: Egon Monk

Eiserner Vorhang, kalte Zeit

Deutschland Ost contra Deutschland West - und die Künstler zerissen. Fritz J. Raddatz schreibt von Autoren und Fanatikern, Regisseuren und Politruks, von Dramen und Komödien

Fernseh-Kritik: Das Tabu

Ein großes Unternehmen. Fünf Jahre und vierzehn Millionen hat es gebraucht, bedeutende Talente gebunden und einen "exemplarischen Zeitroman" (Verlagswerbung) in Bilder gegossen: "Die Bertinis", Geschichte einer Hamburger Musikerfamilie mit jüdischer Mutter während der Nazizeit.

Zeitmosaik

Auf Grund des Reaktorunglücks in Tschernobyl hat das Saarländische Staatstheater Saarbrücken eine Umstellung im Spielplan der kommenden Saison vorgenommen.

Zeitmosaik

"Ich war das Opfer einer Verschwörung ... Ich habe ein Komplott zwischen einem Wiener Journalisten und dem österreichischen Minister für Unterricht und Kunst aufgedeckt.

Angst des SWF vorm Denken: Unfriede

Es ist schon ziemlich ekelhaft: Da wollen sich die Leute die Augen blindweinen beim Holocaust-Film über Unrecht und Verbrechen, die sie angeblich vorher nicht kannten; da jubelt die Presse über Egon Monks jüngste Feuchtwaneer-Verfilmung, deren zentrale Sequenz der Selbstmord des jüdischen Schülers ist, der sich sein Recht auf abweichende Meinung und widerständiges Denken nicht abschnöden noch ablisten läßt.

Fernseh-Vorschau: Würde des Widerstehens

ZDF, Sonntag, 30. Januar, 19.30 Uhr, und Montag, 31. Januar, 21.20 Uhr (zeitgleich auch in Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Schweden, Kanada, Australien und Neuseeland ausgestrahlt): "Die Geschwister Oppermann", Film in zwei Teilen von Egon Monk nach dem Roman von Don Feuchtwanger.

Festkleid für Andersen

Hans Christian Andersen hat viele Hommagen aushalten müssen. Kenntnisreich, ungespreizt, klar und schön ist der kurze Aufsatz von Egon Monk, den Hans Joachim Gelberg einer jetzt erschienenen Auswahl von einundzwanzig Märchen aus dem Teekessel in einem Nachwort beigegeben hat.

Bertolt Brechts erste Probe in Berlin

Auf dem Probenplan steht: Bühne, 10 Uhr, 5. Bild, Gutsküche. Eben hat Brecht mit Erwin Geschonnek, dem Darsteller des Matti, und mit Ilse Nürnberg, die das Stubenmädchen Fina spielen wird, die kleine einleitende Szene arrangiert.

Wie aus Butter Margarine wird

In ihrer Uneinsichtigkeit hecken die Verantwortlichen stets das Gegenteil von dem aus, was sie tun müßten. Ein schönes Beispiel hierfür ist die regionale "Aktuelle Schaubude", die von einer Frau Steinbauer und einem Herrn Müller angesagt wird.

Fernsehen: Warum alles so ist

Es ist eine Atmosphäre der ungewaschenen Füße. Es ist der Mief der Kleinstadt, jener Brodem aus Klatsch, Geldgier, Ehrgeiz und politischen Interessen; es ist jene Luft, wo die kleine Glocke an der Tür des Posamentierwarenladens scheppert und eine alte Jungfer nach vorn gestolpert kommt.

Defizit im Repertoire

Deutsche Staatstheater machen Schlagzeilen, allerdings nicht mit Inszenierungen oder Skandalen an der Rampe. Die Nachrichten kommen vielmehr aus dem Bereich hinter den Kulissen.

Der Tod des Zweiten Mannes

Über den Selbstmord des Verwaltungsdirektors und die Krise am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg

Ruhe nach Monk

Martin Sperr, 1944 in Steinberg geboren, wurde 1966 in Bremen mit seinem ersten Stück, den "Jagdszenen aus Niederbayern", als Dramatiker bekannt.

Der Nachfolger

Diese als Nachfolge-Krise sich drapierende Krise der Institutionen wäre nicht intakt ohne die Teilnahme der Museen, und jetzt ist es denn auch so weit, die Fragen nehmen überhand: In München, Nürnberg, Stuttgart und Hamburg galt und gilt es, entscheidende Posten neu zu besetzen.

Kunst als Ware: Ja, aber... und...

Hinweise auf den Warencharakter der Kunst sind wichtig, schon damit die Begrenzungen, die der Kunst in unserer Gesellschaft (und nicht nur in ihr) durch Produktions- und Verteilungsverhältnisse, durch Nachfragemanipulation und durch den Konsumstandpunkt der Kritik auferlegt sind, nicht verschleiert werden.

Die Räuber als theatralisches Wagnis

Das Hamburger Schauspiel findet bis November 1969 vorwiegend in München statt. Während in Hamburg am Schauspielhaus ein "Interregnum" herrscht, das mit der Vibach-Inszenierung der "Moral" soeben zeigte, was "weiterwursteln" am Theater heißt, konnte man am Residenztheater erleben, wie manche Münchner Hamburger Besucher neidvoll zu einer lokalen Premiere beglückwünschten.

Hans Lietzaus langsame Karriere

Hans Lietzau wurde 1913 in Berlin geboren. Dort hat er 1932 Theater- und Zeitungswissenschaft zu studieren begonnen, dann besuchte er zwischen 1933 Und 1935 die Schauspielschule des Preußischen Staatstheaters.

Namen der Woche

Heinrich Lübke (74), Bundespräsident, kündigte auf seinem Geburtstagsempfangan, er werde am 30. Juni, ein Vierteljahr vor Endeseiner zweiten Amtsperiode, drei Monate vor der Bundestagswahl, zurücktreten.

Ende einer Affäre: Monk oder das Regiment der 75 Tage

An dem Morgen, da der Aufsichtsrat des Hamburger Schauspielhauses tagte, um das Rücktrittsgesuch seines Intendanten anzunehmen, wartete die Morgenpost mit einem Nachfolger-Vorschlag auf: Sie nannte Harry Buckwitz, den ehemaligen Generalintendanten von Frankfurt, jenen Mann also, den Egon Monk um ein Haar in Frankfurt abgelöst hätte, wäre Hamburg damals nicht schneller gewesen.

Monks Mär

Wie das Ungeheuer von Loch Ness, so hat das Gespenst von der hinterhältigen politischen Konspiration ein zähes Leben. Mal hieß es: "Die Verschwörung der Weisen von Zion", ein andermal: "Die Hamburger Kumpanei" und schließlich: "Die Verschwörung der deutschen Linksintellektuellen".

Theater: Eine schlimme Folge des Gehorsams

Lenin hat im Zusammenhang mit der Möglichkeit einer Revolution in Deutschland an das unaustilgbare Ordnungs- und Gehorsamsbedürfnis der Deutschen gedacht und spöttisch gemeint: Schon die Eroberung eines Bahnhofs würde hierzulande daran scheitern, daß ihn die Revolutionäre nicht ohne ordnungsgemäß gelöste Bahnsteigkarten zu betreten wagen würden.

Janssen als Theaterversucher

Über das bestürzende Gefühl, nichts zu fühlen, wenn in diesen Wochen an den Litfaßsäulen statt der gewohnten Theaterpläne und Vorankündigungen das Wort "Theaterferien" prangt, schrieb hier in der vergangenen Woche Horst Krüger.

Soll Theater politisch sein?

Entweder wußten Hamburger Bürgerschaft und Senat nicht, was sie taten, als sie Egon Monk zum Intendanten des Deutschen Schauspielhauses bestellten – oder sie wußten nicht, was sie redeten, als sie Monk noch vor seinem Amtsantritt mit warnenden Tadel- und Drohworten bedachten.