: Bruno Walter

Charisma mit Stöcken

Einer kam dabei sogar elend zu Tode. Als er am 8. Januar 1687 sein Je Deum dirigierte, stieß Jean-Baptiste Lully – wohl im Zorn über die schlaffen Musikanten – den mit einer Metallspitze besetzten Dirigentenstab nicht wie üblich auf den Boden, sondern sich direkt durch den Fuß.

Schutzgebiet für Paradiesvögel - ungemütlich werdend

Siegfried Jacobsohn redigierte sommers von Kampen aus seine berühmte Weltbühne; von Thomas Mann findet sich nicht nur eine Eintragung im Gästebuch von "Haus Kliffende", wo Nolde und Liebermann, Bruno Walter und Erich Kleiber, Ernst Rowohlt und Joachim Ringelnatz gewohnt haben, sondern auch die Wirkung der Insel im "Zauberberg", wo es über Hans Castorp heißt: ".

Ich bin und bleibe ein Einzelgänger

Böhm: Es wäre ungerecht, von großen Beschwerden zu reden; die habe ich nicht. Ich habe zwar einige Operationen hinter mich gebracht, eine Nierensteinoperation, eine Gallensteinoperation, die meine Lebensweise verändert haben.

Tönende Metaphysik

Mahlers Symphonien sind, um es in der Sprache des Jahrhundertanfangs zu sagen, "Weltanschauungsmusik". Der Anspruch, daß Musik als tönende Metaphysik von den letzten Dingen rede, ein Anspruch, der von Schopenhauer am nachdrücklichsten formuliert und durch Richard Wagner den Komponisten des fin de siècle als ästhetische Erbschaft hinterlassen wurde, war bei Mahler noch ungebrochen und wurde sogar ins Extrem gesteigert.

Mittler zwischen den Fronten

Diese Nacht habe ich mit Hülfe des harmlosen Calcium-Mittels, das wir durch Nikischs kennenlernten, überraschend gut und ausgiebig geschlafen.

Die neue Schallplatte

Eine legendäre Aufnahme (März 1956, monaural), jetzt neu zum Billigpreis. Mozart aus dem Geist von Tröstung und Ewiger Ruhe, nicht mit der Gewalt eines dies irae, ein bißchen Irritation gerade noch vor dem doch nicht ganz so leichten Sterben.

"Wir Musiker müssen den Klang benutzen wie ein Maler die Farbe": Im Grunde ein Romantiker

Trüge er nicht, ein bißchen wie einen Schutzschild, ein bißchen wie ein lästiges Stück Möbel, sein Instrument vor sich her, ich könnte ihn, wie er so auf die Bühne kommt, im dezent geschnittenen, aber tadellos sitzenden Anzug, das straff gekämmte Haar sauber gescheitelt, auch für den Herrn von der Konzertdirektion halten, der dem sehr verehrten Publikum mitzuteilen hat, daß der Solist leider erkrankt, und so weiter.

Die neue Schallplatte

Wegen der Bernstein-Platten hat CBS lange gezögert, sich mit einer Wiederveröffentlichung der Bruno-Walter-Aufführung Konkurrenz im eigenen Haus zu machen.

Schallplatten

Eine Aufnahme aus dem Jahre 1961: sehr hell, fast scharf, aber ungeheuer präzise, keine Seelendusche, sondern ein zwar gefühlsbetontes Musizieren, das aber mit Melancholie etwas Vergehendes betrachtet, äußerst kultiviert, mit der noblen Geste eines Mannes, der technisch nichts zu befürchten hat und darum sich ganz der Mitteilung des Empfundenen widmen kann.

Ganz ohne Kern

Üblicherweise faßt man die letzten drei zusammen, das scheint nicht mehr zu genügen: auf den Schallplattenmarkt gibt es inzwischen dreimal die letzten sechs Mozart-Symphonien.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

In ihrem Ausdruck, schrieb Bruno Walter über Kathleen Ferrier, habe sich "ein intensives Gefühl vom Anmutigen bis zum Tragischen in voller Wahrhaftigkeit ausgesprochen".

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Bruno Walter, 1901 von Gustav Mahler an die Wiener Hofoper geholt, erwarb sich derart die Gunst des Komponisten, daß Mahler ihm die Uraufführungen seiner Neunten Symphonie und vom "Lied von der Erde" anvertraute.

ZU EMPFEHLEN

Ein großer Musiker, der zugleich ein ungewöhnlich reiner und lauterer Mensch war, porträtiert sich und seine Epoche in Briefen aus achtundsechzig Jahren; aus jeder Zeile des vorzüglich kommentierten Bandes sprechen hohe Gesinnung und Kultur, Bescheidenheit, Energie und eine Künstler-Ethik, die er mit Thomas Mann, dessen Duzfreund er war, teilte.

Große Geiger unserer Zeit (IV): Problem mit Violine

Die Schwierigkeiten beginnen bereits bei der Entscheidung darüber, wo das Schwergewicht liegen soll: bei dem pausbäckigen Knaben, der wie kein anderer die Bezeichnung Wunderkind verdiente, weil er künstlerische Leistungen vollbrachte, die vorher oder nachher von keinem anderen Geiger erreicht wurden; bei dem mit den Reifungskrisen kämpfenden Manne, der mit sich selbst einen verzweifelten Kampf um die Bewahrung seiner virtuosen Fähigkeiten und vor allem um seine künstlerische Potenz führte; oder bei dem Fünfzigjährigen, dessen Antlitz zuweilen ein Schimmer des Asketischen durchleuchtet und in dem die vergangenen Kämpfe und gegenwärtigen Verkrampfungen Spuren hinterlassen haben, die nur mit Ehrfurcht und Erschütterung registriert werden können.

Aus den Hauptstädten der Welt: Wien – und seine Nachbarn

Der Juni pflegt in Wien ein Monat der kulturellen Überanstrengung zu sein. Noch einmal vor Saisonschluß rappeln sich die Theater zur einer Premierenflut auf, und die Darbietungen erstrecken sich vom Theater an der Wien, dem offiziellen Festwochengebäude, bis in die Vorstadt, wo zwischen biedermeierlichem Pawlatschentheater und Blasmusik die populäre Kunstübung aus dem Boden schießt.

Berlins neuer Generalmusikdirektor

Das Schild vor der roten Klinkervilla in der Dahlemer Thielallee trägt noch den Namen eines früheren Bewohners. Der Sekretär – in weißer Jacke, "Parlez-vous français?" – führt den Besucher durch ein großes Musikzimmer über eine Terrasse auf gepflegten Rasen.

Zwischen Kunst und Leben

Die Namen zweier großer Dirigenten begrenzen den Band zu Beginn und am Schluß: Bruno Walter und Carl Schuricht. Sie erzählen von ihrem Leben.

Wir verlieren viel mit Bruno Walter

Der Mann, der am 17. Februar in Beverly Hills, ein halbes Jahr nach seinem 85. Geburtstag, starb, war ein Künstler von Weltformat und ein Mensch von jener Harmonie, ausgewogener Geistes- und Herzensbildung, die in unserem Jahrhundert immer größeren Seltenheitswert erlangt hat.

München ehrt Bruno Walter

In München war der Städtische Kulturpreis mehrfach starker Kritik ausgesetzt: solange er nämlich in völlig unzweckmäßiger Weise zu gleichen Teilen an Prominenz und Nachwuchs vergeben wurde – wobei weder eine wirkliche Ehrengabe noch eine wirksame Förderung herauskam.

Neue Schallplatten:: Brahms – nicht einzuordnen

Alle Versuche, Johannes Brahms für die klassische oder die romantische Schule der Musik mit Beschlag zu belegen, scheitern. Er weist eine ganz neue Substanz auf: Vielgestaltigkeit als organisch geschlossenen Eigenwert.

Bruno Walter bekennt

Unter den Musikern von Weltrang ist Bruno Walter einer der letzten Vertreter eines aussterbenden Typus, den man gemeinhin für die "Romantik" in Anspruch nimmt.

Notizen

Zieht Bruno Walter sich zurück? Der berühmte österreichische Dirigent Bruno Walter hat die Einladung der New Yorker Philharmonischen Gesellschaft, für sie in der Konzertsaison 1957/58 als Gastdirigent aufzutreten, abgelehnt.

Ein großer Intendant

Tietjens und meine gemeinsame Arbeit begann 1925 in der damaligen Berliner Städtischen Oper an der Bismarckstraße mit deren festlicher Eröffnung; zur Aufführung kam Glucks "Iphigenie in Aulis" unter der großartig-beschwingten musikalischen Führung Bruno Walters.