: Egon Erwin Kisch

Der Kritiker Marcel Reich-Ranicki soll für den polnischen Geheimdienst gearbeitet haben. Ist der Vorwurf berechtigt? Ein Gespräch über den Kommunismus der frühen Jahre, die DDR und immer wieder die Literatur : Ja, ich habe daran geglaubt

Reich-Ranicki: Das hat, wie vieles in meinem Leben, mit der Literatur zu tun. In meiner Schulzeit in Berlin habe ich vor allem linke Literatur gelesen, natürlich Thomas Mann, aber auch Heinrich Mann, Arnold Zweig, Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht, Egon Erwin Kisch und sehr viel Tucholsky.

Europa rühmt sich seiner Vielfalt. Doch wo sie am reizvollsten sein könnte, im bunten Südosten, führt sie zum Krieg. Es geht um "das Ureigene" und "das Fremde", das – wie paradox – erst hergestellt werden mußte : Von der Fabrikation der "nationalen Identität"

Europa blickt angewidert und ratlos auf seine Peripherien. Nur dort an den Rändern, möchte man glauben, tobe die alte "europäische Krankheit" aus Nationalismus, Zersplitterung, Grausamkeit und archaischem Streit fort.