: Erich Mühsam

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Wege der Freiheit: Erich Mühsam

»Sich fügen heißt lügen« – das ist sein Credo, Unerschrockenheit sein Lebensprinzip: Ein Anarchist im edelsten Sinne des Wortes.

Zeitmosaik

Bi München sit en Herbert / achtern Busch, / de wull partout wat / in de Gosch. / Er hat ganz maso / rumgewinselt / und alles mit Pisse / angepinselt / Doch wie den Mond der / Hund nicht stört, / hat keiner den winselnden / Herbert gehört.

Verbrannte Bücher: Verbrannte Menschen

Fünfzig Jahre fördern nicht nur den Prozeß des Vergessens – sie verharmlosen auch, sie bestärken jedermann in der Neigung zu falscher, weil so bequemer Versöhnlichkeit.

Schreiben ist Leben

Snob, Connaisseur – oder Wortabschmecker? Ästhet, homme-de-lettres – oder Literaturnarr? Was von all dem war Friedrich Sieburg, dem so erbärmliche Miß-Titel wie „Großkritiker“ oder „Literaturpapst“ erspart blieben, der gleichwohl der einflußreichste Literaturkritiker der Nachkriegszeit war und der voller plauderndem Behagen Anekdoten erzählte wie die von dem Pariser Antiquar, der sich so ungern zwischen seinen Buchschätzen stören ließ; „ein wunderbares Leben, wenn bloß die Kunden nicht wären!“ – „Das wäre ein herrliches Schreiben, wenn bloß das Publikum nicht so unangenehm untrennbar dazugehörte“, fügt der Journalist Sieburg hinzu, der zeitlebens für auflagenstarke Zeitungen schrieb und dessen Bücher Publikumserfolge waren.

Tote auf Urlaub

„Noch glaubt uns die Mitwelt unsere Revolution nicht, und wir selbst haben Grund, vorerst an ihr zu zweifeln. Denn von einer veränderten Mentalität ist bei den Deutschen so gut wie nichts zu spüren.

Lübeck – eine schwierige Vaterstadt

Franziska Gräfin Reventlow, die in Holstein geborene Schriftstellerin, hat es gehört und weitererzählt. Auf einer Lübecker Abendgesellschaft kam das Gespräch auf die berühmt gewordenen Kinder der Stadt: auf Heinrich Mann, der das „lübsche“ Anstandsgefühl durch „Professor Unrath“ verletzt hatte; auf Fritz Behn, den Senatorensohn, der sein Leben als brotloser Bildhauer fristete; auf Erich Mühsam, den von der Polizei observierten Anarchisten; auf Thomas Mann, der mit den „Buddenbrooks“ am schauerlichsten an seiner Vaterstadt gefrevelt hatte.

Das seltsamste Dorf der Welt

Niemals konnte Max von Emden verstehen, daß anderen Menschen der Anblick junger, unbekleideter Mädchen nicht so wichtig war wie ihm selbst.

Kritzeleien aus dem Kerker

Vor einundvierzig Jahren, am 10. Juli 1934, wurde Erich Mühsam, Dichter und Kabarettist, politischer Publizist und Herausgeber anarchistischer Zeitschriften, im KZ Oranienburg ermordet.

Der Mann, der sich B. Traven nennt

Der Roman hieß „Die Baumwollpflücker“, spielte in Mexiko und erschien in der sozialdemokratischen Wochenzeitung Vorwärts. Ernst Preczang, Cheflektor der jungen Büchergilde Gutenberg, fand die Geschichte des staatenlosen Tramps Gale, der einen virtuosen Streik gegen seinen Schinder-Chef organisiert, so gut, daß er bei dem unbekannten Autor am 13.

Paul Scheerbart: Sternen-Menschen

Paul Scheerbart (1863–1915) ist ein Autor, den beides verletzte, die Realität und der Realismus. Er flüchtete, sich mancher Elemente des Jugendstils, des Surrealismus und des (historisch nicht gebundenen) Manierismus bedienend, in die Phantastik, in die Utopie, in die Abstraktion von Farblichtspielen, in die Scheinirrationalität bizarrer Bauwerke (schrieb ein Buch „Glasarchitektur“).

Gruß an Ernst Niekisch

Am 23. Mai 1959 begeht eine weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannte Persönlichkeit ihren 70. Geburtstag: Ernst Niekisch.

Ausgestiegen aus dem Korsett

Ein Kapitel deutscher Kulturgeschichte: Der Aufbruch der Protest- und Lebensrefornibe wegungen zu Licht und Luft

In Kürze

Vom ersten Brief, im Mai 1900 an Hermann Sudermann, unterschrieben „Erich Mühsam, Pharmazeut“, bis zur letzten Botschaft aus dem KZ Oranienburg an seine „Liebste Zenzl“, Juni 1934 (vier Wochen vor seiner bestialischen Ermordung): ein atemberaubender Lebensbogen.

Perpeh läßt schön grüßen

Die Welt ist explodiert, aber das ist nicht weiter tragisch. Brüllemeyer, Passko und Lusander, drei Gelehrte aus Java, sind dem Inferno mit üppigem Proviant entkommen.