: Ehrensold

Wulff-Verabschiedung: Hässlicher Hass

Der Ehrensold für Christian Wulff sorgt in der Bevölkerung für Hass und Bestürzung. Dabei ignorieren viele die eigentliche Bedeutung von Ehre und Würde. Von S. Gaschke

Ein Mann wie Voß

Als Johann Heinrich Voß am 17. Juli 1805 in Heidelberg eintrifft, scheint er am Ziel seiner Wünsche zu sein. Vom badischen Kurfürsten Karl Friedrich zu "tatenloser Mitwirkung" an die gerade erneuerte Universität berufen, erhält er einen Ehrensold von 1000 Gulden jährlich zu seiner Eutiner Rektorspension von 600 Talern hinzu, die ihm sicher sind, solange er in Heidelberg als Berater im Hintergrund bleibt, also keine öffentlichen Vorlesungen hält.

Ludwig Harig "Heimweh – Ein Saarländer auf Reisen"

Das Saarland hätte ihm längst eine Art Ehrensold oder Leibrente gewähren sollen, schließlich gab es in der Geschichte dieses Landes noch keinen ähnlich der Sprache Mächtigen, der diese Macht vorwiegend dazu nutzte, vom Saarland zu schwärmen, einem Land, um das keiner mehr, der Ludwig Hang gelesen hat, einen Bogen wird machen mögen – wie er das vielleicht bisher noch tat.

Zeitmosaik

Zu riskieren, als alter Mann um einen Ehrensold betteln zu müssen, ist nicht ein Risiko, das mir das Leben würzt. Natürlich, Schriftsteller zu sein, Künstler zu sein, schließt eine gewisse Liebe zum Risiko mit ein.

Ehrensold für alte Neger

Bundespräsident Heinrich Lübke, der im Februar zu einer dreiwöchigen Afrika-Tournee aufbricht, darf vor allem in den Republiken Kamerun und Togo des Jubels von glücklichen Negern gewiß sein.

Poem und Lied

Dem Dichter so gut wie dem Sportkämpfer spendeten die Hellenen den Lorbeer. Wenn noch heute drüben überm Kanal eine traditionsfromme Krone die mit einem Ehrensold dotierte geistige Peerswürde eines Poet Laureate verleiht, zeichnet sie nicht nur den jeweils Erkorenen, sondern Rang und Ansehen der Dichtkunst aus.