: Ernst Stein

Ein Monolith

Weshalb Marcel Reich-Ranicki nicht Literaturredakteur der ZEIT geworden ist

Ende und Anfang

Die Spätantike wurde lange Zeit zwischen 284 und 476 n. Chr abgegrenzt, zwischen dem Regierungsantritt des großen Restaurators Diokletian und der kläglichen Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus.

Dem ZEIT-Autor Ludwig Marcuse zum 90. Geburtstag: Ein Mensch als Philosoph

Um des einen willen soll ihrer aller gedacht werden: der drei großen deutschsprachigen Juden, die von den späten fünfziger Jahren bis in die frühen siebziger geholfen haben, die ZEIT aus deutschem Provinzialismus herauszuschreiben: Der Literaturkritiker Ernst Stein war nach London emigriert und dort geblieben.

ZEITMOSAIK

Im Alter von fast achtzig Jahren starb in Schmalenbek (bei Hamburg) der Allround-Schriftsteller, Kabarettist, Philologe, Humorist, Literaturkritiker und Sachse Hans Reimann.

Satire-deutsch und wienerisch

Was ist Satire – besser gefragt: was gilt allgemein dafür? Keine andere literarische Form entzieht sich so proteisch der Definition.

Ernst Stein

Wir nannten ihn Edi; aber wir waren nur wenige, und auf ihn paßte dieses "Edi" mit seiner bübchenhaften Vertraulichkeit gar nicht.

Notationen des Herzens

Durch Briefe berühmt zu werden, und nur durch Briefe, scheint den Frauen vorbehalten, von der mannhaften Heloise des verkürzten Abälard über die großen Liebenden des achtzehnten Jahrhunderts bis zur hexenhaft genialischen Rahel Varnhagen.

Lektüre für fünfzehn Jahre

Mit dem Begriff der Enzyklopädie hantiert die Bildung seit mehr als zweihundert Jahren, solange der menschliche Geist sich noch unterfangen konnte, die Summe seines Wissens zu ziehen.

Der Knabe und der Mann

Mit Schiele hat sich die Nachwelt blamiert", schrieb Ernst Stein vor vierzehn Tagen in der ZEIT, als er Siegfried Freibergs Schiele-Roman "Ihr werdet sehen .

Mit Schiele hat sich die Nachwelt blamiert

Der geniale Mensch ist keine dankbare Romanfigur. Jedes Genie hinterläßt den authentischen Roman seines Lebens in seinem Werk – seien es die "Caprichos", sei, es die "Pathetique" oder der "Timon" – und entzieht sich der Darstellung aus zweiter Hand.

Der gemäßigte Expressionist

Mehr als zweihundert hinterlassene Gedichte; und vierzig Aufsätze über Bücher und TheatereineLandschaft und Leute; achtzig Briefe und eine erstaunlich umfangreiche Bibliographie sind in diesen beiden schönen Bänden vereinigt – fast ein Überangebot, um einen so gut wie Verschollenen einzuführen, und streckenweise von flüchtiger Substanz.

Bildung in der Tasche

Ein Taschenbuch ist, wie schon der Name vorgibt, ein Buch, das man in die Tasche stecken kann. Versuchen Sie’s einmal! Schön sieht es jedenfalls nicht aus.

Das will eine Kulturgeschichte sein?

Kulturgeschichte kann zur Not auch als Plauderei geschrieben werden, wenn gründliches Wissen ihr souffliert. Einem ist es geglückt, Egon Friedell, aber zur Nachahmung ist es nicht zu empfehlen.

Güte und eine harte Hand

Das literarische Leben im ersten Drittel des Jahrhunderts, durch eine Generation und eine ganze Welt von uns getrennt, bewahrt seine ungewöhnliche und nicht immer willkommene Anziehungskraft für die Gegenwart nicht zuletzt darum, weil sich die Persönlichkeiten, von denen es wimmelte, so plastisch aus dem entgleitenden Bild abheben.

Niemals Außenseiter seiner Zeit

Die Sekundärliteratur weidet friedlich zwischen Ästhetik und Politik auf den abgegrasten Triften der Interpretation. Sie hat einen guten Labmagen.

Die Zeit auf dem Buckel

Der Weg In die Vergangenheit ist mit Memoiren gepflastert. Wenn nicht so viele Berühmtheiten ihre Denkwürdigkeiten hinterlassen hätten, müßte die Nachwelt nicht dauernd die unbequemen Maßstäbe an die Geschichte anlegen, die ihr postum in die Hand gedrückt werden.

Das Böse im Schnörkel

Die neunziger Jahre haben, als sie unter etwas Pech und Schwefel dahingegangen waren, keinen guten Eindruck hinterlassen, jedenfalls keinen tiefen.

Hiob im möblierten Zimmer

Das Bild Stefan Georges hat sich der Nachwelt tiefer eingeprägt, als sein Werk, von dem das fahle Licht des Steinernen Gastes ausgeht.

Der verblendete Seher

Klassiker und Epigonen – so handlich die beiden Begriffe für die Geschichtsschreibung sein mögen, sie sind mitschuldig an der Aushöhlung des literarischen Geschmacks, weil sie zu Respekt oder Geringschätzung verpflichten, wiewohl die kunsttheoretischen Voraussetzungen dafür längst außer Kurs sind.

Der Ernst dieser Zeit

Wir leben in einer humorlosen Zeit, was noch nicht bedeutet, daß wir in ernsten Zeiten leben – und welche Zeiten wären es nicht gewesen? Auch die fidelsten Epochen hatten ihre Bedrohungen durch Krieg und Not und soziale Spannungen, sie hatten auch ihre Mahner und Untergangspropheten, denen man, damals wie heute, zerknirscht, aber unverbindlich zuhörte.

Ein grandioses Greuel

Die ZEIT berichtete kürzlich (Nr. 8/1966) aus München über eine von klerikaler Seite vereitelte Aufführung des "Liebeskonzils" von Oskar Panizza an der Studiobühne der Universität, das dann auf anderen Brettern zu einer Leseaufführung mit anschließender Diskussion gelangte.

Die mit Müßiggang vergeudete Zeit

Das Dilettantische dieser flüchtigen Jugendarbeiten beweist nichts gegen sie, es unterscheidet sie nicht einmal, dem Wesen nach, von dem Massiv des Meisterwerks, dem sie vorgelagert sind.