: Ernst Rowohlt

Grobheiten, Geschäftliches, verzweifelte Melancholie: Paul Scheerbarts Träume und Lebenskatastrophen im Spiegel seiner Briefe : "Na? Warum lacht ihr wieder?"

Beim ersten Durchblättern der Briefe von Paul Scheerbart wird man enttäuscht sein. Was erfährt man über ihn, ihn, der als trinkfester Phantast in keiner Beschreibung der Boheme fehlen darf, diesen "Kosmokomiker" und "Weltenbaumeister", diesen lachenden "Barbar", wie Walter Benjamin ihn in einem Essay nannte? Wenn man nach intimen Geständnissen sucht, wird man vergebens forschen.

Harry Rowohlt: Pooh’s Corner

Gar nicht wahr. Aber ich befinde mich gerade auf Seite 193 eines südkalifornischen Krimis, den ich als Strafarbeit für meinen Zürcher Lieblingsverlag übersetze, insgesamt hat das Werk 215 Seiten, mithin sind, Augenblick, 89,302325 Prozent gelutscht, und man könnte es sich selbst überlassen, der Held funkelt mehr oder weniger vor sich hin, so gut wird es ihm auf dieser Seite nie wieder ergehen, gleich ruft er nämlich seine Freundin Mae an, ganz mechanisch, weil er vergessen hat, daß er sich mit ihr verkracht hat, und im Augenblick ist mir sein weiteres Geschick dermaßen sterbenswurscht, daß er von Glück sagen kann, wenn ich ihn nicht vermittels eines vergifteten Pitralons fünf Seiten lang siechen lasse.