: Erich Mühsam

Grobheiten, Geschäftliches, verzweifelte Melancholie: Paul Scheerbarts Träume und Lebenskatastrophen im Spiegel seiner Briefe : "Na? Warum lacht ihr wieder?"

Beim ersten Durchblättern der Briefe von Paul Scheerbart wird man enttäuscht sein. Was erfährt man über ihn, ihn, der als trinkfester Phantast in keiner Beschreibung der Boheme fehlen darf, diesen "Kosmokomiker" und "Weltenbaumeister", diesen lachenden "Barbar", wie Walter Benjamin ihn in einem Essay nannte? Wenn man nach intimen Geständnissen sucht, wird man vergebens forschen.

In der nächsten Woche beginnt in Berlin die Internationale Funkausstellung. Wie alle zwei Jahre werden auch diesmal wieder technische Triumphe der Superlative gefeiert. Nach der "Software" indes fragt kaum einer mehr – die meisten Rundfunkprogramme sind heute ohnehin in einem Zustand, der uns nur wehmütig zurückblicken läßt auf jene Jahre, in denen es noch hieß: : Achtung, Achtung; neue künstlerische Möglichkeiten!

Abenteuer Radio: Nachrichten aus einer Zeit, als das Hören neu erfunden wurde

Die Jury von ZEIT und Radio Bremen stellt LUCHS 33 vor : LUCHS 33

Erich Mühsam als Autor für junge Leser? Der 1878 in Berlin geborene Verfasser sozial-revolutionärer Essays, satirischer Verse fürs Kabarett, aufklärerischer Arbeiter-Dramen auf einer Kinder- und Jugendbuch-Seite und in einem "Literaturmagazin" des Rundfunks, das Empfehlungen für angehende Leser gibt? Die Antwort kann in dieser von nationalistischen Parolen wieder dröhnenden Zeit nur sein: Ja.