einem zu weit nach New York, Bled, Abidjan, wo die ihre internationalen Kongresse hatten (8000 Schriftsteller aus 80 Ländern, vertreten durch 200).

Juden in der Literatur

Von Heine stammt das Bonmot: "Die Juden, wenn sie gut, sind sie besser, wenn sie schlecht, sind sie schlimmer als die Christen.

Fernsehen: Welch ein Schauspieler!

Wenn er sagte: "Ich bin todmüde, ich bin gefahren und gefahren", dann war nicht nur die Stimme noch ein wenig heiserer als sonst, dann zeichnete sich die Müdigkeit auch in seinen Mundwinkeln ab, die Unterlippe schlief ein, und die Augendeckel begannen, so schwer so schwer, ein Gutenachtlied zu summen; wenn er nach frischer Luft verlangte, der Frau befahl, die Fenster zu öffnen, und wenn sie dann sagte: "Aber Willy, sie sind doch offen, die Fenster", und sie waren wirklich geöffnet, das konnte jedermann sehen, dann sprach er die Sätze mit so traumtänzerischer Betonung, so somnambul und so imperativisch, daß der Betrachter am Bildschirm nicht den eigenen Augen, sondern dem Tonfall des Mannes vertraute, dessen Muskelbewegung am Hals, ein leises Stöhnen bezeichnend, den Anschein Lügen strafte: Das Fenster-Bild trog, die Flügel waren geschlossen, Willy Loman hatte ganz recht.

Unter Brüdern

Seltsame Duplizität: Zwei international renommierte Dramatiker wenden sich fast gleichzeitig von der politischen Thematik ihrer früheren Stücke ab und halten Gerichtstag über privates Seelenleben.

Sonne und Ranküne im Herzen

An jedem Freitagnachmittag füllen sich die Stuttgarter Briefkästen mit einer Zeitung, die in ihren Anfängen schwäbisch-zärtlich "Wochenblättle" hieß und sich inzwischen zum Stuttgarter Wochenblatt emporgeläutert hat.

Was lernen wir aus diesem Prozeß?

Die Ruhrfestspiele sind ein komplexes Unternehmen. Im Mittelpunkt dieses sozialen Kulturwerkes steht die Bühnendichtung. Vor allem die beiden Eigen-Inszenierungen mit einem ad hoc gebildeten Ruhrfestspiel-Ensemble erheben den Anspruch, als Spitzenleistungen deutschsprachigen Theaters bewertet zu werden.

Unser Kritiker sah:: EIN VOLKSFEIND

Die führenden Dramatiker Amerikas fußen auf Ibsen. Wenn nun einer von ihnen, Arthur Miller, es unternimmt, eines der frühen Gesellschaftsdramen Ibsens für die Gegenwart zu bearbeiten, dann muß man wohl aufmerken.

Aus den Hauptstädten der Welt: Herbstschönes Stockholm

Im Sommer ist auch Schwedens Hauptstadt nur das Verwaltungszentrum des Landes: In Scharen verlassen die Stockholmer in den Ferienmonaten Juni bis August ihre Stadt, und erst mit dem Beginn des Herbstes mausert sich Stockholm wieder zur Metropole.

Theater

Eine Gastpremiere wurde zum Höhepunkt der XIX. Ruhrfestspiele: Das Hamburger Thalia-Theater verlegte seine deutsche Erstaufführung von Arthur Millers Schauspiel "Zwischenfall in Vichy" in das neue Recklinghäuser Festspielhaus.

Zeitmosaik

Pressefreiheit ist (heute) die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten, Journalisten, die diese Meinung teilen, finden sie immer.

Aus den Hauptstädten der Welt:: Wien – die Vier auf dem Podium

Wien taumelt von Jubiläum zu Jubiläum. Waren es in der vergangenen Spielzeit Burgtheater und Josefstadt, die sich im Glänze runder Jahreszahlen sonnten – von dem Jahresregenten Shakespeare völlig zu schweigen –, so meldete in dieser Spielzeit mit gebotener Bescheidenheit zunächst das Volkstheater seine 75 Jahre an.

Theater

Dieses Stück ist viel besser als sein Ruf. Nach den ersten Inszenierungen war immer wieder zu lesen, es sei "geschmacklos", weil Miller seine Ehe mit Marilyn Monroe auf die Bühne gebracht habe.

Der "gute Mensch von Auschwitz"

Viele haben harte, abstoßende Gesichter, manche grinsen höhnisch, wenn sich einmal ein polnischer oder russischer Zeuge verhaspelt, einige springen zackig auf, legen die Hände an die Hosennaht, knallen die Hacken zusammen und sagen "Jawoll", sobald der Vorsitzende sie anspricht.