: Erich Hackl

Im Dickicht der Einsamkeit

Jorge Pomar Montalvo ist 43 Jahre alt, groß und kräftig, hat drei Kinder und ist in zweiter Ehe mit Gipsia Cäceres de la Guardia verheiratet, einer medizinisch-technischen Assistentin, die nach einer schweren Operation in Frührente ist.

Das Leben der Katharina D.

Ein donauschwäbischer Erzähler: Johannes Weidenheim und seine "Pannonische Novelle"

Ruhiggestellt

Am 20. Juli 1960 ging die neunundvierzigjährige Maria Theresia Wilhelm, geschiedene Gantenbein, von Grabs im sanktgallischen Rheintal nach Buchs, um ein paar Schuhe zu kaufen.

Leidenschaften, Blasphemien, Zärtlichkeiten: Ein Trommelfeuer

Ein Mann erinnert sich. Er ist einunddreißig, Kubaner, und er erinnert sich nicht freiwillig. Vor ihm liegt ein Formular, auf dem er, einer "schlichten Lebensbeichte" zwecks Aufnahme in die Kommunistische Partei Kubas wegen, die einzelnen Stationen seines Lebens auflisten soll.

Soziale Herkunft: Sonstige

Wer sich aus den ehemaligen Volksdemokratien bei uns Gehör verschaffen wollte, mußte lange Zeit mächtig auftrumpfen mit Folter und Verhör oder doch wenigstens mit Protokollen aus einer grauen, uniformen Gesellschaft, über die, unsichtbar und allmächtig, das Auge der Gesetzlosigkeit wacht, Spitzelohren an jeder Wohnungstür, in desolaten Fabrikhallen, neben langen Warteschlangen, in denen das Volk ansteht, Brot und Lüge zu kaufen.

Zeitalter der Bruchstücke

in "Zeitalter der Bruchstücke" — so klagte eine berühmte Autorin: Lediglich "ein paar Strophen, ein

Fernseh-Kritik (II): Der gequetschte Autor

Wie gesagt: Die Konkurrenz von Fernsehen und Buch ist eine ums Bild. Da geht es nicht um Konsum gegen Kultur oder Farbenfreude gegen Bleiwüste, sondern um Kameraprodukt gegen Anschauungsprodukt, um Elektronik gegen Vorstellungskraft.

In Kürze

Ein vernebelter Morgen? Eine verregnete Nacht? Schemenhaft nur sieht man einige Gestalten über einen Holzsteg gehen. Die Straßenlaternen spenden gespenstisch wirkendes Licht, und man denkt an einen außerirdischen eher als an einen wirklichen Ort.

Düstere Morgenröte

Zwischen Tatsachentreue und Temperament: Erich Hackls erster Roman "Auroras Anlaß"

Eine politische Erzählerin ist zu entdecken: Die Tränen behalten

Ein längeres Zitat: "Die Schäbigkeit dieser Stadt, dieses Sklavenheer, das sich da allmorgendlich verdrossen zur Arbeit wälzte! An den überfüllten Elektrischen hingen sie wie Trauben, bösartig, hinterlistig stießen sie jeden, der zusteigen wollte, so heftig zurück, daß Gefahr bestand, er würde unter die Räder geraten.

Roman aus El Salvador: Schlimmer als Dantes Inferno

Der Vorfall wäre dem Dichter eine Geschichte wert gewesen, die europäische Leser wegen ihres sarkastischen Tons schockiert hätte: im Dezember 1982 berichtete die spanische Tageszeitung El Pais aus der salvadorianischen Hauptstadt, daß ein junger Mann namens Juan José Dalton von den Militärs seines Landes, nach Folterungen, stolz der Presse vorgeführt wurde – als Beweis für die angebliche ausländische (sprich: sowjetische) Intervention in einem Krieg, den die Regierung El Salvadors seit Jahren gegen das eigene Volk führt.

Die Toten werden schnell ironisch

Auf den Kulturseiten, in den Feuilletons ist kaum Platz für El Salvador, pulgarcito, "Däumling", der amerikanischen Staaten, über den nur Bitteres zu berichten ist: weit über 13 000 Tote allein in den letzten zwölf Monaten, zahllose Menschen für immer verschollen, Folterungen in einem nicht mehr zu beschreibenden Ausmaß.